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Viele ehemalige Uni-Kicker kamen nach Tübingen

Immer mehr Ersatzspieler

Golfen, Feiern und ein wenig Kicken: Bei ihrem Treffen gab es viel zu lachen für die Tübinger Uni-Fußballer der frühen 1970er Jahre. Doch es gab auch traurige Momente.

18.07.2012
  • Vincent Meissner

Tübingen. Die Kickschuhe von Günther Haupt mit den neon-orangenen Streifen haben schon die eine oder andere Saison überlebt: „Die hab’ ich zum Glück noch irgendwo gefunden“, erzählt er. Haupt, einst Torhüter der Tübinger Uni-Mannschaft, ist einer von acht Kickern, die beim Treffen der Tübinger Uni-Mannschaft am Wochenende beim Sportinstitut ihre Kickstiefel schnürten. Das Tempo ist zwar nicht mehr so fix wie einst, doch die technischen Fähigkeiten sind noch zu erkennen. „Ich hab’ zur Sicherheit meinen Defibrillator dabei“, ruft Erwin Aigel-dinger, mittlerweile Arzt von Beruf.

Das Alter fordert eben seinen Tribut: „Bei unserem ersten Treffen 1991 haben wir noch elf gegen elf gespielt und hatten je zwei Ersatzspieler“, sagt Rainer Willfeld, der Trainer des damaligen Uni-Teams. „Heute spielen wir vier gegen vier und haben 32 Ersatzspieler.“ Eberhard Braun, einer der Spieler von einst, ergänzt scherzend: „Bei unserem nächsten Treffen ist dann Tischfußball angesagt.“

Anfang der 1970er Jahre trainierte die Mannschaft das ganze Jahr über regelmäßig auf dem Instituts-Platz an der Wilhelmstraße. 1970 wurde das Team in Gießen Deutscher Hochschulmeister. Damals nannte sich das heutige Institut für Sportwissenschaft noch Institut für Leibesübungen. Vier Jahre später verlor die Uni Tübingen mit dem späteren deutschen Nationalspieler Dieter Hoeneß dann das Finale in Darmstadt gegen die Technische Hochschule der Gastgeberstadt.

Wer damals der Beste in seinem Team war, kann Trainer Willfeld nicht sagen: „Die Mannschaft war damals ganz gleichmäßig auf einem super Niveau.“ Die meisten kickten in der Schwarzwald-Bodensee-Liga oder dem nordwürttembergischen Pendant, der Ersten Amateurliga, einst die dritthöchsten Ligen in Deutschland. „Das war damals eine Generation“, sagt Willfeld. „Wenn die für Tübingen gespielt hätte, wäre das Zweite Liga gewesen.“

Immer mehr Ersatzspieler
Einst, im Jahr 1974, und heute – die damalige Fußball-Mannschaft der Uni Tübingen: Linkes Bild, hinten von links: Dieter Schneider, Rainer Willfeld, Franz Platz, Herve Neumaier, Günther Huber, Peter Geltenbort, Rainer Schweickert, Rolf Beug, Karl-Heinz Kratzer, Bernd Wörner, Hubert Rammler; vorne von links: Walter Neef, Eberhard Braun, Günther Haupt, Roland Haag, Dieter Hoeneß. Rechtes Bild, hinten von links: Erich Walter, Eberhard Digel, Berthold Hallmaier, Richard Schrade, Richard Wolf, Schneider, Willfeld, Hahn, Platz, Neumaier, Geltenbort, Schweickert, Beug, Kratzer, Rammler, Manfred Volz. Vorne von links: Erwin Aigeldinger, Peter Schmid, Neef, Braun, Haupt, Haag, Hoeneß, Jürgen Sturm.Bilder: Privat/Rippmann

Eine Handvoll Kiebitze haben sich unter den Bäumen am Rand des Feldes neben den Spielerfrauen versammelt, um die Legenden beim Kicken zu sehen. Auch der größte Teil der einstigen Spieler steht im Hemd dabei. Unter ihnen Berthold Hallmaier, mittlerweile Teamarzt der deutschen Handball-Nationalmannschaft. „Ich hab’ ein bisschen Probleme mit dem Knie“, sagt er zur Entschuldigung.

Doch ums Kicken geht es eh nur am Rande. „Ich finde es so wunderbar, dass alle zusammen sind“, sagt Nicole Geltenbort aus Grenoble. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter die weiteste Anreise. Der Großteil des Teams wohnt heute im Großraum Stuttgart.

Es wird viel gealbert an diesem Tag, es werden Anekdoten erzählt – und so mancher Witz. Ein kleine Kostprobe von Peter Schmid, einst im Tor der Uni-Mannschaft: „Da hat der George Best über den Paul Gascoigne gesagt: Sein IQ sei geringer als seine Rückennummer. Da hat der Gascoigne erst mal gefragt, was IQ ist.“ Gelächter. „Wir haben es eben nicht nur mit den Füßen gekonnt, sondern auch mit dem Mundwerk“, sagt Hubert Rammler.

Am Abend findet die Feier ihre Fortsetzung dann im Weilheimer Kneiple. „Es war ein gigantisches Fest bis vier Uhr nachts“, berichtet Eberhard Braun. Jürgen Sturm sang „Rote Lippen soll man küssen“ und Uwe Zellmer vom Theater Lindenhof, einst ebenfalls fürs Uni-Team am Ball, gab mit seinem Compagnon Franz Hurm eine kleine Vorführung. Am Tag darauf ging’s dann nach Kressbach zum Golfen, da waren dann mehr als acht Spieler dabei: „Altersbedingt hat bei vielen die Sportart gewechselt“, sagt Braun. Allzu lang dauerte das Golfen jedoch nicht, da der Regen kam. „Wir sind dann in die Scheuer gesessen – und der Wirt hat uns was zum Trinken gebracht“, berichtet Braun.

Immer mehr Ersatzspieler

Einer war allerdings nicht mehr dabei: Fritz Nusser fehlte. Nur wenige Meter vom Sportinstitut fiel er im März einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Vor dem Spiel am Sportinstitut gingen die einstigen Kommilitonen gemeinsam an Nussers Grab auf dem Stadtfriedhof. „Das war schon ergreifend, weil der Fritz für uns auch ein Freund war“, sagte Berthold Hallmaier. „Jeder von uns hatte beim Rauslaufen eine persönliche Geschichte oder eine Spielszene, an die er sich erinnert hat.“

Schon in drei Jahren wollen die einstigen Uni-Kicker sich wieder treffen. „Wer weiß, wann der nächste von uns ausfällt“, sagt Braun. Dann treffen sie sich gleich in einem Golf-Hotel: „Ganz ohne Fußball“, sagt Braun und grinst. Aber garantiert mit Anekdoten und Witzen.

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18.07.2012, 12:00 Uhr

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