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Weltweit sichtbar

Immer mehr Sammlungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt

Welche Rolle spielt der Hund in der Kunst? Wo ist welcher Rembrandt zu finden? Wo früher Archive durchforstet wurden, genügen heute ein paar Klicks.

18.11.2015
  • SABINE KOMM, DPA

Bremen Kulturwissenschaftlerin Viola Rosenau hört Renaissancemusik, während sie Albrecht Dürers "Meerwunder" digitalisiert. Zeit, sich die berühmte Radierung mit der liegenden nackten Frau anzusehen, bleibt kaum. "Es ist der immer gleiche Produktionsrhythmus: ausleuchten, eintesten, scannen", sagt Rosenau über ihre Arbeit im Kupferstichkabinett der Bremer Kunsthalle. Es müsse zügig gearbeitet werden. Papierarbeiten reagieren sensibel auf jede klimatische Veränderungen und sollen deshalb so schnell wie möglich zurück in die angestammten Archivkästen.

Aktuell werden gut 200 000 Papierarbeiten des renommierten Kabinetts digitalisiert und mit Suchbegriffen und Info-Texten in Online-Kataloge eingelesen. Für Kunsthallen-Chef Christoph Grunenberg ist das überfällig: "Was wir besitzen, ist im Moment nur auf absolut altertümlichen Karteikarten mit Sütterlinschrift festgehalten sowie im Kopf der Mitarbeiter." Das auf zehn Jahre angelegte und rund eine Million Euro teure Projekt macht die Sammlung weltweit sichtbar.

Vorbilder gibt es genug. Das Britische Museum in London, das Amsterdamer Reichsmuseum, der Louvre in Paris und das Metropolitan Museum in New York gelten als Vorreiter. In Deutschland hätten das Städel in Frankfurt, das Deutsche Historische Museum in Berlin, die Staatlichen Museen zu Berlin und Dresden die umfangreichsten Online-Datenbanken, sagt Professor Monika Hagedorn-Saupe vom Institut für Museumsforschung Berlin. Insgesamt seien deutsche Museen im Vergleich aber hinten dran.

Gerade mal 5,5 Prozent der bei einer Untersuchung ihres Instituts befragten Museen hätten über eine Online-Objekt-Datenbank verfügt, in der User recherchieren können. Viele der mehr als 6000 Museen in Deutschland hielten stattdessen an traditionellen Vermittlungsmethoden fest: "Das Kerngeschäft bleibt die Präsentation der eigenen Sammlung im eigenen Haus." Doch die Angst, der Internet-Auftritt könne den realen Museen den Rang ablaufen, ist nach Ansicht der Professorin unberechtigt: "Jeder weiß aus Katalogen und dem Internet, wie die ,Mona Lisa' aussieht. Gerade deshalb will man sie auch im Original sehen." Wer sich für Leonardo da Vinci oder für Möbel des 19. Jahrhunderts interessiere, werde im Internet recherchieren und dann oftmals gezielt zu dem jeweiligen Ausstellungshaus reisen.

"Für die Google-Generation zählt nur, was sie sofort findet", bestätigt auch Katja Riemer, Digitalisierungsexpertin der Kunsthalle Bremen. Auch in ihren Augen ersetzt die neue Datenflut im Internet keineswegs das Live-Erlebnis: "Die Aura von Originalen wie Rembrandts berühmtem ,Hundertguldenblatt', die Größe, die Farben und die Qualität des Papiers, all das ist nur im Museum zu erleben."

Das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck und der Schwedenspeicher in Stade ermöglichen Usern, die Räume virtuell zu betreten und Details heranzuzoomen. Ohne Eintrittsgeld und beschränkte Öffnungszeiten. "Gerade überregionale Besucher können durch den detaillierten Einblick in die Ausstellung gezielter entscheiden, das Haus zu besuchen", sagt Direktor Sebastian Möllers vom Schwedenspeicher, der damit auch ein junges Publikum anziehen will.

Immer mehr Sammlungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt
In der Kunsthalle Bremen werden mehr als 200 000 Papierarbeiten des Kupferstichkabinetts digitalisiert. Foto: dpa

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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