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Der Kampf gegen die Helligkeit

In Horb schauen viele das Spiel der deutschen Fußballer gegen Portugal in der Gemeinschaft

Mit einem Autokorso und Hupkonzerten haben die Horber den Auftaktsieg der deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft gegen Portugal gefeiert. Zuvor waren viele beim gemeinsamen Schauen auf dem Rauschbart und in der Horber Innenstadt.

17.06.2014

so hatte Carla Freitas sich das nicht vorgestellt. Da war die Portugiesin extra mit ihrem Lebensgefährten zusammen aus Rottweil nach Horb auf den Rauschbart gekommen, um mit Freunden das Spiel der Portugiesen gegen Deutschland anzuschauen – und dann sowas. In ihrem Poloshirt in den Landesfarben rot und grün, den Portugal-Schal um die Schultern gelegt, saß sie da und schüttelte nur noch den Kopf. Schon nach gut zehn Minuten gab’s Strafstoß für Deutschland.

Um sie herum recken sich die geballten Fäuste in die Luft. Dabei hat sie es doch genau gesehen: Es war gar kein Elfmeter. „Bestimmt nicht!“, sagt Freitas und lacht verschmitzt. Als Thomas Müller kurz darauf zum 1:0 getroffen hat, bekommt sie von ihrem Freund immerhin einen aufmunternden Kuss auf die Wange. Der trägt ein Deutschland-Trikot und einen paillettenbesetzten Hut in den Farben schwarz, rot, gold. Portugiesischen Beistand gibt es unter den mehreren hundert Besuchern auf dem Rauschbart sonst kaum. Etwa jeder fünfte Besucher hier oben bekundet seine Sympathien für die deutsche Mannschaft mit einem Deutschland-Trikot, einer Fahne oder schwarz-rot-gelber Schminke im Gesicht.

Ganz hinten im Biergarten, rund 50 Meter entfernt von der Leinwand sitzen derweil Lena Rothfelder und Benjamin Vötsch vom Bildechinger Haugenstein. „Wir sehen fast gar nichts“, sagt sie. Auch weil es noch ziemlich hell ist. Er hätte dazu gern den Ton etwas lauter. Weiter vorne war nicht mehr genügend Platz, als sie kurz vor 18 Uhr ankamen.

Michael Singer, einer der beiden Rauschbart-Wirte, hat kaum Zeit für eine hastig gerauchte Zigarette. „Gott sei Dank nicht!“, sagt er. „Denn das bedeutet, wir sind gut besucht.“ Die Schlange vor der Verkaufs-Hütte wird auch während das Spiel läuft kaum kürzer. 400 bis 500 Leute sind zum Fußball-Gucken auf die Aussichtsfläche über Horb gekommen, schätzt Singer.

Fürs ersten Spiel ist er damit zufrieden. „Am Samstag gegen Ghana werden es sicher noch mehr“, sagt er. Und wo sollen die alle hin? „Wer früher kommt, hat die besseren Plätze“, sagt Singer und grinst. Dann schreit er plötzlich: „Toooor!“ Doch vergebens – der Ball ging knapp vorbei. Es gibt Ecke – und die köpft Mats Hummels zum 2:0 ein, wieder Jubelgeschrei und klatschende Hände. Doch da ist Singer schon wieder hinter dem Tresen verschwunden.

Etwas abseits hinterm Blätterdach der großen Eiche, nicht weit weg vom Steilhang hinunter ins Neckartal, sitzt Susanne Mück aus Tübingen mit dem Rücken zur Leinwand. Sie kommt öfters mal hierher auf den Rauschbart, um ein Radler zu trinken. Die Spielzüge der deutschen Mannschaft muss sie nicht gesehen haben, sagt sie. „Aber wir sind interessiert, wie das hier abläuft.“ Ihre Begleiterin Ute Beiter sieht praktisch auch nichts vom Spiel: „Ich warte ab, bis alle aufspritzen und jubeln“, erklärt sie ihre Taktik, um nichts Wesentliches vom Spielverlauf zu verpassen.

Drunten in der Horber Neckarstraße sitzen vor dem „Dolce Vita“ derweil rund 100 Fußball-Anhänger. Auch hier tragen viele Deutschland-Trikots. Die meisten starren auf den Flachbildschirm vor dem Café. Das Bild auf der großen Leinwand vor dem Laden nebenan wirkt etwas blass – es ist einfach noch zu hell. Deshalb hat sich Stefan Fehrenbacher mit seinen Kumpels eine Viertelstunde nach Spielbeginn umgesetzt. „Auf dem Bildschirm hier geht’s besser“, sagt er. Mit ein paar Freunden hat er vor dem Spiel auf um ein Bier ein 2:1 für die deutsche Mannschaft gewettet. Daraus wird beim Stand von 3:0 sicher nix mehr. Doch der Student an der Horber Dualen Hochschule kann’s verkraften und nimmt’s mit einem Lächeln.

Das Spiel plätschert gegen Ende der zweiten Hälfte etwas vor sich hin. Als Deutschland wieder mal vor dem portugiesischen Tor ist, schreit einer im Publikum: „Schieߒ doch mal!“ Keine Sekunde später trifft Thomas Müller mit seinem dritten Tor zum 4:0-Endstand. Viele springen auf und klatschen. Kurz vor dem Abpfiff gibt’s dann noch hämisches Gelächter für Cristiano Ronaldo, der einen Freistoß in die Ein-Mann-Mauer Philipp Lahm schießt. Dann ist Schluss – und die Horber honorieren den Auftritt der deutschen Mannschaft mit warmem Applaus.

Wirt Koray Yildiz sitzt mit einem Radler in der Hand auf einer der Bierbänke auf dem Kiesplatz neben der Polizeiwache. „Wir sind zufrieden“, sagt er und blickt etwas fragend zu Ralf Berger, der die Technik für die große Leinwand gestellt hat. „Es ist ein bisschen schade“, sagt Berger. „Aber ein richtig gutes Bild bekommt man eben nur mit LED-Technik hin.“ Doch Wirt Yildiz blickt nach vorne: „Das nächste Spiel von Deutschland ist am Samstag erst um 21 Uhr.“ Und da ist es dann sicher nicht mehr so hell wie gestern am frühen Abend.Vincent Meissner

In Horb schauen viele das Spiel der deutschen Fußballer gegen Portugal in der Gemeinschaft
Kollektiver Jubel: Thomas Müller trifft per Strafstoß zum 1:0 für Deutschland und auf dem Rauschbart fliegen die Fäuste Richtung Himmel.Bilder: Kuball

In Horb schauen viele das Spiel der deutschen Fußballer gegen Portugal in der Gemeinschaft
Hand aufs Herz: Diese beiden sangen auf dem Rauschbart inbrünstig die Nationalhymne, während sich die meisten anderen weiter unterhielten oder sich ihr Grill-Hähnchen samt Pommes einverleibten.

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17.06.2014, 12:00 Uhr

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