Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Biogasanlage mit Fernwärmenetz?

In Felldorf steigt Landwirt Thomas Straub wieder in die Planung ein

Thomas Straub will auf seinem landwirtschaftlichen Hof in Felldorf eine Biogasanlage für 2,5 Millionen Euro bauen, um Strom zu erzeugen. Die dabei entstehende Wärme könnte durch ein Nahwärmenetz Haushalte in Bierlingen und Felldorf versorgen. Zur Informationsveranstaltung am Mittwoch kamen rund 40 Interessierte ins Bürgerhaus.

13.10.2012
  • Yvonne Arras

Felldorf. Thomas Straub, 36-jähriger Landwirt aus Felldorf, baut bereits Mais an. Diesen verkauft er an eine Biogasanlage, die 110 Kilometer entfernt im Badischen liegt. Bereits 2010 hatte Straub die Idee, eine eigene Biogasanlage zu bauen, bei der allerdings noch kein Nahwärmenetz vorgesehen war. Damals stand ihm ein Teilhaber zur Seite, der ebenfalls Landwirt war. Er ist inzwischen abgesprungen.

„Glücklich war ich mit dem alten Entwurf nicht“, sagte Bürgermeister Thomas Noé auf Nachfrage und ergänzte: „Mit dem jetzigen Entwurf bin ich das schon eher.“ Das am Mittwoch vorgestellte Konzept nutzt die entstehende Wärme. Mit Inkrafttreten der jüngsten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) am 1. April muss eine Biogasanlage die Wärme von Gesetzes wegen nutzen. Darum wäre das 2010 von Straub geplante Modell ohnehin nicht mehr realisierbar.

Als Erbauer der Biogasanlage hat Straub mit der Firma Schmack Biogas Kontakt aufgenommen. Das 300 Mitarbeiter starke Unternehmen mit Sitz im bayrischen Schwandorf gehört seit zweieinhalb Jahren zur Viessmann-Gruppe und ist spezialisiert auf den Bau von Biogasanlagen im In- und Ausland. Ingenieur und Architekt Rüdiger Eckel und Mitarbeiter Frank Stumpf waren nach Felldorf gekommen, um über die geplante Technik und das Arrangement der Biogasanlage zu berichten. Janine Bliestle von der Fachberatung Gemeindenetzwerk Bürgerschaftliches Engagement aus Stuttgart moderierte den Abend.

Eckel zählte zunächst Gründe auf, die für den Standort in Felldorf sprächen: Die Abstände zu den nächsten Anwohnern seien mit 400 Metern „sehr gut“, Rohstoffe zur Genüge vorhanden. Bis auf zwei Prozent seien alle Anbauflächen ohne Ortsdurchfahrt anfahrbar. „Bei einer flexiblen Anlage, wie wir sie planen, kann der Strom gespeichert werden, wenn Überschuss vorhanden ist, und bei Bedarf abgerufen werden.“ Damit schlössen Biogasanlagen eine Lücke zwischen Energieerzeugung durch Wind und Sonne.

Eine Biogasanlage, die im Falle von Thomas Straub eine Grundfläche von 1,5 Hektar benötigt, bestünde aus vier ebenerdigen Silos, die befahren werden können, einem Fermenter, einem Blockheizkraftwerk und einem Gärproduktlager. Der Fermenter werde laufend mit Biomasse gefüttert. Darin werde die Biomasse ohne Licht und Sauerstoff abgebaut. Es bilden sich brennbare Gase (Biogas), welche in das Blockheizkraftwerk geleitet werden, wo sie ein Gasmotor verbrennt. Dabei, so Eckel, entstünden 40 Prozent Strom und 50 Prozent Wärme (davon 40 Prozent nutzbar). 10 Prozent gingen verloren.

Mit der Wärme könnten 206 Einfamilienhäuser versorgt werden. Dazu müssten jedoch Leitungen für ein Nahwärmenetz in die Straßen verlegt werden. Ein Meter Leitung kostet laut Eckel rund 200 Euro. Von Straubs Hof bis zum Ortsschild von Felldorf sind es rund 500 Meter. Rüdiger Eckels errechnete daraus Kosten von 6,1 Cent pro Kilowattstunde für jeden Haushalt, wenn 40 Haushalte mitmachen. Machen mehr Haushalte mit, sinkt der Preis proportional.

Von Straubs Hof bis nach Bierlingen sind es fast zwei Kilometer. Wenn sich dort 40 Haushalte ans Netz anschlössen, koste die Kilowattstunde je 9,5 Cent. Jeder Haushalt müsse zudem eine Hausübergabestation für rund 1000 Euro einbauen. Die Kosten pro Haushalt beliefen sich auf insgesamt 4000 Euro Anschlussgebühr. Die KfW-Bank fördere die Anschlüsse. Eine weitere Möglichkeit, die Wärme zu nutzen, sei, eine zusätzliche Maschine (eine so genannte Organic Rakine Cycle) zu bauen, die Wärme in Strom umwandelt. Eckel: „Die einfachste Lösung ist ein Nahwärmenetz.“

Ob das Vorhaben überhaupt realisiert wird, steht noch in den Sternen. Zum einen, weil Initiator Thomas Straub noch ein Teilhaber fehlt. Ein solcher könnten alle Personen oder Betriebe sein. Zum anderen, weil es darauf ankommt, wie viele Haushalte bereit sind, sich einem Nahwärmenetz anzuschließen. Straub, der einige Zuhörer persönlich kannte, erklärt offen und ehrlich seine Idee: „Bei Maisanbau stößt man oft auf negative Stimmen. Aber wenn wir Strom nutzen wollen, müssen wir ihn auch machen.“

Die Fragerunde nach der Präsentation wurde insbesondere von Landwirt Peter Duffner aus Sulzau gestaltet. Der ökologisch orientierte Landwirt interessierte sich mehrfach und mit verschieden gestellten Fragen dafür, ob die Biomasse gentechnisch verändert sei. „Ich will keinen genveränderten Mais in Starzach.“ Man müsse eher schauen, dass Abfall zu Strom gemacht würde. Er jedenfalls habe genügend „Mist“, den er Landwirt Straub gern anbieten könne. Straub sagte, dass sich über dieses Angebot reden ließe. Er könne allerdings nur garantieren, dass der Mais, den er bestellt, genunverändert sei; nicht aber für das, was er geliefert bekäme.

Einen Imkervertreter beruhigte Eckel mit dem Hinweis, dass derzeit neben Mais „ein buntes Gemisch“ aus Sonnenblumen und anderen Pflanzen als Biomasse angebaut werde. Das gefalle sicher auch den Bienen. Darüber hinaus sei die Forschung „gerade sehr dahinter her, eine Energie-Pflanze zu entwickeln.“ Die soll dann an die Stelle von Mais treten, der derzeit noch an der Spitze der Anbaupflanzen für Biogasanlagen stehe. Die Firma Schmack, so Eckel auf Nachfrage, habe an der Anlage keine Anteile, sie baue nur.

Im November wird die Idee im Gemeinderat diskutiert.

In Felldorf steigt Landwirt Thomas Straub wieder in die Planung ein
So könnte der Straub-Hof in Felldorf mit einer Biogasanlage aussehen, die Skizze ist dreidimensional animiert. Weil es noch keine Pläne, sondern nur Konzeptskizzen gibt, kann sich die Lage der einzelnen Bauteile auf dem Grundstück noch ändern. Fest stehen jedoch die Größen der einzelnen Anlagenteile. Nicht enthalten ist eine Begrünung der Anlage. Konzept: Schmack GmbH

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

13.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball