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Ständig im Job

Immer mehr Menschen arbeiten abends und am Wochenende

Geregelte Arbeitszeiten von neun bis fünf - das war einmal. Immer mehr Menschen sind regelmäßig auch abends für den Job aktiv. Auch das Wochenende gehört längst nicht mehr uneingeschränkt der Familie.

04.11.2015
  • FRIEDERIKE MARX UND HARALD SCHMIDT, BEIDE DPA

Wiesbaden Arbeit am Abend und am Samstag: Für viele Selbstständige ist das schon immer Alltag. Aber auch für immer mehr Angestellte ist das inzwischen normal geworden. Denn gleichzeitig arbeitet inzwischen auch jeder achte Vollzeit-Erwerbstätige regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche.

Vor allem Selbstständige und Führungskräfte verbringen oft so viel Zeit im Job, dass ihre Arbeitszeit nach internationaler Konvention "überlang" ist, wie die Statistiker betonen: "Dabei können zu lange Arbeitszeiten belastend sein, weil nicht genügend Zeit für das Privatleben zur Verfügung steht."

Auch am Abend und am Wochenende lassen viele Menschen den Job nicht ruhen. Inzwischen arbeite gut ein Viertel der Erwerbstätigen (26 Prozent) regelmäßig in der Zeit von 18 bis 23 Uhr, wie die Statistiker herausfanden. "Im Jahr 1992 hatte der Anteil mit 15 Prozent auf einem deutlich niedrigeren Niveau gelegen."

Das schränke nicht nur den Raum für private Aktivitäten wie Sport oder Kultur und für die Familie ein: "Abend- und Nachtarbeit können auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen." Und: Längst seien davon nicht mehr nur Selbstständige betroffen. Bei Arbeitnehmern kletterte der Anteil der "Spätarbeiter" in dem Zeitraum von 13 auf 24 Prozent.

Auch an den Wochenenden stehen den Angaben zufolge immer mehr Menschen in Deutschland beruflich unter Strom. Der Anteil der Erwerbstätigen, die samstags arbeiten, stieg von 20 Prozent (1992) auf 26 Prozent (2014). Gleichzeitig stieg der Anteil der Sonntagsarbeiter von 10 auf 14 Prozent. Zu dieser Entwicklung hat nach Ansicht der Experten vermutlich auch die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten beigetragen.

Die Normalarbeitszeit ist längst nicht mehr der Normalfall: "Dass 90 Prozent der Beschäftigten in der Zeit zwischen 8 bis 18 Uhr arbeiten, gilt schon lange nicht mehr", sagt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Hauptursache hierfür sei der Ausbau des Dienstleistungssektors. "Randzeiten zum Beispiel am Abend im Einzelhandel müssen bedient werden." Häufig würden Frauen in Teilzeit oder Minijobs diese Aufgaben übernehmen.

Im digitalen Zeitalter wünschen sich die Arbeitgeber allerdings mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten. Sie schlagen vor, die maximale Arbeitszeitdauer von der täglichen auf eine wöchentliche Basis umzustellen. "Auf der Grundlage von Tarifverträgen gibt es schon heute vielfältige Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Arbeitszeit", sagt Roland Wolf vom Arbeitgeberverband BDA. Etwa 50 Prozent der Betriebe nutzten Arbeitszeitkonten. "Durch eine Reform des Arbeitszeitgesetzes könnten die Gestaltungsmöglichkeiten erweitert werden."

DGB-Chef Reiner Hoffmann warnt jedoch davor, Flexibilitätsspielräume durch die Digitalisierung einseitig im Interesse der Unternehmen zu nutzen. Höchstarbeitszeiten oder Ruhezeiten außer Kraft zu setzen, wäre fatal, sagte Hoffmann dem "Handelsblatt": "Der Acht-Stunden-Tag ist eine soziale Errungenschaft, die wir nicht zur Disposition stellen werden."

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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