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Die Natur als Ingenieur

In Engstingen auf der Schwäbischen Alb entsorgen Kompostwürmer Bio-Abfälle

Dünger aus Würmern – so funktioniert ein Komposthaufen. In Engstingen auf der Schwäbischen Alb zeigt eine Firma, wie das in industriellem Maßstab funktioniert.

25.08.2015
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Engstingen. Energie- und Recyclingmanagement, Entsorgungs- und Versorgungstechnik waren die bestimmenden Themen für Nadine Antic an der Reutlinger ESB Business School. Schon bald hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt: Müll ist nicht gleich Müll, da kann man was draus machen. Bereits während ihres Studiums war klar: „Ich werde selbstständig.“ Der Weg war eingeschlagen, das Thema mit Kommilitonen bearbeitet. „Wir haben festgestellt, es funktioniert: 99 Prozent des Abfalls kann wiederverwertet werden.“ Und mancher Abfall muss erst gar nicht entstehen. Eine Geschäftsidee war geboren, das Unternehmen Global Flow 2012 gegründet.

Seitdem verdienen Antic und ihre inzwischen fünf Mitarbeiter ihr Geld damit, Entsorgungswege zu optimieren. Zunächst in Reutlingen, inzwischen in Korntal, geht es darum, Unternehmen darin zu beraten, wie sie Abfälle und die Kosten ihrer Entsorgung möglichst vermeiden können. Global Flow hat es geschafft und arbeitet inzwischen „mit sehr großen Firmen, auch Weltkonzernen“, zusammen.

Immer wieder musste das kleine Unternehmen neue Wege einschlagen, weil es für das Geschäft keine Vorbilder gibt. So fehlte es bislang auch an einem schlüssigen Rezept, Tierstreu zu verwerten. Tierstreu wurde einfach nur verbrannt und konnte nicht mehr in den Verwertungskreislauf eingespeist werden. Ein typischer Fall also für Global Flow. „Wir haben schließlich eine Technik entwickelt, aus der Verwertung von Tierstreu den größtmöglichen Nutzen zu erzielen“, erklärt Antic. Beim Herumprobieren habe sich herausgestellt, dass die Natur der beste Ingenieur ist. „Marienkäfer sind einfach hervorragende Schädlingsbekämpfer und Würmer ausgezeichnete Düngerproduzenten.“ Eine zweite Geschäftsidee war geboren.

Und dazu konnte Antic als Partner die Korn Recycling GmbH gewinnen. Alexander Korn, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Korn Recycling in Albstadt, reagierte zunächst zurückhaltend. Die anfängliche Skepsis änderte sich allerdings nach einem Versuch im eigenen Blumenbeet.

Seit Mai ist Antic zusammen mit Andreas Reiff, dem Niederlassungsleiter der Korn Recycling Engstingen, Chefin von der Albfertil GmbH. Die neue Firma hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Würmern Kompost aus Bio-Abfällen – auch aus Tierstreu – herzustellen. Auch hier gilt das Prinzip, Abfälle von Firmen so kostengünstig wie möglich, aber auch so hochwertig wie möglich zu recyceln, jetzt aber die biogenen aus der Lebensmittelproduktion, Pferdestreu oder die Rückstände der Zuckerrübenherstellung.

Den Würmern sei Dank: Ihre Hinterlassenschaften beleben auf biologische Weise „degradierte Böden“. Der Wasserverbrauch bei der Bewässerung von Pflanzen reduziert sich um bis zu 50 Prozent, Pflanzen erhalten hochwertige natürliche Nährstoffe, die Pflanzenwachstum und Pflanzenschutz unterstützen. Der Humus ist für eine breite Kundschaft gedacht, die ihren Pflanzen gesunden Nährstoff zuführen will, vor allem aber soll er von Garten-und Landschaftsbaubetrieben abgenommen werden.

Ein Kompostwurm, so Antic, kann die Hälfte seines Körpergewichts verarbeiten, das sind 0,5 Gramm bis ein Gramm. Freilich sei es eine „echte Herausforderung“, die Würmer von ihren Exkrementen, dem wertvollen Kompost, zu trennen. Um dies zu erreichen und überhaupt Mengen in wirtschaftlicher Größenordnung herzustellen, haben die Existenzgründer 2013 mit Fördermitteln des KIT sowie mit der Unterstützung der Reutlinger Hochschule eine leistungsfähige Anlage entwickelt. Rund 300 000 Euro wurden in das Projekt gesteckt, das in diesem Sommer in Betrieb geht.

Rund ein Jahr war Antic auf der Suche nach einem geeigneten Standort und fand ihn schließlich bei Korn Recycling, ihrem neuen Geschäftspartner in einer 1000 Quadratmeter großen Halle in Engstingen. 30 Tonnen, zum Teil selbst gezüchtete Würmer sollen hier 10 000 Tonnen Kompost produzieren.

„Es ist einfach supercool“, sagt Antic. „In der Beratungsfirma Global Flow sieht man, was alles gebraucht wird, um Abfälle sinnvoll zu entsorgen. Da kommt man auf ganz neue Ideen.“ Die Albfertil GmbH ist so eine neue Idee. Wie es aussieht, scheint auch sie zu zünden: Es sei wirklich „phantastisch, wie offen die Leute auf das Angebot reagieren“. Den Würmern werde das Futter bestimmt nicht ausgehen.

In Engstingen auf der Schwäbischen Alb entsorgen Kompostwürmer Bio-Abfälle
Würmer sind die wichtigsten Mitarbeiter der Albfertil GmbH. Die Engstinger Firma hat es sich zur Aufgabe gemacht Kompost aus Bio-Abfällen herzustellen.ST

In Engstingen auf der Schwäbischen Alb entsorgen Kompostwürmer Bio-Abfälle
Nadine Antic.

Dass sie zupacken kann, hat Nadine Antic schon im Nationalteam der Judokas bewiesen. Doch die Wirtschaftsingenieurin aus Bad Cannstatt ist nicht nur sportlich unterwegs. „Ich könnte 20 Firmen gründen“, sagt sie von sich, und sprüht vor Energie. Zu zweien hat es die 29-Jährige schon gebracht. 2012 hat sie das Unternehmen Global Flow gegründet, das Firmen dabei berät, wie sie ihren Abfall wiederverwerten können. Dabei hat sie ihre Liebe zu Kompostwürmern entdeckt. Zusammen mit Andreas Reiff hat sie die Albfertil GmbH gegründet, die in Engstingen mit ihren Würmern in industriellem Maßstab Kompost aus Bio-Abfällen herstellt.

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25.08.2015, 12:00 Uhr

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