Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Göppingen

Im Sonderzug für Flüchtlinge setzen die Wehen ein

Ruhig liegt der kleine Ali in der Wiege neben seiner Mutter. Ab und an meldet er sich kurz zu Wort.

20.11.2015
  • MS

Göppingen Gerade hat der Neugeborene die letzte ärztliche Untersuchung hinter sich gebracht, bevor er entlassen werden kann.

Am Sonntagabend hielt er noch seine ganze Familie, Bahn und Sanitäter auf Trab, als er in Göppingen das Licht der Welt erblicken wollte. Die Familie, die anonym bleiben möchte, war in einem Sonderzug für Flüchtlinge von Freilassing nach Mannheim unterwegs. Doch gegen 20.30 Uhr musste der Zug in Göppingen nothalten: Bei der Mutter hatten die Wehen eingesetzt, die Fruchtblase war geplatzt. Ein Rettungswagen wartete bereits am Bahnhof, um die 24-jährige Frau in die Klinik am Eichert zu bringen. Dazu kam es jedoch nicht mehr: Das Baby kam um 20.54 Uhr noch im Rettungswagen zur Welt.

Begleitet wurde die junge Mutter dabei nur von ihrem 16-jährigen Bruder, da nur eine Person im Rettungswagen mitfahren konnte. Er war außerdem als einziger der Familie in der Lage, ins Englische zu übersetzen. Der Ehemann musste im Zug bei den beiden anderen Kindern, je ein und drei Jahre alt, bleiben. Begonnen habe die Flucht der Familie vor einem Monat in ihrer Heimatstadt Kandahar in Afghanistan. Verfolgt von den Taliban, sei die Familie dort nicht mehr sicher gewesen, erzählt der 16-Jährige sichtlich. Am vergangen Sonntag sei schließlich alles ganz schnell gegangen. Nun wollen beide endlich zum Vater und der Schwester nach Michelstadt. Die Geschwister von Ali vermissen die Mutter auch schon sehr.

Die Zusammenführung der Familie steht auch für Ulrike Maybaum, Pflegekraft in der Neugeborenen-Station der Klinik am Eichert, im Mittelpunkt. Seit Sonntag sei die Station in Kontakt mit der Flüchtlingseinrichtung in Michelstadt und mit den Familienangehörigen. Maybaum ist begeistert vom Einsatz des jungen Bruders, der übersetzte und Kontakte vermittelte. Die Situation am Sonntagabend beschreibt sie als durchaus kritisch: "Bei einer Frau ohne Erfahrung, wäre es schwierig geworden." Das Baby sei aber nun gesund und wohlauf.

Die junge Frau freut sich nach all den Strapazen nun erst einmal, ihren Mann und die zwei Kinder wiederzusehen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball