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Sinologe Matthias Niedenführ redet chinesisch

Sinologe Matthias Niedenführ redet chinesisch

© Video: Steuernagel/Schweizer 00:34 min

Kinder-Uni · „Ni hao ma?“ „Wo hen hao!“

In China gibt es viele Einzelkinder, sie werden verwöhnt wie Prinzen, müssen aber viel lernen

China ist ein echt großes Land“: Was Prof. Matthias Niedenführ den knapp 200 Besuchern in seiner Kinder-Uni-Vorlesung am Dienstag als erstes sagte, wussten die meisten schon.

27.04.2017
  • Ulrich Janßen

Doch „Zhong guo“, wie die Chinesen selbst ihr Land nennen, ist nicht einfach nur groß, es ist auch enorm unterschiedlich. Im Reich der Mitte gibt es immer noch heruntergekommene Dörfer, in denen arme Bauern mühselig ihre Felder bewirtschaften, gleichzeitig aber auch riesige Glitzerstädte, in denen Milliardäre sich jeden Luxus leisten können.

Deng Xiaoping hieß der Politiker, der in China für die Öffnung (auf chinesisch „kaifang“) und Modernisierung („xiandaihua“) verantwortlich war. Mit seiner Politik machte er aus dem armen zurückgebliebenen China das wirtschaftlich erfolgreichste Land der Welt. „Viele Menschen“, erklärte Niedenführ, „haben heute in China bessere Lebensbedingungen als früher.“ Vor allen Dingen muss niemand mehr hungern.

Allerdings hat der Erfolg auch Nachteile. Niedenführ zeigte Bilder von überfüllten Straßen und U-Bahnen. Zu sehen waren auch zahllose Hochhäuser die mit 30, 40 Stockwerken in einen oft sehr schmutzigen Himmel ragen.

Vor vierzig Jahren lebten noch vier von fünf Chinesen auf dem Land, heute wohnen laut Niedenführ schon drei von fünf Chinesen in der Stadt. Die Folge: „Man muss die Menschen auf ziemlich wenig Fläche stapeln.“ 1,4 Milliarden Chinesen gibt es derzeit.

In China gibt es viele Einzelkinder, sie werden verwöhnt wie Prinzen, müssen aber viel lernen
„Értóng dàxué“: So heißt Kinder-Uni auf chinesisch. Die Schriftzeichen dafür schrieb Matthias Niedenführ an die Tafel im Hörsaal. Bild: Metz
Damit die Zahl der Chinesen nicht immer weiter anstieg, beschloss die Kommunistische Partei im Jahr 1980, dass Familien nur noch ein Kind haben durften. Zwar gab es ein paar Ausnahmen von der Regel, doch sie führte dazu, dass die meisten chinesischen Kinder Einzelkinder sind.

Keine Geschwister zu haben: Das hat viele Vorteile: So werden die Einzelkinder in den chinesischen Familien ganz schön verwöhnt. Sie tragen teure Kleidung, fahren oft in Urlaub, bekommen viele Geschenke. Allerdings erwarten die Eltern auch viel von ihren Kindern. Sie müssen in der Schule fleißig lernen, um später gutbezahlte Berufe zu bekommen. „Kinder in China müssen oft bis in die Nacht für die Schule lernen“, meinte Niedenführ. Auch die Abiturprüfungen seien viel schwerer als in Deutschland.

Was chinesische Kinder nur selten machen: Einfach mal rausgehen und mit anderen spielen. Das liegt daran, dass es in China kaum Wiesen oder aufregende Plätze zum Toben gibt, und daran, dass draußen fast keine Kinder allein unterwegs sind: „Ein Erwachsener ist immer dabei.“

Auch wenn die Familie klein ist: Wichtig ist den Chinesen das Familienleben trotzdem, sogar sehr wichtig. Niedenführ erzählte, dass zum Frühlingsfest, dem größten Fest des Jahres, die ganze Familie zusammenkommt, egal wo sie gerade arbeitet, weshalb man „in dieser Zeit praktisch kein Eisenbahnticket mehr kaufen könne.“

Zwei Wochen feiern die Chinesen ihr Frühlingsfest. Sie feiern es sehr ausgelassen, mit lautem Feuerwerk („chinesische Böller sind extrem laut“) und ganz viel Essen.

Essen ist den Chinesen sehr wichtig. Die Speisen stehen in zahllosen Schüsseln auf dem Tisch, und jeder darf sich mit seinen Stäbchen etwas schnappen. Das kann sehr lecker sein, allerdings weiß man nie, was man eigentlich gerade isst. Niedenführ schmeckten die Teigtaschen besonders gut: „Wo chi jiaozi“ (ich esse Teigtaschen) sei deshalb ein Satz, den man in China immer gut gebrauchen kann.

Gut gebrauchen kann man natürlich auch Sätze wie „Ni hao ma?“ (Wie geht es dir?) und die Antwort darauf: „Wo hen hao.“ (Mir geht es gut.) Der Professor übte mit den Kinder die korrekte Aussprache der beiden Sätze (und demonstrierte sie fürs TAGBLATT auch im Video).

Die Einkind-Politik ist vor ein paar Jahren wieder abgeschafft worden. Die Regierung hatte festgestellt, dass die wenigen Kinder später einmal nicht für die vielen Erwachsenen sorgen können. Trotzdem gibt es immer noch viele Einzelkinder, weil Kinder in China sehr teuer sind und sich die Chinesen außerdem an ihre „kleinen Prinzen“ gewöhnt haben.

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27.04.2017, 01:00 Uhr

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