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In Italien spitzt sich die Bankenkrise zu
Sie ist die älteste Bank der Welt, sieht architektonisch ansprechend aus, steckt aber im Schuldenschlamassel: Zentrale der Monte dei Paschi di Siena in der toskanischen Stadt Siena. Foto: AFP
Euro-Verbund

In Italien spitzt sich die Bankenkrise zu

Aktuell geht es um eine Kapitalspritze für eine traditionelle Großbank aus Siena. Doch die ganze Branche sitzt auf riesigen Schulden. Muss der Staat eingreifen?

23.12.2016
  • DPA

Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) läuft auf der Suche nach frischem Kapital die Zeit davon. Das Traditionshaus erklärte am späten Mittwochabend, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der laufenden Kapitalerhöhung schultert.

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestoßen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende 5 Mrd. EUR an frischem Kapital aufnehmen. Ein Umtausch von Anleihen in Aktien steuert 2,06 Mrd. EUR an Kapital zu dem Rettungspaket bei. Zudem werden neue Aktien an Investoren verkauft. Diese Kapitalerhöhung endete gestern. Experten rechneten nicht damit, dass Monte dei Paschi die nötige Summe zusammenbekommt.

In Italien spitzt sich damit die Bankenkrise zu: Muss der Staat einspringen? Im schlimmsten Fall könnte die Staatsschuldenkrise nie da gewesene Ausmaße annehmen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist das Problem in Italien? Das Land leidet unter einer geringen Produktivität, Vetternwirtschaft und Korruption. Die Wirtschaft lahmt seit Jahren, das Wachstum für 2017 soll bei nur 0,9 Prozent liegen. Zudem ist Italien mit 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes das am zweithöchsten verschuldete Mitglied der Eurozone – gleich nach Griechenland. Seit Jahren schwelt die Bankenkrise, die bisher nicht wirklich gelöst wurde.

Was sind die Probleme des Bankensektors? Neben der schwachen Gewinnkraft der Branche gelten besonders die faulen Kredite als bedrohlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das Gesamtvolumen in den Bilanzen auf 360 Mrd. EUR. Das entspricht rund 18 Prozent der ausgereichten Darlehen. Aktuelles Sorgenkind Nummer eins ist die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena. Scheitert die Aufstockung des Eigenkapitals durch Investoren, könnte die Bank um Staatshilfe bitten. Viele Beobachter halten eine staatliche Intervention zunehmend für unvermeidbar. Und es könnten weitere Banken mit in den Strudel gerissen werden.

Was spricht gegen Staatshilfen? Die EU-Regeln verbieten mittlerweile eigentlich staatliche Rettungsaktionen für Banken. Bevor der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird, sollen nach europäischen Abwicklungsregeln zunächst die Gläubiger von Anleihen mit Verlusten rechnen. Das Problem in Italien ist, dass viele Kleinanleger ihre Ersparnisse in diese Papiere gesteckt haben. Die EU-Kommission hatte aber bereits signalisiert, im Notfall Italien dabei zu unterstützen, eine Lösung im Einklang mit europäischem Recht zu gestalten.

Wenn die Regierung den „kleinen Mann“ nicht verschonen kann, was dann? Dann könnten viele Menschen in Italien ihre Ersparnisse verlieren – und auf die Barrikaden gehen. Angesichts von Neuwahlen heißt das innenpolitisch nichts Gutes: Die Wähler könnten der sozialdemokratischen Regierungspartei einen Denkzettel verpassen. Beflügeln könnte das dann eurokritische oder gar rechtspopulistische Parteien im Land. Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi hatte stets als Priorität genannt, Kontoinhaber und Sparer zu schützen. Diesen Kurs will die neue Regierung unter Paolo Gentiloni fortsetzen.

Ist es nur in Italien so, dass die Banken das Land in wirtschaftliche Not bringen? Weit gefehlt - in Zypern, Irland und auch in Spanien haben die Banken die Staaten an den Rand der Pleite gebracht. Die Zyprer haben die Folgen ihres aufgeblähten Bankensystems teuer bezahlt. Die Bankkunden mussten einen Teil der Rettung ihrer Geldinstitute zahlen: Wer mehr als 100 000 EUR auf seinem Konto hatte, musste sich von 47,5 Prozent seiner Geldeinlage über diesem Betrag verabschieden. Das war damals eine Premiere in der Rettungspolitik der Eurozone. Im Fall von Spanien beschränkte sich die Rettungsaktion der EU auf die Sanierung maroder Banken, die im Zuge der Immobilienkrise der Zusammenbruch drohte. Die internationalen Geldgeber hatten Madrid Kredite von 100 Mrd. EUR angeboten, von denen aber nur ein Teil in Anspruch genommen wurde. Spaniens Bankensystem gilt heute als weitgehend stabil. Allerdings ging die Bankenrettung zum Großteil auf Kosten der Steuerzahler.

Warum ist eine Instabilität Italiens so gefährlich? Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone - und hat in absoluten Zahlen die dritthöchste öffentliche Verschuldung weltweit. Insgesamt beläuft sich der Schuldenstand auf rund 2,2 Bio. EUR. Zum Vergleich: Griechenland hat „lediglich“ eine Verschuldung von rund 314 Mrd. EUR. dpa

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23.12.2016, 06:00 Uhr

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