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Das Tagebuch der Ärztin Luise Guffarth aus den ersten Wochen der französischen Besatzung 1945

Im Schlund des Trichters (3 und Schluss): „Wenn man nur genau wüsste, woran man wäre“

TÜBINGEN. Die Tübinger Ärztin Dr. Luise Guffarth schildert in ihrem Tagebuch, das vom 18. April bis 4. Juni 1945 reicht, ihrem Mann bis zu dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft anschaulich den Beginn der französischen Besatzungszeit. Die gebürtige Hannoveranerin, damals 30 Jahre alt, lebte mit ihrem vier Monate alten Baby und ihrer Mutter in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Biesingerstraße 18 und arbeitete in der teils als Lazarett genutzten HNO-Klinik.

27.04.2011
  • Redaktion: Hans-Joachim Lang

17. Mai

Seit gestern ist die Ausgangszeit nun dauernd von 0 – 21 Uhr festgesetzt worden, u. das ist sehr angenehm, da man jetzt draussen etwas länger arbeiten kann, u.a. auch im Gärtle. Gestern hat Mutti 10 Tomatenpflanzen geholt (…) und die stehen nun schon in den 3 Fensterkästen im Erker. Hoffentlich ist die Ernte so gut wie im letzten Jahr.
Heut morgen traf ich in der Neckarhalde eine sehr aufgeregte, weinende Frau, deren Tochter BDM-Führerin war u. jetzt verhaftet u. mit einem Auto abgeholt wurde. Solche Dinge passieren täglich.

Vor den Bäckereien und Schlachtern stehen immer noch ab ½ 7 Uhr früh die langen Schlangen, bis alles für den Tag ausverkauft ist.
Eben erzählt M., dass die Amerikaner sämtliche Institute, wissenschaftliche Werke, sowie das Kaiser-Wilhelm-Institut mit allen [Arbeits-] Kräften nach Amerika schaffen wollen, um unsere Forschungsgeister für sich zu angeln.

18. Mai

So nach u. nach verschwinden nun auch die öffentlichen Luftschutzsicherungen. Gestern sind die bunten Tarnungsmatten an der Uni abgenommen worden u. ausserdem hat man die Steinvorbauten am Rathaus entfernt. Man beobachtet leider auch unangenehme Dinge, z. B. dass sich deutsche Mädchen, – bemalt wie Französinnen, – von französischen Offizieren im Auto abholen lassen. Und man hört leider Gottes von vielen solchen Fällen. Manchen geht eben das Schamgefühl gänzlich ab. Traurig! Sehr deprimierend ist es auch anzusehen, dass alle deutschen Soldaten u. Offiziere bei ihren Gängen von einem Lazarett zum anderen immer von einem bewaffneten Franzosen begleitet werden.
Seit gestern weht die Trikolore nicht mehr vom Gericht u. wir hoffen, dass wenigstens bald das Sternenbanner aufgezogen wird u. damit die französ. Tyrannei aufhört.

19. Mai

Gestern war Dr. P. in der Klinik. Er hat sich in Monteuruniform von der Slowakei her zu Fuss u. Rad bis hier durchgeschlagen. Nun weiss er nicht recht, wie er sich verhalten soll. Wenn er wieder an die Klinik kommt, sehe ich schwarz für meine Existenz.
Eben erfahren wir, dass die Franzosen in der Chirurgie u. a. im Operationssaal Schweine u. Kühe schlachten. Und dann wurde im Radio gesagt, dass unser Sanitätswesen sehr zurück sei. Bei uns dagegen [in der Ohrenklinik] haben die Franzosen im grossen Operationssaal unsteril Bauchschüsse usw. operiert u. daneben geraucht u. sich geschneuzt. Ob das den Patienten geschadet hat, konnten wir leider nicht feststellen.
Bei Familie P. haben 10 Tage Amerikaner gewohnt u. während der Zeit alles an Kleidung, Wäsche u. Schmuck gemaust. Also sind sie doch nicht sehr viel besser als die Franzosen.

20. Mai, 21. Mai (Pfingsten)

Tagesdienst in der Klinik. Pfingstmontag Dauerregen.

22. Mai

Gestern abend hat Mutti den Jungen langsam wieder nach Haus gefahren, als plötzlich ein Auto langsamen Schritts ihr folgt. Dann wird sie von einem schwarzen Franzosen überholt, der voller Interesse in den Kinderwagen guckt u. dem Kleinen auf die Backe streichelt. Da hätte ich dabei sein wollen! Mutti hat den Jungen daheim aber gleich abgewaschen.
Vor ein paar Tagen haben die übrigen Kollegen schon die von der Klinik beantragten Rotkreuz-Ausweise (in französischer u. deutscher Abfassung) erhalten, die einen berechtigen, ein Fahrrad zu benutzen. Mein Ausweis fehlte. Nun war ich eben deswegen auf dem Gesundheitsamt, wo man angenommen hatte, dass ich wegen des Kindes nicht mehr an der Klinik arbeite. Den Ausweis erhalte ich morgen; u. dann werde ich demnächst radfahren, wenn langsam die Gefahr vorbei ist, dass einem Franzosen oder Ausländer trotz Ausweis das Rad abnehmen.

Immer öfter sieht man jetzt Lastautos mit Vieh, Ochsen, Kühen, Schweinen u. Schafen zur Chirurgischen Klinik fahren, wo sie im OP-Saal geschlachtet werden. Die Franzosen werden nämlich jetzt nicht mehr von den Amerikanern mit Lebensmitteln versorgt – angeblich, um sie weiter zurück zu zwingen, – u. daher leben die Franzosen leider aus dem Lande. Umso mehr sehnt man die Amerikaner herbei, die das vielleicht nicht tun werden.
Kollege S. hat durch seine Beziehungen zur französischen Kommandantur jetzt einen Nachtpassierschein. Die Beziehungen gehen wohl über seinen Vater, der Freimaurer sein soll u. jetzt Bürgermeister von Mergentheim ist. S. selbst ist morgens stundenlang in der Stadt u. niemand wagt ihm etwas zu sagen. Sogar seinen Pfingstdienst hat er einfach übersehen u. macht stattdessen eine Pfingsttour.

Erzählt habe ich Dir wohl auch noch nicht, dass die 2 russ. Mädchen, die in der Klinik waren, seit der Besetzung nicht mehr arbeiten, sondern mit Schwarzen auf dem Rasenplatz vor der Klinik herumliegen. Als die Verwaltung die beiden hinausschmeissen wollte, wurde ihr von französischen Stelle bedeutet, dass das nicht angängig sei; nur verpflegen brauchen wir sie jetzt nicht mehr. Ihr Zimmer sei voll von Plünderungsgut, u.a. blaue Marineuniformen, die aber auch von Deutschen viel geplündert [worden] sind aus dem Versorgungsamt.

Täglich ist es mir deprimierender u. erschreckender, wie viele Mädchen u. Frauen sich bereits freundschaftlich mit weissen u. schwarzen Feindsoldaten abgeben. Und das nach 5 Wochen Besetzung; wie mag es dann nach Jahren sein? Armes Deutschland!
Eben habe ich einen Fall gehört, dass die Amerikaner bei München die dort gefangenen deutschen Soldaten nach 4 Tagen Gefangenschaft wieder entlassen haben. Die Leut‘ haben zu dem Fussmarsch bis hier 6 Tage gebraucht. Die Bauern sollen sich aber unsern Lanzern gegenüber zum grossen Teil sehr geizig gezeigt haben.

23. Mai

Heut mittag hat mir Mutti den Kleinen zum Stillen in die Klinik gebracht, da ich um 14 Uhr zur Zahnklinikbehandlung bestellt war. Auf dem Wege dorthin sehen wir auf der Wilhelmstrasse in den Gartenplatz neben dem Museum zwei Franzosen, die gerade einen Hammel geschlachtet hatten u. nun beim Ausnehmen waren; Kopf u. Eingeweide lagen bereits z. T. in der Gegend umher u. werden mit Sicherheit auch liegengelassen. Wir Deutschen dürfen es dann wegschaffen.

Nun ist auch Kollege P. wieder in den Klinikdienst eingereiht u. hat, nachdem S. die Männerabteilung wieder abgenommen wurde, diese ganz u. allein übernommen. Da jetzt oft Rotkreuz-Autos in die nähere u. weitere Umgebung fahren, kann man denen manchmal Briefe an Bekannte mitgeben, denn das ist ja jetzt vorerst noch der einzige Postverkehr. So habe ich heut an Elsbeth nach Oberstdorf einen Brief mitgeben können. Die wird sich freuen! Vor 2 Wochen habe ich auch versucht, Dir einen Brief zukommen zu lassen u. da ich nur Deine Freiwaldener Adresse weiss, hab‘ ich einfach dahin geschrieben u. zwar, – man höre u. staune, – durch französische Feldpost. Bei Schwester Christel wohnt nämlich ein französischer Offizier, der sich erboten hat, Briefe zur Beförderung zu geben. Natürlich habe ich Dir nur unwichtiges mitgeteilt. Ob Du ihn erhältst?
Jetzt kursiert das Gerücht, dass Feindflugzeuge Kartoffelkäfer in Tüten abwerfen. Es sollen in letzter Zeit auch vermehrt die Schädlinge gefunden worden sein.

24. Mai

Gestern habe ich bei Dr. B. gesehen, dass der seine lange Militärhose jetzt schon ohne blaue Litze als Zivilhose trägt. Daraufhin habe ich Deine auch gleich so zivilisiert. Nur habe ich sie noch nicht wieder zusammengenäht, da ich mir, falls Du sie so nicht trägst, einen Rock daraus machen möchte.

Eben haben nun endlich auch die 2 russ. Dienstmädchen die Klinik verlassen, da sie in Lager kommen zum baldigen Abtransport. Mit nichts sind sie gekommen, u. mit 3 vollbeladenen Leiterwägele sind sie abgegangen. U. a. haben sie ihre Betten u. Matratzen aus der Klinik mitgehen lassen u. trotzdem die Verwaltung davon wusste u. die Frau Verwalter dabei war, wurde aus Angst nichts dagegen unternommen.

25. Mai

Jetzt versuchen nun viele Evakuierte wieder in ihre Heimat zu kommen u. so warten manche Leute nun mit Sack u. Pack tagtäglich auf der Rotkreuz-Lastautostelle in der Kornhausstrasse, ob vielleicht mal ein Wagen in ihre Gegend fährt u. sie mitnehmen kann.

Der grösste Teil der hiesigen Ausländer scheint nun fort zu sein u. wie erzählt wird, haben manche versucht, ihre geklauten Fahrräder jetzt gegen 1 Fl. Schnaps zu tauschen, da sie anscheinend keine Räder mitnehmen können.

Prien, Udet u. Mölders [Jagdflieger der deutschen Luftwaffe] „sollen“ nicht tot sein, sondern sich im KZ befinden, habe es im Radio geheissen. (Aber es sind doch Staatsbegräbnisse abgehalten worden!)

27. Mai

Gestern haben die Franzosen anscheinend mit ihrem Abzug angefangen, denn den ganzen Tag über sind über die Wilhelmstrasse Panzer u. Lastautos eines nach dem anderen Stuttgart zu. Vielleicht stimmt also der Termin des 2. Juni doch. Auch hier werden z. T. Leitungen abmontiert.

Seit Mitte letzter Woche gibt es auch wieder eine Tübinger Zeitung, die 2 - 3 mal in der Woche erscheint.

Die Radiosendungen sind wieder im Stil wie vor 1933, d. h. unter anderem von 2 - 3 Uhr nachmittags Kinderstunde u. abends singt Richard Tauber u. Marlene Dietrich.
Seit gestern habe ich nun leider auch meine bezahlte Stelle verloren, d. h. ich habe sie an den Kollegen P. abtreten müssen. Wenn ich vorerst zwar auch das Geld noch erhalte, aber was dann? Arbeitslos, geldlos. Nun warte ich umso mehr auf Deine Rückkehr, denn dann regeln sich auch diese Fragen.

Heut war ein enormer Flugverkehr, eine Welle nach der anderen flog Frankreich zu; vermutlich deutsche Flugzeuge.

Seit einigen Tagen fängt nun unser Junge an, ziemlich zu sabbern, – ein Zustand, den ich bei kl. Kindern schrecklich finde, aber da diese Sache mit den Zähnen zusammenhängt, kann man kaum etwas dagegen machen. Auch beginnt er jetzt, Daumen zu lutschen, u. nach den ersten Zielübungen findet er jetzt den Mund mit Sicherheit. Den Schnuller braucht er nun aber nicht mehr. Er ist jetzt 4 Monate alt u. ist 70 cm lang. (…)


28. Mai

Seit einigen Tagen haben wir, wie auch alle anderen Lazarette, eine französische Wache in der Klinik, die in dem Zimmer dem Kasino gegenüber schlafen. Es sind 5 Marokkaner u. 1 Weisser, die sich 2-stündlich vor der Klinik ablösen. Alle 6 sind sehr anständige Kerle. Einige sind aber oft sehr genau u. lassen keinen Besucher in die Klinik, nicht mal zu Zivilkranken, meist deshalb, weil sich die Leute nicht verständigen können. Gestern musste auch ich erst erklären, dass ich Ärztin bin. Jetzt ist meist auch ein deutscher Soldat dabei.

Täglich sieht man jetzt wieder ganze Schulklassen, die täglich abwechselnd zum Arzneikräutersammeln u. Kartoffelkäfersuchen gehen.

Vorm ev. Gemeindehaus versammeln sich auch jeden morgen die Kinder zum Religionsunterricht u. Konfirmandenstunden. So ändern sich die Zeiten.
Am christl. Hospiz steht seit einigen Tagen ein Schild in russischer Sprache: Dort haben 3 russ. Kommissare ihr offizielles Quartier.

29. Mai

Die französ. Wachen in den Lazaretten wurden damit erklärt, dass einige Soldaten u. angebl. auch Ärzte ab seien. (Stimmt nicht! Siehe unten)

30. Mai

Im Laufe einer sog. christl. Vortragswoche unter dem Titel: „Gott lebt“, sprach gestern der ev. Landesbischof in der Stiftskirche. Die Ansichten über diesen Vortrag sind sehr verschieden u. er hat sehr viel Staub aufgewirbelt. Vielleicht erscheint er in der Zeitung; es wäre sehr interessant.

Dass die Franzosen noch sehr wenig rationell zu leben gewohnt sind, geht u.a. aus der Tatsache hervor, dass sie die zahlreich abgeschlachteten Hammel nicht erst abscheren, sondern die ganzen abgezogenen Häute mitsamt dem Wollpelz eingraben. Was würden wir daraus noch alles verwerten können!

Von der Med. Klinik ist ein Auto mit ein paar Soldaten auf die Filder gefahren, um dort Kohl zu holen. Bei einer Kontrolle kam heraus, dass kein Passierschein vorhanden war. Die Leute wurden eingesperrt u. der verantwortliche Stabsarzt (H. Beck) zu 10000 Mark oder Haft verurteilt. Die Uni soll die Summe bezahlt haben.

Eben kam Mutti mit der Mitteilung, dass Neckarhalde u. Biesingerstrasse für einige Tage demnächst Einquartierung erhalten u. dafür geräumt werden sollen. Offiziell ist aber noch nichts. Da bei amerikanischen Einquartierungen die Bewohner aber in 1 - 2 Std. das Haus verlassen müssen, wollen wir gleich heut abend u. morgen versuchen, alle noch gepackten Koffer u. Garderobe etc. bei Schwester Gertrud u. bei Breitmeiers unterzustellen. Bei Br. hoffen wir auch über die Tage schlafen zu können. Am besten wäre es ja, wenn wir es nicht brauchten, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht u. sichern muss man sich in dieser Zeit nach jeder Richtung hin, da man doch nie weiss, was geschieht.

1. Juni

Jetzt heisst es wieder erneut, dass nächste Woche amerikan. Besatzung kommt u. die Franzosen schon ihre Abmarschbefehle hätten. Auch seien in der Neckarhalde bereits Häuser besichtigt u. beschlagnahmt. Dann würde evtl. die Räumung auf Monate u. Jahre sein. Das wäre ja entsetzlich bitter. Auf jeden Fall haben wir bereits für den Fall eine Unterkunft gefunden u. zwar bei meinen früheren Wirtsleuten oben im Pharmakol. Institut. Breitmeiers oberes Zimmer bewohnt leider ein französ. Offizier. Einige Koffer etc. haben wir auch schon bei Bekannten untergebracht. Nur wie sollen wir auch noch einige Essvorräte wegschaffen, u. was? Das sind grosse Sorgen. Jeden Morgen u. Nachmittag laden wir einen vollen Koffer auf den Kinderwagen u. kutschieren ihn zu Schwester Gertrud. Wenn man nur endlich genau wüsste, woran man wäre.

2. Juni

Seit ein paar Tage sitzt nun auch der oberste Chef der Reserve-Lazarette, – Wagenhäuser, – u. ausserdem muss er eine Geldstrafe von 10000 zahlen. Grund: 2 Unterärzte (Patienten) sind entsprungen. Deswegen auch die verschärften Bestimmungen: Nur 2 mal wöchentlich Besuchszeit in allen Lazarett- u. Zivilabteilungen.

Wenn der Bahnhof aufgeräumt würde, könnte in die nähere Umgebung wieder ein Zug fahren. Die Bahn stellt täglich 60 - 80 Leute bereit für diese Aufräumungsarbeiten, aber jeden Tag werden diese Männer von den Franzosen für andere eigenen Arbeiten weggeholt, da die Franzosen anscheinend keinerlei Interesse für das Ingangkommen unseres Zugverkehrs haben.

Die hier anwesenden Studentinnen müssen täglich die Hindenburg- u. Thiepvalkaserne putzen, wo Russen u. Polen bis zu ihrem Abtransport hausen. Die Mädels sind dort üblen Chikanen ausgesetzt, da noch während des Reinemachens absichtlich alles wieder verschmutzt wird u. sie nicht eher gehen dürfen, ehe alles sauber ist.

Ausser der französischen Kommandantur ist jetzt auch eine amerikanische u. eine russische hier. Die beiden ersten residieren jetzt in den Räumen der Kreissparkasse u. die letzteren im Christl. Hospiz, vor dem nun immer ein prächtiges Auto mit 4 Sowjetsternen steht. Die 3 Kommissare sehen sehr unheimlich aus u. deren Uniform ist für uns ein recht ungewohnter Anblick.

4. Juni

Gestern nachmittag wieder Tannenzapfensammeln. Schwester Gertrud fungierte als Kindsmagd.

Nach der Rückkehr schellts zu Haus u. eine junge Dame aus Dresden übermittelt Grüsse von Franz. Die Freude war ungeheuer. Ich konnt‘s kaum fassen. Noch während wir ein Glas Wein zusammentrinken, schellt es 3 mal kräftig. Mein 1. Gedanke: Das ist Franz. Und wirklich: er ist da.
(Schluss)
S


Anmerkung: Abkürzungen wurden im Sinne besserer Textverständlichkeit oft ausgeschrieben, in eckigen Klammern stehen redaktionelle Ergänzungen, drei Punkte in runden Klammern kennzeichnen Kürzungen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden der Vorname des Kinders umschrieben („unser Junge“) und die Nachnamen meist nicht ausgeschrieben. Zum besseren Verständnis sei noch angefügt, dass es sich bei den Ausländern, von denen im Text oft die Rede ist, großteils um Zwangsarbeiter handelte, die nach Tübingen verschleppt worden waren, in der Nazizeit keinerlei Freiheiten hatten und nur mit Taschengeld entlohnt wurden.

Im Schlund des Trichters (3 und Schluss): „Wenn man nur genau wüsste, woran man wäre“
Luise und Franz Guffarth im Mai 1944 im Gärtchen in der Biesingerstraße 18.

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27.04.2011, 12:00 Uhr

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