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No risk, no Fladenbrot

Imbiss in der Falltorstraße füttert gefiederte Stammgäste mit durch

Am Mössinger Steinlachwehr lebt seit einiger Zeit eine Entensippe. Und zwar recht relaxed. Ihr persönliches Catering-Unternehmen haben die Vögel bereits rekrutiert.

04.11.2015
  • Kathrin Löffler

In der Fauna erfordert ein angenehmes Sättigungsgefühl ja meist gewissen Aufwand: jagen, rennen, reißen. Enten etwa müssen für gewöhnlich die Wasseroberfläche umständlich nach Tierchen und Pflanzenteilen abgrasen, um ihre Mägen zu füllen.

Nicht so in Mössingen. Als Stockente frisst es sich hier deutlich unstrapaziöser – und unter lukullischen Gesichtspunkten auch noch in einer Liga höher. Seit diesem Sommer hat sich am Steinlachwehr ein Grüppchen niedergelassen. Wohl unbefristet. Die nächste Hauptmahlzeit ist nämlich nur einen kurzen Watschelgang entfernt. Direkt gegenüber servieren Ismael Gaygusuz und seine Kollegen verlässlich delikates Fladenbrot.

An die regelmäßige Verköstigung in deren Kebap-Imbiss hat sich die nicht zahlende tierische Kundschaft freilich rasch gewöhnt. „Manchmal fünf, manchmal acht Mal am Tag“ marschiert die gierige Federviehbande inzwischen straks über die Fahrbahn, um sich den Schnabel stopfen zu lassen, sagt Gaygusuz. Klar, die Vögel wissen bestens, wie es funktioniert. „Immer, wenn sie Hunger haben, kommen sie hierher“, so der Mann vom Döner-Lokal. Und immer, wenn sie kommen, lässt er eine Runde Teigwaren springen. Sind alle satt, tappt der rund zehnköpfige Trupp wieder zurück.

Für Richard Schneider vom Mössinger Vogelschutzzentrum ist die Inanspruchnahme des Lieferdienstes ein freilich einleuchtendes Verhalten: „Das ist für die ein einfaches Leben. Auch Enten sind bequem, was die Futtersuche anbelangt.“ Und auch nicht ungewöhnlich, meint der Diplom-Biologe. Demnach haben viele Stockenten samt Nachwuchs ihren temporären Hauptwohnsitz (nach der Brut im Frühjahr) an städtischen Gewässern eingerichtet. Da blieben sie „seelenruhig“ hocken, wenn sich Fußgänger näherten. „Die Fluchtdistanz ist eigentlich nicht vorhanden.“

Wie Amseln oder Füchse erobern sich auch die Wasservögel zunehmend urbane Räume. Sie hätten im Lauf der Zeit gelernt, dass von Menschen in Siedlungen keine Bedrohungen ausgehen, so Schneider. Von Menschen in Fahrzeugen dagegen durchaus.

Gaygusuz hat mitunter brenzlige Situationen beobachtet: wenn Autofahrer stark abbremsten, um die Enten passieren zu lassen. Letzteren scheint die lebensmüde Kühnheit ihrer Falltorstraßenquerung nicht bewusst. Augenzeugen berichten, sie hätten die Tiere schon den ganzen Verkehr aufhalten und tiefenentspannt mehrere Versuche unternehmen sehen, auf die andere Seite zu latschen.

Die besorgte Imbiss-Kundschaft wünscht sich schon Konsequenzen. Ein regelmäßiger Mittagsgast fände Schrittgeschwindigkeit statt Tempo 30 für diesen Bereich der Falltorstraße angebracht. „Die rasen hier rum, das ist eine Vollkatastrophe“, geißelt er die motorisierten Verkehrsteilnehmer. Aber nicht nur aus Bange um Anas platyrhyncho: „Es hat ja nicht nur Enten hier, sondern auch kleine Kinder.“

Imbiss in der Falltorstraße füttert gefiederte Stammgäste mit durch

Imbiss in der Falltorstraße füttert gefiederte Stammgäste mit durch
Ismael Gaygusuz

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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