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Es besteht Lebensgefahr am Berg

In Talheim soll nach dem 2013er Erdrutsch die Flur bereinigt werden

Im Juni vor zwei Jahren rutschte nicht nur der Berg bei der Öschinger Landhaussiedlung ab: Auch in Talheim geriet nach dem damaligen Starkregen Erde in Bewegung – allerdings in einem unbewohnten Gebiet. Jetzt soll die Flur dort bereinigt werden.

29.06.2015
  • Amancay Kappeller

Talheim. Vom Erdrutsch, der sich 2013 ereignete, waren in Talheim die Bereiche Weiherbach und Holderbachtal betroffen. Christian Kutterer von der Abteilung Vermessung und Flurneuordnung beim Landratsamt Tübingen erläuterte bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung, wie die Lage im Rutschgebiet aussieht. Der Erdrutsch hat damals nicht nur den Weiherbach verschoben, sondern auch mehrere Wege zerstört. Die Bäume im betroffenen Gebiet sterben ab, die Wasserverhältnisse sind gestört, erklärte Kutterer. Innerhalb der Rutschung hat sich ein Höhenunterschied von 13 Metern angehäuft.

„Im Gebiet besteht Lebensgefahr, da ist nichts mehr zu bewirtschaften“, sagte der Fachmann. Das Wasser schießt laut Kutterer teilweise „unkontrolliert von oben herunter“; es entstehen kleine Tümpel. Die Gemeinde hat im betroffenen Gebiet bereits provisorisch aufgeräumt. Nun soll die Flur professionell bereinigt werden. Die Eigentümer und Pächter wollen ihre Grundstücke dort abgeben, weil sie mit ihnen nichts mehr anfangen können. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Flächen gegen andere zu tauschen oder aber finanziell entschädigt werden.

Christian Kutterer sieht in der geplanten Flurneuordnung im Rutschgebiet auch Chancen für die Stadt. Diese möchte die Rutschfläche übernehmen und sie gemäß Vereinbarung mit dem Landratsamt bewirtschaften, also touristisch erschließen. Ein Grillplatz könnte angelegt, Spielgeräte für Kinder aufgestellt werden, zählte Kutterer Möglichkeiten auf. Der Stadt Mössingen schwebt ein „Ökokonto“ vor, sagte der Obervermessungsrat.

Bei dem Ökokonto handelt es sich um ein Naturschutzinstrument auf kommunaler Ebene im Rahmen der sogenannten „Eingriffsregelung“. Eingriffe in die Natur müssen in der Regel durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. Bei einem Ökokonto können aktuelle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dokumentiert und in einen Flächenpool eingetragen werden. Bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft stehen die Flächen im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen dann zur Verfügung.

Kutterer sagte, man wisse nicht, „wie die Geologie in dem Gebiet weiter arbeitet“. Wege, die gerichtet würden, könnten theoretisch auch gleich wieder wegrutschen. Komplett wiederaufgebaut werden soll das frühere Wegenetz deshalb nicht. Den verschobenen Weiherbach zurück in sein altes Bachbett zu bringen, macht laut Kutterer keinen Sinn. Vielmehr wird das Kataster an die neue Situation angepasst. Das unkontrolliert austretende Wasser soll gefasst und abgeleitet werden.

An den Kosten, die bei der Flurbereinigung entstehen, müssen sich auch die Grundstückseigentümer beteiligen. Man könne allerdings mit Zuschüssen durch Land und EU in Höhe von maximal 80 Prozent rechnen, sagte der Fachmann. Die Gemeinde hat die Beteiligung an den anfallenden Kosten – geschätzt insgesamt 100 000 Euro – in Aussicht gestellt. Von dem Erdrutsch betroffen sind mehrere Hektar landwirtschaftliche Fläche, ansonsten nur noch Stadtwald. Der abgerutschte Wald wird laut Kutterer „auch aus Sicht vom Forst in Ruhe gelassen“.

Die Vorteile einer Bereinigung liegen laut Kutterer auf der Hand: Nutzungskonflikte werden beseitigt, die Attraktivität des bereinigten Gebietes wird gesteigert. Bei einem gewünschten Flächentausch müssen die alte und die neue Fläche räumlich auch nicht dicht beieinander liegen. „Man kann sich im Prinzip überall hinwünschen“, so Kutterer. In jedem Fall müsse das Verfahren transparent gestaltet werden.

Wolfgang Eissler (FWV Kirchkopf) sprach sich für eine „klare Linie, keinen Kuhhandel“ aus. Schließlich sei das Ökokonto für die Stadt viel wert. „Ich erwarte deshalb eine ordentliche Abwicklung, und das sehen sicher viele Eigentümer auch so.“ Peter Rilling (CDU) schloss sich an und forderte: „Es muss fair ablaufen.“ Im Anschluss an die Diskussion fasste der Ortschaftsrat einstimmig den Beschluss, dem Mössinger Rat die vorgestellten Flurbereinigungsmaßnahmen zu empfehlen. In seiner nächsten Sitzung am 20. Juli wird sich der Mössinger Rat mit dem Erdrutsch in Talheim beschäftigen. Dann soll auch über die Flurneuordnung im Gebiet Weiherbach und Holderbachtal entschieden werden.

Info Am Montag, 13. Juli, wird es in der Talheimer Turnhalle um 19 Uhr eine öffentliche Informationsveranstaltung zur geplanten Flurbereinigung geben.

In Talheim soll nach dem 2013er Erdrutsch die Flur bereinigt werden
Bergrutsch am Buchberg nach dem Starkregen vor zwei Jahren. Bild: Franke

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29.06.2015, 12:00 Uhr

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