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„Immer eine Anspannung da“
Andreas Kücha in einem Gang im Blauhöhlensystem. Foto: Arge Blautopf/Rainer
Forschung

„Immer eine Anspannung da“

Seit 20 Jahren untersucht die „Arge Blautopf“ das Blauhöhlensystem. Projektleiter Andreas Kücha berichtet von besonderen Momenten.

16.01.2017
  • JOACHIM STRIEBEL

Blaubeuren. Andreas Kücha ist Projektleiter der „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“. Im Interview gibt er Einblicke in die Forschungen unter Tage.

Nach einer 1250 Meter langen Tauchstrecke vom Blautopf aus sind Sie 2002 erstmals im lufterfüllten Mörikedom aufgetaucht. Wie war das Gefühl?

Andreas Kücha: Die letzten Meter vor dem Mörikedom unter Wasser war ich ziemlich nervös. Dann bin ich aufgetaucht und habe einfach nur Dunkelheit gesehen. Das ist jetzt auch schon 14 Jahre her, damals hatte man noch nicht die Lampen wie heute. Es war ein gutes Gefühl, das Ziel erreicht zu haben. Ich bin dort angelangt, wo 1985 Jochen Hasenmayer war. Die Größe des Mörikedoms, wenn man da auf der Wasseroberfläche schwebt, ist schon beeindruckend, aber auch ein bisschen beängstigend. Weil du musst den Weg natürlich wieder zurück, und du weißt beim ersten Mal nicht, wie der Rückweg wird, was dich da erwartet. Deswegen war da immer eine Anspannung da.

Abgesehen vom ersten Auftauchen im Mörikedom. Was waren in 20 Jahren Forschung die bewegendsten Momente in der Blautopfhöhle?

Da gab es schon einige Momente, die auch heute noch ziemlich tief drinsitzen. Als ich das erste Mal am Ende des dritten Höhlensees, dem „Äonendom“, ausgestiegen und durch die „Pforte“ in den „Landweg“ gegangen bin, war das schon ein Highlight für mich. Man wusste von Jochen Hasenmayer, dass es irgendwo unter Wasser weitergeht, aber über Wasser wusste man nichts. Deswegen war das eine riesige Überraschung. Wir machten die ersten Schritte in dem Schlamm und dem Lehm, und dann habe ich einen riesigen Tropfstein gesehen, das war damals ein super Gefühl. So nach dem Motto, da gibt's noch ganz andere Sachen als unter Wasser. Besonders war auch die Entdeckung der „Apokalypse“ zusammen mit Jochen Malmann, schon wegen dieser Größe. Im Nachhinein betrachtet, war auch die Entdeckung des „Stairway to Heaven“ 2008 etwas Großes. Ich hatte meine Tauchausrüstung am Ende des Mörikedoms abgelegt und bin zielstrebig an einen Punkt geschwommen als ob ich es gewusst hätte. Dann bin ich hochgeklettert und in den Gang gelaufen. Da kam schon der Gedanke, dass das vielleicht eine Möglichkeit ist, jemals trockenen Fußes reinzukommen. Dass das andere Menschen auch sehen können.

Nach dem Ausstieg aus dem dritten Höhlensee ging es von 2005 an in großen Schritten weiter. Jetzt muss wohl jeder weitere Meter in der Höhle hart erarbeitet werden. Wo klemmt's?

Man muss sich den Höhlenplan anschauen: Je weiter man ins System reinkommt, umso breiter wird der Baum, umso dünner werden die Äste. Im Moment kommen wir am Versturz 3 nicht entscheidend weiter. 2006 haben Jochen Malmann und ich den derzeitigen Endpunkt erreicht, seither klemmt's da. Ein Luftzug deutet aber auf eine Fortsetzung hin. Das Problem ist halt, du bist lange unterwegs bis dort hin, das sind rund sechs Kilometer Höhle. Und wenn du hinten bist, bist du schon kaputt. Das Schwierige an der Blauhöhle ist das Gehen, weil es ständig rauf und runter geht und man sich zwischen Gesteinsblöcken hindurchzwängen muss. Es gibt aber noch viele neue Passagen zu entdecken. Wir haben vergangenes Jahr den „Fakirgang 2“ gefunden, einen Seitengang. Auch da hat die Blauhöhle ihre eigenen Regeln: Selbst die Seitenpassagen sind wunderschön.

Seit der Bohrung eines Forschungsschachts hinab zum Gang „Stairway zu Heaven“ im Jahr 2010 sind die lufterfüllten Bereiche trockenen Fußes erreichbar. Warum wird immer noch getaucht?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste ist, dass wir im Training bleiben müssen. Der zweite ist, dass es verschiedene Messgeräte in der Höhle gibt, über und unter Wasser. 2017 kommen neue Datenlogger rein. Am Ende der Unterwasserbereiche gibt es Fortsetzungsmöglichkeiten, wo vielleicht die Verbindung zur Berghüler Hessenhauhöhle hergestellt werden kann. Das Wasser von dort kommt ja im „Äonendom“ raus. Diesen Weg des Wassers haben wir noch nicht gefunden. Das ist für 2017 eine große Aufgabe.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts haben mutige Männer mit der Tauchforschung im Blautopf begonnen. Wie wird die Leistung dieser Höhlentauchpioniere heute beurteilt?

Die Höhlenforschungsgruppe Eschenbach war eine ganz tolle Mannschaft. Die hat für die damalige Zeit eine super Arbeit geleistet. Gleichzeitig war der große Pionier Jochen Hasenmayer da, ein besonderer Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Er war für mich das Vorbild. Ich habe als kleiner Junge seine Forschungsberichte regelrecht verschlungen.

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16.01.2017, 06:00 Uhr

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