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Auf dem Weg der Besserung

Im Schänzle wurde geputzt

Zu ungeduldig und ein bisschen übertrieben – so bewerten die Veranstalter des Beachvolleyballturniers im Schänzle die Reaktion einiger auf die Folgen des sportlichen Ereignisses. Aber sie geben auch Fehler zu.

15.08.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Stadtrat Peter Cuno formulierte es im Leserbrief so: „Dreck, Lumpen, Unmengen von wenigen Zentimeter langen Alufolienstücken verunzieren das Areal. Für ein Beachvolleyball-Feld mit einem Event von wenigen Tagen, das diesen Zustand erzeugt, habe ich meine Hand im Gemeinderat nicht gehoben.“

Er meinte seine Zustimmung, dass die Stadt 23 000 Euro aus dem Topf für Bürgeraktionen gibt, um zwei Beachvolleyball-Felder im Freizeitpark Schänzle anzulegen. Die Felder sind noch nicht fertig, das internationale Turnier am vorvergangenen Wochenende sollte glamouröser Auftakt sein für den beliebten Sport. Zwei Felder stehen künftig allen zur Verfügung.

Tatsächlich sah das Schänzle eine Woche nach dem Turnier übel aus. Reste der Tribünenbauten standen herum, Sand und Wiese waren übersät von Plastikfolien-Schnitzeln, die silbern im Sonnenschein glitzerten. Solches vom Himmel regnende Geflitter gehört heute zu Sportereignissen mit Show-Charakter dazu.

Norbert Vollmer, Geschäftsführer des Turnvereins Rottenburg, der die Beachvolleyballfelder mit aufbaut und der als vor Ort Greifbarer besonders unter Beobachtung steht, war gestern leicht gereizt ob des Flitter-Glitters: „Das wird es nie wieder geben“, sagte er. Er und seine drei Kinder waren schon den zweiten Tag im Schänzle und klaubten die Folienschnipsel vom Boden.

Der Hauptsponsor Killerfish aus Bruchsal habe den Folienregen vorgeschlagen, sagt Vollmer. Veranstalter des Turniers war die Sandbrand Sportmarketing aus Lichtenstein mit den beiden ehemaligen Rottenburger Erstliga-Volleyballern Stefan Schneider und Benny Stefanski. Stefanski sagte zum Folienregen: „Die haben uns gesagt, das ist ein super Show-Effekt.“ Von den Folgen sprach wohl keiner. „Da müssen auch wir noch lernen“, gab Stefanski zu.

„Wir sind doch noch mitten drin im Aufräumen“, sagte Schneider gestern. Manche Rottenburger seien „extrem nervig ungeduldig“. Auch Sandbrand habe zu 90 bis 95 Prozent mit ehrenamtlichen Helfern gearbeitet. Irgendwann sei mal die Kraft am Ende. Die Stadtwerke seien gleich nach Turnier-Ende reinigend drübergegangen, aber da haben die Tribünen noch gestanden. Die seien erst nach einer Woche von der Verleihfirma abgebaut worden. Danach war das Feld ganz frei. Frei auch, um die Beachvolleyballfelder erstmals für die Bedürfnisse des Breitensports herzurichten (siehe Kasten).

„Grotesk“ findet Schneider den Vorwurf, die Sandspielfelder seien eine regelrechte Einladung, sie als Hundeklo zu benutzen. „Warum gehen denn diese Vorwürfe nicht an die Hundebesitzer?“ TVR-Geschäftsführer Vollmer sieht es ähnlich: „Dann sind die ganzen Spielplätze der Stadt, die in Sand eingebettet sind, wie etwa der Deichelweiher, auch Hundeklos.“ Benny Stefanski erwidert: „Wir haben 99 Prozent positive Stimmen zum Turnier bekommen, nur ein Prozent Kritik. Aber dieses eine Prozent geht richtig ab.“

Bei der Stadtverwaltung ist urlaubsbedingt nicht genau herauszubekommen, wie die Vertragsbedingungen waren. Die üblichen Überlassungsverträge würden gelten. Wenn die Veranstalter nicht aufräumen, kämen die Technischen Betriebe, und deren Arbeit würde den Organisatoren in Rechnung gestellt.

Fürs Schänzle gebe es noch nicht viel Veranstaltungserfahrung, sagte die stellvertretende Amtsleiterin Heike Kächele. Das Fest der Nationen oder den Band-Contest habe das Kulturamt veranstaltet und danach auch selbst aufgeräumt. Wer sich den Boden vorm Konzertpavillon ansieht, wird gerechterweise sagen, dass es dort nicht sauberer ist. Viele Leute nutzen das Schänzle jeden Tag, nicht nur Jugendliche, auch Ältere und auch Hundebesitzer.

Stefan Schneider, der gestern ins Schänzle kam, wurde nach erster Aufwallung versöhnlicher: „Wir nehmen die Kritik gern an. Nächstes Jahr machen wir es besser.“

Im Schänzle wurde geputzt
Wenn sie glitternd durch die Luft flirren, bieten sie einen super Show-Effekt. Danach liegen die silbrigen Folienschnipsel am Boden und lassen sich stellenweise nur von Hand aufklauben. Mario Vollmer, 9, (Bild) und seine Geschwister haben mehrere halbe Eimer voll von dem Zeug eingesammelt. Bild: Fleischer

Das Beachvolleyball-Turnier war der Auftakt für möglichst viel Freizeit-Beachvolleyball im Schänzle. Aus dem Turnierfeld werden zwei Felder. Gestern ließ der Turnverein die Böschung anschütten, Norbert Vollmer fräste den Boden fein. Dann wird Rasen eingesät. Eine ein Meter hohe Bande wird die Felder umgrenzen. Nach außen soll sie Hunde abhalten, im Inneren Bälle zurückhalten.

Am kommenden Wochenende sollen die Felder bespielbar sein. Vollmer hofft dann auf eitel Freude nach dem Ärger der letzten Tage. Auf einer großen Sandfläche daneben gibt es bereits eine Beach-Bar, die noch bis Ende August bleibt und zur guten Laune beitragen soll.

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15.08.2012, 12:00 Uhr

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