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Geschichte, die im Kopf bleibt

Im Tie-Break schafft Bundesligist TV Rottenburg Derbysieg gegen Bühl

Zweieinhalb Stunden hat’s gestern Abend gedauert. Dann stand der Derbysieger fest: Mit 3:2 (26:24, 22:25, 25:17, 21:25, 15:13) gewann Volleyball-Bundesligist TV Rottenburg vor 1800 Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena gegen den TV Bühl. Und überwand damit ein kleines Trauma.

22.10.2012
  • Tobias Zug

Tübingen. Im Sport sei ja meistens nichts vorhersehbar. Eine Ausnahme: ein Volleyball-Bundesligaspiel zwischen dem TV Rottenburg und dem TV Bühl. Da kann man als Teilnehmer seinen Daheimgebliebenen gewissenhaft Bescheid geben, dass es länger werden wird. „Wir sind es ja fast schon ein bisschen gewöhnt, dass wir da immer fünf Sätze spielen“, sagte Rottenburgs Kapitän René Bahlburg. Zweieinhalb Stunden und fünf Sätze lang spielten sie auch gestern Abend. Bis Bühls Außenspieler Adam White beim Stand von 13:14 im Tie-Break von links den Ball ins Aus drosch, Rottenburgs Dirk Mehlberg daraufhin sein Trikot vom Leib riss, TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger in seinem schwarzen Sakko fäusteballend aufs Feld rannte und sich in den Kreis seiner jubelnden Spielern und Betreuern eingliederte. Das Ende eines Derbysiegs: Schwaben besiegen Badener. „Für die Fans ist dieser Sieg schon was Größeres“, sagte der aus Niedersachsen stammende Bahlburg.

Ein Sieg gegen allesamt meist um einen Kopf größeren Bühler. Gegen eine internationale Auswahl mit insgesamt 13 Spieler aus neun Nationen, die im niederländischen Nationalspieler Bas van Bemmelen oder Australiens Olympiateilnehmer Adam White deutlich prominenter besetzt ist als der TVR-Kader. Im ersten Satz ging’s auch knapp her: Wenn Bühls Luka Cubrillo und vor allem der US-Amerikaner Cory Riecks von außen gut angespielt wurden, droschen sie den Rottenburgern die Bälle ohne Rücksicht auf Verluste ins Feld. Wenn diese allerdings nicht zum Schlag kamen, verteilte Rottenburgs Michael Neumeister gut die Bälle, seine Mannschaft zog auf 15:11 davon. Und fuhr vor lauter Freude mimisch im Kreis Auto oder trommelte wie Gorillas mit den Fäusten auf die Brüste. Adrenalinausstoßende Wirkung hatte der Satz ja: Bühl holt auf, führt 23:22. Rottenburg gleicht aus, Bühl führt wieder. Rottenburg schafft das 24:24. Müller-Angstenberger bringt Zugang Federico Cipollone. Der 18-Jährige bringt zwei sichere Float-Aufschläge – und Rottenburg gewinnt den ersten Satz.

Der zweite Satz war auch nicht unspannend: 15:15, 20:20 stand’s, teilweise gab’s längere Ballwechsel als beim Vorgänger-Satz. Beide Teams brachten selten ihr Aufschlagsspiel durch. Bei 23:22-Führung von Bühl bekam Rottenburgs Michael Neumeister einen relativ leichten Ball nicht kontrolliert – Satzball Bühl, den es auch verwandelte. Halbzeit. TVR-Vorsitzender Klaus Maier lobte die Rottenburger Fans, „die wieder bestätigen, das beste Publikum der Liga zu sein“. Das durfte sich vor allem über den dritten Satz freuen: Da hatten die Bühler mal so eine richtig schlechte Phase: Libero David Molnar flutschte der Ball durch die Finger, Nicola Poluga Sprang zu früh und brachte den Ball nicht mehr übers Netz, Cubrillo und Valters Lagzdins behinderten sich außen gegenseitig, und die Rottenburger mimten wieder Autofahrer, weil sie auf 18:10 davonzogen und diese Führung nicht mehr abgaben. „Wir brachten uns selbst um mit diesen Fehlern“, sagte Bühls argentinischer Trainer Ruben Wolochin nach dem Spiel. Die traditionelle Spannung des Derbies blieb aber bestehen: Bühl gewann trotz Rottenburger Aufholjagd von 15:21 auf 20:23 den vierten Satz – Tie-Break. Nervensache.

„Ich persönlich habe versucht, relativ ruhig zu bleiben um die Handlungsfähigkeit zu bewahren bei der einen oder anderen wichtigen Entscheidung“, sagte TVR-Coach Hans Peter Müller-Angstenberger. Beim Aufschlagsspiel beispielsweise. Da gab’s einen Dirk Mehlberg, der unabhängig des stets ausgeglichenen Spielstands immer seine druckvollen aber riskanten Sprungaufschläge spielte – erfolgreich. Beim 13:12 brachte Müller-Angstenberger Cipollone zum Aufschlag – doch der TVR das Spiel nicht durch. Und holte durch einen wuchtigen Diagonalball von Mehlberg gegen den Bühler Block doch das Break. Und wenig später auch den Sieg.

„Wie die Mannschaft diesem Druck standgehalten hat – super!“, sagte Müller-Angstenberger, lobte den Teamgeist und klatschte jeden ab, der ihm in der Paul-Horn-Arena die Hände entgegen streckte. Und erinnerte an die Geschichte dieses Spiels: In Bühl hat sein TVR vor zwei Jahren 2:0 geführt und noch verloren, im Vorjahr hoch geführt und verloren, „in Bühl überragend gespielt und trotzdem verloren“. Ergo: „Das hatten die Spieler hundertprozentig im Kopf.“ Was auch Dirk Mehlbergs Striptease erkläre: „Wenn Dirk heute wieder gegen Bühl verloren hätte“, sagte Müller-Angstenberger, „dann hätte er langsam am Schicksal gezweifelt.“

TV Rottenburg gewinnt das erste Heimspiel 3:2 gegen Bühl

TV Rottenburg gewinnt das erste Heimspiel 3:2 gegen Bühl

© Video: Schweizer 02:21 min

Im Tie-Break schafft Bundesligist TV Rottenburg Derbysieg gegen Bühl
Auf dem Sprung ins Glück: Rottenburgs René Bahlburg (Mitte), beobachtet von Libero Willy Belizer (links). Bild: Ulmer

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22.10.2012, 12:00 Uhr

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