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Für immer Braut Christi

In Rottenburg fand am Sonntag seit langem wieder eine Jungfrauenweihe statt

In Deutschland gibt es nur 170 von ihnen, doch es werden immer mehr: Frauen, die bewusst in eheloser Keuschheit leben, sich nach eigener Auffassung „mit Jesus vermählen“, ohne jedoch einem Orden anzugehören. Eine von ihnen, Judith Belz, empfing am Samstag in der Morizkirche die Jungfrauenweihe.

11.12.2012
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Für Judith Belz war es der letzte konsequente Schritt eines Weges, der sie „eindeutig in diese Richtung geführt“ habe, erzählt sie. Sie habe immer wieder Anregungen und Denkanstöße bekommen. „Diese Entscheidung habe ich nicht alleine gefällt“, sagt Judith Belz. Man müsse sich das wie in einer Ehe vorstellen: „Beide müssten ,ja‘ zueinander sagen.“ Sie fühlte sich von Jesus zu dieser Lebensform berufen. Zwei Jahre lang habe sie sich intensiv auf diesen Tag vorbereitet.

Die Braut trug Weiß – und ein Öllämpchen

Zwei geweihte Jungfrauen, denen sie sich besonders verbunden fühlt, haben sie am „Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariä“ durch den festlichen Gottesdienst begleitet; dabei versprach Judith Belz, sich für immer an Christus zu binden und in eheloser Keuschheit zu leben.

Rund 90 Menschen nahmen an der Feier teil, darunter Freunde und Verwandte von Judith Belz sowie gut ein Dutzend geweihter Jungfrauen und Kandidatinnen. Besondere Feierlichkeit verliehen dem Gottesdienst die Choralschola Sankt Moriz und Viktoria Eschenfelder an der Querflöte mit ihrer Musik. Nach dem Eingangslied „Ave Maria klare, du lichter Morgenstern“ trat Judith Belz – ganz in Weiß – vor den Weihbischof Thomas Maria Renz und empfing von ihm eine an der Osterkerze entzündete Öllampe. Diese sollte an das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen aus dem Matthäus-Evangelium erinnern; die klugen haben Öl in ihren Lampen und ziehen mit Jesus in den Hochzeitssaal ein.

Mit dem Versprechen der Virgo Consecrata bekräftigte Judith Belz in ihre Bereitschaft, sich als „Braut Christi“ auf immer mit ihm zu verbinden. Zum Zeichen ihrer gänzlichen Hingabe legte sie sich ausgestreckt auf den Boden, während die Gemeinde die Heiligen um Fürbitte für die Weihekandidatin anrief. Anschließend kniete Belz vor dem Bischof nieder und legte ihre gefalteten Hände in seine, als Zeichen, sich ganz in Christi Hände zu geben. Nach dem Versprechen, Christus im Stand der Jungfräulichkeit mit Gottes Hilfe nachzufolgen und dem Weihegebet, das der Bischof über sie betete, erhielt sie die drei Insignien der Virgo consecrata: Ring und Schleier als Zeichen ihrer bräutlichen Bindung an Christus und seine Kirche und das Stundenbuch für das immer währende Gotteslob und Gebet für das Heil aller Menschen, mit dem sie durch den Bischof beauftragt wurde.

Mit dem vermählt, dem die Engel dienen

Mit fester Stimme sang die frisch geweihte Jungfrau dann den Wechselgesang der heiligen Agnes: „Ich bin mit dem vermählt, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.“ Am Ende des Gottesdienstes schritt Belz, feierlich die Öllampe vor sich her tragend und von den zwei Jungfrauen begleitet, aus der Kirche. Ende einer außergewöhnlichen Vermählung.

Judith Belz wird weiterhin ihrem Beruf als Managementassistentin eines mittelständischen Unternehmens in der Region nachgehen. Und sie wird sich weiterhin in ihrer Gemeinde engagieren. Als neue Aufgaben kommen die Krankenkommunion und Besuche im Spital hinzu. Mit der Weihe habe die Verbindlichkeit ihrer Lebensform einen neuen Charakter bekommen, sagte Belz. Sie trete jetzt dafür mit allen Konsequenzen ein.

In Rottenburg fand am Sonntag seit langem wieder eine Jungfrauenweihe statt
Ganz in Weiß kam Judith Belz nach der Jungfrauenweihe aus der Morizkirche (Dritte von rechts). Bild: Bernhard

Das Ritual der Jungfrauenweihe reicht zurück bis in die Zeit der Urkirche. Seit den Aposteln des 1. bis hinein ins 4. Jahrhundert gelobten immer wieder Frauen wie zum Beispiel die Heilige Agnes in einer öffentlichen Feier, als gottgeweihte Jungfrauen leben zu wollen. Sie führten weiterhin ein öffentliches Leben und sorgten selbst für ihren Lebensunterhalt, widmeten sich aber in besonderem Maße der Anbetung, dem Stundengebet und den Kranken und Armen.

Seit dem 4. Jahrhundert wurde diese Berufung zunehmend in Klöstern gelebt. Die Jungfrauenweihe in ihrer ursprünglichen Form geriet in Vergessenheit. Erst das Zweite Vatikanische Konzil belebte diese Tradition wieder in den 1970er Jahren. Die letzte Jungfrauenweihe fand in Rottenburg vor zwei Jahren statt.

Es gibt auch eine Vereinigung geweihter Jungfrauen, Ordo Virginum Deutschland e. V., mit Sitz in Regensburg.
www.ordovirginum.de

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11.12.2012, 12:00 Uhr

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