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Protest mit Herz und Lärm

In Tübingen versammelten sich über 400 Gegner von Stuttgart 21

Sie forderten einen sofortigen Baustopp und den Rücktritt von Ministerpräsident Stefan Mappus: Gestern Nachmittag protestierten über 400 Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 auf dem Tübinger Holzmarkt.

08.10.2010
  • Uschi Hahn

Tübingen. Den Button „Oben bleiben“ hatten sich viele ans Revers oder den Pulli geheftet. Einer trug sogar ein Lebkuchenherz mit dem Bekenntnis gegen Stuttgart 21 um den Hals. Ein anderer hatte einen Schirm in der Hand, auf dem ein Polizeiauto mit einem rosa Schweinchen als Passagier befestigt war – ein Protest gegen den Polizeieinsatz gegen die S 21 Gegner im Schlosspark am Donnerstag vor einer Woche.

Allerdings gab es auch eine handvoll junger Leute, die sich gestern als Fans der Tieferlegung des Hauptbahnhofs outeten – mit einem roten Herz auf dem Anstecker: „I love S 21“. Beachtet wurden diese Befürworter des milliardenschweren Großprojekts auf dem Holzmarkt kaum. Stattdessen begleiteten „Mappus-weg-Rufe“ und begeisterte Pfiffe die Kundgebungsredner.

Tübingens Grünen-Bundestagsabgeordneter Winfried Hermann sprach von falschen Zahlen, auf deren Basis die bisherigen parlamentarischen Entscheidungen zu Stuttgart 21 getroffen worden seien. Im Vorfeld des Schlichtungsverfahrens mit Heiner Geißler dürfe die Landesregierung „nicht weiter unumkehrbare Tatsachen schaffen“. Er sei sich sicher, so Hermann: „Wenn alle Zahlen auf dem Tisch sind, wird dieses Projekt insgesamt fallen.“

Heike Hänsel, Tübinger Bundestagsabgeordnete der Linken, forderte einen Untersuchungsausschuss auf Bundesebene für den „schockierenden Polizeieinsatz“. Dass die Landesregierung versuche, dafür den Demonstranten die Schuld in die Schuhe zu schieben, dürfe man sich nicht gefallen lassen. Das Angebot, vorerst den Südflügel des Bahnhofs nicht abzureißen und auf weitere Baumfällungen zu verzichten, nannte Hänsel „schlichtweg ein faules Ei“. Stattdessen sei ein „sofortiger Baustopp die zentrale Forderung“.

Martin Gross von der Gewerkschaft Verdi erklärte, die Milliardenausgaben für Stuttgart 21 führten zu Kürzungen im sozialen Bereich. Er forderte eine Bürgerbeteiligung – „ohne die stirbt die Demokratie“. Beim Protest gegen Stuttgart 21 gehe es auch um die Fragen: „Wem gehört die Stadt, wem gehört das Land. Wenigen Berufspolitikern oder den Menschen?“

Henning Zierock von der Gesellschaft Kultur des Friedens hatte Eingangs der Kundgebung zur Gitarre gesungen. Als Redner verglich er den Polizeieinsatz mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen „Handwerker und Hausfrauen, die ihr Recht in die Hand genommen haben“, mit der Situation in Chile unter Pinochet: „Das war ein diktatorischer Einsatz.“

Michael Schwarz, der für die Protestorganisation „Schwabenstreich“ sprach, warf Ministerpräsident Stefan Mappus vor, er wolle mit seiner „Hau-drauf-Politik“ an den Stammtischen punkten. Seine Forderung nach Mappus’ Rücktritt, „bevor Sie bis zum Wahltag noch mehr Unheil anrichten können“, wurde auf dem Holzmarkt von lauten „Mappus-weg-Rufen“ bekräftigt.

Tobias Kaphegy vom Bündnis gegen eine Verschärfung des Versammlungsrechtes sagte, der Stuttgarter Polizeieinsatz müsse „eigentlich verfolgt werden“. Denn das Zielen mit Wasserwerfern auf den Kopf von Demonstranten sei eine „bewusste Körperverletzung“. Tobias Pflüger, ehemaliger Europaabgeordneter der Linken, sagte, das Europaparlament habe entgegen der Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, „nie über Stuttgart 21 abgestimmt“. Im übrigen wünschte er sich, dass Stuttgart international dafür bekannt wird, „dass wir dieses Projekt haben stoppen können“.

In Tübingen versammelten sich über 400 Gegner von Stuttgart 21
Heute Tübingen, morgen Stuttgart. Nach der gestrigen Kundgebung auf dem Holzmarkt gegen Stuttgart 21 wollen am heutigen Samstag viele Tübinger zum Protest in die Landeshauptstadt fahren. Dort beginnt die Kundgebung um 15 Uhr. Bild: Sommer

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08.10.2010, 12:00 Uhr

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