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Mit Strom fahren

In Altingen gibt es jetzt ein E-Auto zu kaufen

Über Autos mit Elektro-Antrieb wird viel geredet, nur bekommen kann man sie nicht. Das Altinger Autohaus Asch lässt sich jetzt eines bauen, das man wirklich kaufen kann.

07.09.2011
  • Mario Beisswenger

Altingen. Autos mit E-Motor haben etwas Fata-Morgana-haftes. Sie sollen die Zukunft der Auto-Mobilität sein, aber „eigentlich gibt es keine Fahrzeuge von den Herstellern“, sagt Christian Quedenfeld. Es gebe sie in Prospekten und auf Messen und vielleicht mal in kleinen Stückzahlen, aber nicht wirklich zum Kaufen und damit wegfahren. Quedenfeld ist Verkäufer beim Altinger Ford-Autohaus Asch und verspricht: „Wir können in sechs Wochen ein Elektro-Auto liefern.“ Und das sogar noch unter einer eigenen, E-Kat genannten Marke.

In Altingen gibt es jetzt ein E-Auto zu kaufen
Roland Asch (mit Stecker) und Christian Quedenfeld haben ein Serienfahrzeug in ein rein Batterie-betriebenes Auto umbauen lassen und suchen nun nach Kunden dafür. Bild: Faden

Die für ihr Engagement im Rennsport bekannte Familie Asch hatte schon immer Interesse an technischen Innovationen. Quedenfeld war in den 90er Jahren an der Entwicklung eines Elektro-Fahrzeuges beteiligt, damals noch bei der Firma Irmscher. Als Autohaus-Inhaber Roland Asch im Fahrerlager am Lausitzring dann vergangenes Jahr ein zum E-Auto umgebauten Fiat 500 sah, reagierte er gleich. „Ich hab mich interessiert, weil ich wusste, dass der Fiat und der Ford Ka aus dem selben Werk kommen.“ So ein Umbau des Ford Serienfahrzeugs war tatsächlich in wenigen Wochen möglich. Benzinmotor, Tank, Auspuff und Kühler kamen raus, der Elektro-Motor und die Batterie rein. Eine darauf spezialisierte schwedische Firma, die das für den in vielen Teilen ähnlichen Fiat entwickelte, übernimmt die Arbeit.

Was dabei entsteht, bekam den Namen E-Kat. Es erinnert vom Namen her noch ein bisschen an das Modell Ka. Als Ford-Auto darf es wegen der Umbauten aber nicht mehr in den Handel. Um keine Schwierigkeiten mit dem Autohersteller zu bekommen, läuft Umrüstung und Verkauf über die Firma Asch Motorsport. Das Ergebnis „fährt sich wie ein normales Auto. Das ist nichts Besonderes“, sagt Asch. „Es hat halt nur keinen Verbrennungsmotor“, ergänzt Quedenfeld.

Sonst fühle es sich an wie ein Serienfahrzeug. Damit man „optisch meint, dass der Motor läuft (Asch)“, steht der Drehzahlmesser auch im Stillstand auf 800. Wer mag kann beim Start einkuppeln. Das Losfahren geht aber auch übers Drücken vom Gaspedal. Neugierige entdecken schnell, dass hinter dem Tankdeckel kein Einfüllstutzen ist, stattdessen sitzt neben dem Kühlergrill der „Tank“-Stecker. Das Auto lässt sich bis in den dritten Gang schalten und kommt damit leicht über 100 Stundenkilometer.

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Wenn die Firma Asch das Fahrzeug nicht gerade auf einer Messe hat, nutzt das Autohaus das E-Fahrzeug um auf den Landratsämtern konventionelle Autos zuzulassen oder für kleine Besorgungen. „Ich fahr richtig gern damit“, sagt Asch, der als alter Rennfahrer nur gerne noch etwas mehr Leistung hätte. Für Quedenfeld ist es dagegen rundum gelungen. „Das Auto hat die richtige Größe, für das Einzugsgebiet einer Stadt.“

Allerdings haben die Altinger bisher noch niemand vom Kauf eines solchen Fahrzeugs mit einer Reichweite von jetzt 150 Kilometer überzeugen können. Der Preis von knapp 50 000 Euro ist happig. „Mit Barpreis geht das nicht“, vermutet Asch. Die Leasingrate liegt zur Zeit aber auch noch bei 500 Euro im Monat. Andererseits, geben die E-Auto-Vermarkter zu bedenken, eine Vollladung koste gerade mal um die vier Euro „und im Endeffekt haben sie kaum Kundendienst“. Elektromotoren seien wartungsfrei, meint Asch. Ölwechsel ist überflüssig, was anfiele, sind vielleicht neue Bremsen und Reifen.

Ihre Kundschaft versuchen die beiden unter stark ökologisch orientierten Autofahrern zu finden. Die könnten vielleicht auch einschätzen, dass sie selbst zu dem drei Viertel der Deutschen gehören, die am Tag ohnehin nicht mehr als 60 Kilometer fahren. In Altingen setzen die E-Auto-Pioniere auch auf Nachfrage von anderen Ford-Händlern, die das Auto zum Marketing einsetzen könnten. Interessant wäre es wohl auch für Leasing-Firmen, die tatsächlich ein alltagstaugliches E-Auto anbieten wollen. Der Markt vor allem von Firmenkunden wird in Deutschland zur Zeit auf 3000 Fahrzeuge geschätzt. Aus Altingen könnte das Fahrzeug geliefert werden, verspricht Quedenfeld: „Die anderen brauchen da noch zwei oder zweieinhalb Jahre.“

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07.09.2011, 12:00 Uhr

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