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Naturkatastrophe

In Braunsbach geht ein schwieriges Jahr zu Ende

Die Flut hat im Mai 2016 massive Zerstörung in dem 900-Einwohner-Ort hinterlassen. Gut ein halbes Jahr später erzählen Bewohner, wie sie Silvester verbringen.

29.12.2016
  • DPA

Braunsbach. In seinem Gasthof „Löwen“ in der Gemeinde Braunsbach schaut Thomas Philipp-Hopf mit einer Mischung aus Trauer und Glück, Wut und Hoffnung auf das Jahr zurück. Die Gerölllawine, die am 29. Mai über den Ort im Kreis Schwäbisch Hall hereinbrach, zerstörte binnen weniger Minuten die mit seiner Frau Heike Philipp aufgebaute Existenz. Nach wochenlangem Schlammschaufeln im Frühsommer kann er nun in der sanierten, aber noch leeren Gaststube stehen. Das Paar hat geheiratet und einen Sohn bekommen. „Das Jahr geht mit einem persönlichen Highlight zu Ende“, sagt der Vater. „Der Nachwuchs bereichert alles.“

Braunsbach, 900 Einwohner, ist nach diesem Jahr in ganz Deutschland bekannt. Eine Lawine aus Wasser, Schlamm und Geröll richtet einen Millionenschaden an Straßen und Häusern an. Die Menschen stehen unter Schock. Aber wie schließen sie an einem Ort wie diesem ein Jahr ab, das eine Katastrophe gebracht und den Alltag aus den Angeln gehoben hat?

Das Leben geht weiter

Thomas Philipp-Hopf feiert „ganz entspannt mit Freunden“ und geht hoffnungsfroh ins neue Jahr. Im Mai will er mit seiner Frau den „Löwen“ wiedereröffnen. Dass er zum Jahreswechsel noch nicht am Herd steht und wie früher für bis zu 100 Gäste ein Silvesteressen kocht, stört ihn nicht. Mit seiner Frau will er die Zeit mit dem Baby genießen. Kürzlich hat er einen privaten Film über die Flut gesehen: „Es ist so krass, was passiert ist, ich kann es immer noch nicht glauben.“ Dass das Leben in Braunsbach weitergeht, sehen viele als Glück.

„Ich bin schon ausgepowert, das muss ich eingestehen“, sagt Bürgermeister Frank Harsch. „Silvester wird bei mir persönlich keine große Party.“ Er will den Gottesdienst besuchen und im Anschluss mit seiner Frau und Freunden feiern. „Ich hätte mir nicht träumen lassen, was 2016 alles passiert ist“, so Harsch. Auch 2017 werde für Braunsbach kein gewöhnliches Jahr. Die Sanierung von Straßen und die Baustellen im Ort würden Frust aufkommen lassen, befürchtet er. „Aber es gibt keine Alternative.“

Für die Inhaberin des Braunsbacher Blumenladens, Anita Mögerle, ist mit der Wiedereröffnung ihres Geschäfts im November ihr altes Leben zurückgekehrt. „Das Jahr 2016 hat für mich Ende Mai aufgehört und im November wieder angefangen. Dazwischen war alles tot“, sagt sie. Glücksklee hat sie dieses Jahr wegen eines Brandes bei einem Hersteller-Betrieb in Holland nicht im Angebot.

Positive Stimmung

Ein schlechtes Omen? Nein, sagt Mögerle. Glücksklee brauche es nicht. „Die Braunsbacher sind positiv drauf.“ Die nächsten Neueröffnungen für 2017 stünden an: Der Lebensmittelladen, der Gasthof „Löwen“. Das mache Hoffnung. Silvester will sie still feiern.

Touristik-Unternehmer Stefan Thaidigsmann war nach dem Wiederaufbau und dem Ende einer schwierigen Kanu-Saison acht Wochen lang einfach platt, wie er erzählt. Die Ereignisse 2016 haben für ihn die Grenzen des Vorstellbaren überschritten – negativ wie positiv. Erst die verheerende Flut, dann die überwältigende Hilfsbereitschaft aus ganz Deutschland. Für 2017 wünscht sich der Unternehmer Normalität, will im Frühjahr wieder Werbung für seine Kanu-Touren schalten. Auf Zukunftsorakel wie Bleigießen verzichtet er bei der Silvesterfeier mit seiner Familie. „Ich lass mich überraschen. Es ist alles möglich. Die Katastrophe kann jederzeit wieder passieren.“ dpa

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29.12.2016, 06:00 Uhr

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