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Im September dürften sechs bis acht Asylbewerber kommen
Im Jahr 2013 hat die Gemeinde das Haus mit den grünen Fensterläden in der Horber Straße günstig ersteigert.Bilder: sei
Wohnraum gesucht

Im September dürften sechs bis acht Asylbewerber kommen

Im Gemeindeblatt vom 31. Juli schaltete die Verwaltung ein Inserat mit dem Inhalt: „Die Gemeinde sucht ein einfaches älteres Haus zum Kauf oder zur Miete zur Unterbringung von Asylbewerbern.“ Laut Landratsamt sollen im September weitere sechs bis acht Asylsuchende nach Empfingen kommen.

22.08.2015
  • Reinhard Seidel

Empfingen. In einem Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE erläuterte Bürgermeister Albert Schindler die aktuelle Situation. Bekanntlich gehört der Gemeinde das alte Haus Mühlheimer Straße 10. Gemeldet sind hier sechs Personen. Oft seien die fünf dort gemeldeten Asylbewerber nicht anwesend, sondern nur der eine Obdachlose.

Empfingen müsste aber, wie Benjamin Geigl vom Sozialamt Freudenstadt Schindler mitgeteilt habe, insgesamt 14 Asylbewerber beherbergen. Geigl rechne im August mit grob 160 Asylsuchenden, die der Landkreis aufnehmen müsse.

Im Jahr 2013 hat die Gemeinde das Gebäude Horber Straße 9 ersteigert. Dort könnten gut acht weitere Personen – jeder stünde rechtlich eine Wohnfläche von 4,5 Quadratmeter zu – untergebracht werden. Im Haus sind im ersten- und im Dachstock vier Zimmer und ein Bad, im Erdgeschoss ein Raum für eine Küche. Winfried Mock hat mit seinem Dienstleistungsservice in den vergangenen Tagen die Räume frisch gestrichen und vereinzelt neue Bodenbeläge eingelegt. Die Gemeinde hat zudem die Elektrik im Haus von einem Fachmann checken lassen. Die Erlacher Höhe wird im Auftrag des Landkreises für Mobiliar sorgen. Das Landratsamt ist auch für den Einbau einer Küche zuständig.

Vom Zuschnitt, so Albert Schindler, sei das Haus ideal für eine achtköpfige Familie, da die Zimmer nicht abgetrennt werden können. Bei Unterbringung von Einzelpersonen sieht Schindler die Gefahr sozialer Spannungen. Geigl werde versuchen, eine Familie zu finden. Dies versprechen könne er aber nicht. Die Asylsuchenden kämen übrigens direkt aus den Landesaufnahmestellen Karlsruhe oder Meßstetten.

Empfingen wird wohl noch mehr Asylsuchende aufnehmen müssen

Soweit der Istzustand. Nun trägt sich aber die Gemeinde schon lange mit dem Gedanken das Gebäude in der Mühlheimer Straße bis spätestens Ende des Jahres bezuschusst abzubrechen. Dieses ist marode, liegt im Sanierungsgebiet „Ortskern II“ und das Programm läuft zum 31. Dezember 2015 aus. Also fielen diese sechs Unterbringungsplätze weg. Die Gemeinde hatte mittlerweile Interesse am Kauf eines Hauses in der Fischinger Straße gezeigt. Es gab auch Gespräche mit einem Nachbarn, der gerne einen Teil des Gartens hätte. Allerdings, so Schindler, hätten sich die Preisvorstellungen des Verkäufers nicht mit denen der Gemeinde gedeckt. Das Gebäude ist an einen Makler übergeben worden. Deshalb sei die Gemeinde nun auf der Suche nach einer Alternative – zum Kauf oder zur Miete. Übrigens: Auf die Anzeige hin, hat sich, zumindest bis Mitte dieser Woche, niemand gemeldet, was Schindler aber auch nicht sonderlich überrascht hat.

Vielleicht hat die Gemeinde sogar noch ein kleines Hintertürchen offen. Sie hat nämlich im Juli beim Regierungspräsidium einen Antrag auf Fristverlängerung bis Ende 2016 und die Aufstockung des Förderrahmens des Landessanierungsprogramms „Ortskern II“ beantragt. Sollte dieser Antrag durchgehen – die Gemeinde wird dies im Oktober erfahren –, dann müsste, so Schindler, die Mühlheimer Straße 10 „nicht mit Gewalt abgebrochen werden“. Man hätte jedoch nur ein paar Monate gewonnen, weil der Abbruch dann spätestens Ende des nächsten Jahres erfolgen müsste.

Hält der Zustrom der Asylsuchenden weiter an, dann rechnet Schindler zudem damit, dass die Quote für Empfingen um weitere fünf bis sechs Personen erhöht wird. Und da die Gemeinde nur im Besitz der früheren Lehrerwohnung in der Wiesenstetter Straße und der Wohnung über der Backküche in Wiesenstetten ist, müsste dann ein älteres Gebäude gekauft oder gemietet werden.

In Wiesenstetten stehen mehr Gebäude als in Empfingen leer. Sieht Schindler dort eventuell eine Lösung? Wegen der Versorgung eher nicht, denn von Wiesenstetten aus müssten die Asylsuchenden einen Bus nehmen, um einkaufen zu gehen.

Wenn Asylsuchende in Empfingen länger verbleiben, dann hofft Schindler, dass sich Personen finden, die sich hier ehrenamtlich engagieren. Ein Empfinger habe ihm gegenüber dies schon signalisiert. Seien die Flüchtlinge aus Syrien, dann wolle er mit einer israelischen Palästinenserin Kontakt aufnehmen, die im Ort lebt und vielleicht Sprachprobleme überbrücken könnte.

Sabine Eisele, die Pressesprecherin des Freudenstädter Landratsamtes teilte der SÜDWEST PRESSE mit, dass das Sozialamt die Wohnung in der Horber Straße in Empfingen „voraussichtlich im September mit sechs bis acht Personen belegen“ werde. Da der Zustrom von Asylbewerbern weiterhin ansteigt, sei es „sehr wahrscheinlich, dass wir in Empfingen – sofern wir geeigneten Wohnraum anmieten können – in der Zukunft noch mehr Personen unterbringen werden.“ Sie stellte zudem unmissverständlich klar: „Woher die Asylbewerber kommen, wissen wir heute noch nicht. Wir bekommen die Asylbewerber von der Erstaufnahmestelle zugeteilt und haben keinen Einfluss darauf, aus welchen Ländern diese kommen und ob es sich um Familien oder Einzelpersonen handelt.“

Im September dürften sechs bis acht Asylbewerber kommen
Blick in zwei Zimmer im Gebäude Horber Straße 9 in Empfingen.

Im September dürften sechs bis acht Asylbewerber kommen
Das Gebäude Mühlheimer Straße 10 in Empfingen möchte die Gemeinde gerne abbrechen. Doch wohin mit den sechs Personen, die darin wohnen?

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22.08.2015, 12:00 Uhr

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