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Semester-Abschlusskonzert der Kinder-Uni

Im Zeichen der Marimba

Die Tübinger Kinder-Uni feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Semesterende gab das Akademische Orchester unter Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung ein Kinderkonzert. Dabei wurden auch die Orchesterinstrumente vorgestellt – in einem richtigen kleinen Instrumental-Theaterstück.

30.07.2012
  • Achim Stricker

Tübingen. Nur etwas über 100 Zuhörer sind am Freitagnachmittag im Uni-Festsaal, zahlreiche Kinder mit Eltern und Verwandten. Die Sommerferien haben bereits angefangen und es ist bestes Freibadwetter. Mit einem Trommelwirbel tritt Dirigent Philipp Amelung auf – fast wie ein Zirkusdirektor. Gleich soll’s losgehen, doch die Bühne ist bis auf ein paar Schlagwerker leer. Wo ist das übrige Orchester?

Da hört man draußen im Foyer ein fernes Signal. „Eine Trompete!“, erschallt es sofort einhellig von allen Seiten. Und schon marschiert ein Trompeter herein mit der Torero-Melodie aus „Carmen“. Als nächstes erscheinen die Posaunen und ihr beleibter „Cousin“, die Tuba. Sie veranstalten einen Wettbewerb, wer die tiefsten Töne spielen kann. Die Posaunen legen sich ins Zeug, dennoch gewinnt die Tuba. „Das sind mal krumme Posaunen“, wundert sich Amelung, als die Hörner mit ihren gewundenen Röhren auf die Bühne kommen. „Was ist denn da passiert?“ „In der Kurve liegt die Kraft!“, erwidern sie selbstbewusst – immerhin sind sie die lautesten Instrumente im Orchester.

Blechbläser und Schlagwerk sind nun komplett und spielen eine wohlbekannte Melodie. Großer Wiedererkennungseffekt beim jüngeren und auch erwachsenen Publikum, freudiges Händeklatschen bei den jüngsten TV-Neueinsteigern. „Was war das?“ will Amelung wissen. „Biene Maja“, sagt ein Mädchen und es klingt fast ehrfürchtig. Nach und nach erscheinen oben auf der Galerie und im Saal die Holzbläser. So ist man immer gut beschäftigt mit Gucken und Hören und auch die Kleinsten verfolgen das Geschehen aufmerksam. Mit ihrem jeweiligen Einsatz im bekannten Pachelbel-Kanon kommen nach und nach auch die Streicher auf die Bühne.

Aber ein geheimnisvolles Instrument ganz vorn fehlt noch: die Marimba. Darauf spielt der Münchner Virtuose Jan Westermann – erst nur mit einem Schlägel, dann mit zwei, vier, schließlich sogar sechs, in jeder Hand drei. Mag jemand probespielen? Zwei Jungen melden sich. Luca belässt es bei ein paar markanten Tönen, die der nächste angesagte Klingelton werden könnten. Martin hört gar nicht mehr auf und erfindet aus dem Moment eine Melodie, um die ihn jeder zeitgenössische Komponist beneiden würde. Amelung fragt ganz beeindruckt: „Martin, wo hast du denn studiert?“ Tja, Kinder-Uni.

Und dann wird das Marimba-Konzert gespielt, das Jans Vater Kay Westermann für ihn geschrieben hat. Weil das ursprünglich afrikanische Instrument erst seit 30 Jahren in der europäischen Musik verwendet wird, gibt es noch kaum Kompositionen. Und auch wenn das Marimba-Konzert mit seinen avantgardistischen Klängen nicht unbedingt die eingängigste Musik für Kinder ist, bleibt es die Viertelstunde über doch erstaunlich ruhig und konzentriert. Es gibt ja auch immer viel zu sehen. Auf einer Leinwand kann man alles auch in Nahaufnahme verfolgen.

Beim Hinausgehen fragt ein Vater seinen Sohn: „Haben dir die Instrumente gefallen?“ Der Sohn mit ernstem Nachdruck: „Nicht alle.“ Es geht nichts über einen differenzierten Musikgeschmack.

Im Zeichen der Marimba
Jan Westermann spielte beim Abschlusskonzert der Kinder-Uni die ursprünglich afrikanische Marimba. Bild: Sommer

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30.07.2012, 12:00 Uhr

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