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In 146 Tagen alles verspielt
Trainer Alexander Zorniger ist auch an sich selbst gescheitert

In 146 Tagen alles verspielt

Sein Trainer-Gastspiel in Stuttgart war polternd, kurz und erfolglos. Konsequenz nach längerem Zögern: Der VfB hat Alexander Zorniger entlassen. Jürgen Kramny, der U-23-Coach, springt für den 48-Jährigen ein.

25.11.2015
  • WOLFGANG SCHEERER

"Die Vereinsführung hat gemeinsam mit Cheftrainer Alexander Zorniger entschieden, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden." Das sind die dürren Zeilen, die gestern gegen Mittag zugleich für eine Zäsur und die bittere Fortsetzung des sportlichen Desasters beim VfB Stuttgart standen.

Es ist ein Paukenschlag, mit dem auch Bernd Wahler sein Schweigen gebrochen hat. Zum Rauswurf des glücklosen 48-jährigen Trainers ließ sich der VfB-Präsident allerdings nur per Vereinsmitteilung zitieren: "Besonders die Art und Weise der Niederlage am Samstag hat uns sehr beschäftigt. Dabei haben wir die Auswirkungen auf die Mannschaft sowie das Trainerteam analysiert und bewertet und sind am Vormittag zu dieser Entscheidung gekommen." Das 0:4 im Abstiegskampf gegen den Tabellenletzten FC Augsburg war nur die traurige Krönung eines erneut völlig missratenen Saisonverlaufs: Fünf Niederlagen waren es gleich zu Beginn, neun sind es inzwischen in 13 Spielen. So schlecht war der VfB zuletzt vor 40 Jahren. Damals, 1975, stand am Ende der Abstieg in die zweite Liga. Aktuell bedeuten zehn Punkte Rang 16, also den Relegationsplatz.

Neben Zorniger, der trotz vorheriger finaler Aussprache das Morgentraining leitete, sind auch die Assistenten André Trulsen, Armin Reutershahn sowie Torwartrainer Andreas Menger "mit sofortiger Wirkung freigestellt". Jürgen Kramny, einstiger Junioren-Nationalspieler und aktuell U-23-Coach, übernimmt "bis auf Weiteres als Interimstrainer" (siehe Extra-Meldung). Der 44 Jahre alte Ludwigsburger bereitet das Team aufs Spiel am Sonntag, 15.30 Uhr, in Dortmund vor.

Nach nur fünf Monaten, exakt 146 Tagen, hat die VfB-Führung einsehen müssen, dass das Experiment mit Zorniger gescheitert ist. Der hatte den gewünschten Offensiv-Fußball versprochen und in den ersten Testspielen damit für Staunen, sogar Begeisterung gesorgt. In der Liga ging das Konzept nicht auf. Der VfB entwickelte (zumal ohne den dauerverletzten Daniel Ginczek) kaum Torgefahr, kassierte aber mit der löchrigen Abwehr 31 Treffer, die mit Abstand meisten. Wahler und Co. sind das Risiko eingegangen, Zorniger ohne Bundesliga-Erfahrung eine notorisch problematische Mannschaft übernehmen zu lassen. Beim verzweifelten Versuch, seine Spielphilosophie bei der überforderten Mannschaft regelrecht durchzuboxen, scheiterte Zorniger auch an sich selbst. Er eckte mit direktem bis großspurigem Auftreten an und verspielte bei vielen Profis mit als überzogen empfundener Kritik schnell die Sympathien.

Der VfB, der alles auf die schwäbische Trainer-Lösung Zorniger gesetzt hatte, fängt einmal mehr fast bei Null an. Seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2007 unter Armin Veh ist Kramny nun schon der zehnte Trainer bei den "Roten" aus Cannstatt.

Denn möglichen Heiterkeitserfolg, Alexander Zornigers Vorgänger Huub Stevens ein drittes Mal als "Retter" zu präsentieren, vereitelt aktuell 1899 Hoffenheim, wo der Niederländer allerdings ungeahnt erfolglos ist. Auf dem Markt sind derzeit eine Reihe anderer Trainer: Mirko Slomka, Markus Gisdol oder auch Thomas Schaaf. Was jetzt zählt, sind Routine und Ruhe. Und im Fall des kriselnden und klammen VfB: bezahlbare Routine.

Chaos am Anfang und am Ende

Doppelte Posse Huub Stevens hatte gerade zum zweiten Mal den VfB gerettet. Dann ging er freiwillig, wie es hieß. Zu dem Thema gibt es zwei Versionen. Die zweite hört sich weniger harmonisch an. Demnach war sich der Verein längst mit Alexander Zorniger einig, dem Ex-Trainer von RB Leipzig. Sportdirektor Robin Dutt führte offenbar hinter Stevens‘ Rücken die Verhandlungen. Ende Mai wurde Zorniger präsentiert – ausgestattet mit Dreijahresvertrag. Den muss der VfB erfüllen, bis man sich anderweitig einigt oder Zorniger einen Klub findet.

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25.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 25.11.2015, 06:01 Uhr

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