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Geld-Spritze für Krebsimpfstoff

Immatics wirbt rund 54 Millionen Euro ein

Das Vertrauen der Geldgeber in die Krebsimpfstoffe aus Tübingen ist beachtlich: Rund 54 Millionen Euro frisches Kapital konnte die Tübinger Biotechnologie-Firma Immatics jetzt für die weitere Entwicklung ihrer Therapie-Produkte gegen Krebs einwerben.

22.09.2010
  • Martin Mayer

Tübingen. „Jetzt, da die Finanzierung gesichert ist, können wir uns ganz auf die weitere klinische Entwicklung unserer Krebsimpfstoff-Programme konzentrieren“, freut sich Immatics-Geschäftsführer Paul Higham. Dass „führende europäische Biotech-Investoren“ seinem Unternehmen „einen solchen finanziellen Rückhalt geben“, zeige, so Higham, dass sie nicht nur von den entwickelten Krebsimpfstoffen, sondern auch von der Firma Immatics und deren Strategie überzeugt sind.

Die jetzige Finanzierungsrunde war die dritte – und sie toppte mit ihren 53,8 Millionen Euro frühere Runden klar. Insgesamt hat Immatics bisher über 100 Millionen Euro an Wagniskapital eingeholt. Unter den Geldgebern sind auch diesmal wieder die bisherigen Hauptinvestoren um den SAP-Gründer Dietmar Hopp, die Dievini Hopp BioTech Holding, sowie die Wellington Partners, die als erfolgreiche Venture-Capital-Firma europaweit in junge Unternehmen mit dem Potenzial zur globalen Marktführerschaft investieren. Wellington ist bei Immatics seit Anfang 2004 dabei, Hopp ist seit 2007 Gesellschafter der Tübinger Biotechnologie-Firma. Auch in dieser Finanzierungsrunde hält er laut Forschungschef Harpreet Singh wieder das größte Einzelinvestment.

Hinzu gekommen sind in dieser Runde die Investmentgesellschaft MIG Verwaltungs AG, deren MIG-Fonds in junge, nicht börsennotierte Unternehmen im deutschsprachigen Raum investieren, sowie die AT Impf GmbH der Zwillings-Brüder Andreas und Thomas Strüngmann, die ehemals die Pharmafirma Hexal gegründet haben und über ihre AT Impf GmbH Anteile an verschiedenen Biotech-Unternehmen halten. Wie Harpreet Singh erklärt, ist diese Immatics-Finanzierungsrunde die erste gemeinsame Biotech-Investition der Milliardärs-Brüder Strüngmann und der Holding um Dietmar Hopp. Die knapp 54 Millionen Euro kommen je etwa zur Hälfte von den bereits bei Immatics engagierten und von den neuen Investoren.

Die Dievini Hopp Biotech Holding – größter Anteilseigner von Immatics – steht, wie es heißt, weiterhin ausdrücklich „hinter dem Ansatz, den Immatics mit seinen Krebsimpfstoffen verfolgt“. Auch die anhaltende Unterstützung der Wellington Partners unterstreiche „die klinische Relevanz“ dieser Strategie sowie die „hervorragende Arbeit der Geschäftsführung seit unserer ersten Investition“.

Für die neu eingestiegene MIG AG und ihre Fonds fügt Matthias Kromayer nun hinzu, dass therapeutische Impfstoffe, wie sie Immatics entwickle, „das Potenzial haben, die Krebsmedizin zu revolutionieren“. Bei den vorliegenden Erprobungs-Ergebnissen des Produkts gegen Nierenzellenkrebs (IMA 901) sehe man Immatics auf dem Weg, „eine führende Rolle zu übernehmen und das Leben von Krebspatienten bedeutend zu verbessern“.

Wie das TAGBLATT Mitte August berichtete, stehen die Tübinger Immatics-Forscher mit ihrem neuen Krebsimpfstoff IMA 901 vor dem Durchbruch. Dieser Impfstoff, der aus zehn sogenannten tumor-assoziierten Peptiden besteht (also aus Eiweißstoffen, die bei Nierenzellkarzinom deutlich häufiger vorkommen), bekomme „von Zulassungsbehörden und Meinungsführern“ der Wissenschaft bereits positive „Rückmeldungen“. Mit dem frischen Kapital will Immatics „noch in diesem Jahr eine klinische Zulassungsstudie der Phase III“ für seinen am weitesten entwickelten Krebsimpfstoff IMA 901 starten.

Vier hoffnungsvolle Produkte in der Pipeline

Wie berichtet, arbeiten die Immatics-Entwickler zudem an einem therapeutischen Impfstoff gegen Dickdarmkrebs, der derzeit in einer klinischen Phase-II-Studie an etwa 90 Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung erprobt wird (IMA 910).

Ein weiteres klinisches Projekt (IMA 950) zielt auf die Therapie von Patienten, die an Glioblastom leiden, einer aggressiven Art von Hirnkrebs. Hier laufen in Zusammenarbeit mit renommierten Krebsforschungsinstituten Phase-I-Studien für den Impfstoff.

In Südostasien werden klinische Studien mit dem Stoff IMA 941 vorbereitet, die Patienten mit Magenkrebs helfen sollen – unter anderem mit einer von Immatics entwickelten Analyse-Plattform („XPRESIDENT“), mit deren Hilfe sich spezifische tumor-assoziierte Peptide „schnell und zuverlässig für jede Krebsart identifizieren“ lassen.

Mit dem neuen Kapital will Immatics nun die Weiterentwicklung sämtlicher „Impfstoff-Kandidaten“ vorantreiben und das Potenzial seiner Analyse-Plattform weiter ausbauen. Die Firma hat derzeit 55 Mitarbeiter in Tübingen und zehn in der Niederlassung München.

Immatics wirbt rund 54 Millionen Euro ein

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22.09.2010, 12:00 Uhr

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