Horb · Landtagswahl-Kandidatur

In aller Konsequenz

Für den Grünen Winfried Asprion zählen der Mittelstand und die Moral. Hauptsorge und Antrieb zugleich ist für ihn der Klimaschutz.

03.02.2021

Von Annette Maria Rieger

Am liebsten, scherzt der Landtagskandidat der Grünen aus Horb, hätte er plakatiert: „Winfried Kretschmann und Winfried Asprion: Eine Win-Win-Situation für Stadt und Land.“ Stattdessen wirbt er jetzt mit dem Slogan: „Klimaschutz und Wirtschaft.“Bild: Karl-Heinz Kuball

Winfried Asprion, 58-jähriger Familienvater, Banker und für den Landtag kandidierender Grüner, wirkt optisch geradezu bilderbuchmäßig solide, fast bieder. Wer ihn näher kennt, weiß seinen Witz und Humor zu schätzen – und seine mitunter explosive Art, die er als sein größtes Laster bezeichnet, zu fürchten.

Aufgewachsen in Dießen (nachdem das Haus der Familie in Dettingen abgebrannt war), lebt Winfried Asprion heute mit seiner Familie in Horb direkt am Neckar. Immer wieder ist er im ganzen Landkreis im Ehrenamt unterwegs: „Uns geht es allen so gut, da will man doch was zurückgeben – und bewegen.“

Vielleicht auch deshalb gab es für ihn immer nur die SPD. Willy Brandt und Helmut Schmidt haben ihm imponiert. Der früh verstorbene Horber Axel Lipp überredete ihn, sich selbst aktiver zu engagieren. So kam Asprion 2004 in den Horber Gemeinderat. „Mir war es immer wichtig, für was zu stehen“, sagt er.

Zum Bruch mit der SPD kam es wegen der Agenda 2010 der Schröder-Regierung. Das war seines Erachtens der Sündenfall der SPD in vielerlei Hinsicht. Zugleich habe er für sich erkannt: „Die ganzen Probleme sind klein im Vergleich zum Klimawandel.“

Vor allem auch als Vater von vier Kindern im Alter von 30, 28, 16 und 13 Jahren beschäftigte ihn der Klimaschutz immer stärker: „Sie sollen in einer lebenswerten Welt aufwachsen“.

Offiziell ist Asprion seit fünf Jahren Parteimitglied der Grünen. Vergangenen Sommer übernahm er mit Esther Kießling den Vorsitz des Kreisverbands. Jetzt kandidiert er im Team mit der Freudenstädterin Elisabeth Gebele als Zweikandidatin für den Landtag.

Moralische Dimension

Bei der Kreissparkasse Freudenstadt ist Asprion zum 31. Januar nach mehr als 30 Jahren auf eigenen Wunsch hin ausgeschieden. Ja, sagt der Bankbetriebswirt, dieser Ausstieg habe auch eine moralische Dimension: „Ich will jedem, der mir auf der Neckarbrücke entgegenkommt, auch weiterhin in die Augen schauen können.“

Er, zuletzt Abteilungsleiter Private Banking, sei schon immer Vertriebler im Finanzwesen gewesen und stehe da mit Leib und Seele dahinter – doch gerade in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase sollten die Banken Fairness wahren. Und weil er da gegenwärtige Entwicklungen mit Sorge beobachte, suche er sich lieber neue Aufgaben. Wie etwa als hauptamtlicher Bezirksreferent des Malteser Hilfsdienst im Landkreis Freudenstadt.

Mann der Zahlen

Als Mann der Zahlen sieht Asprion „die großen Kollateralschäden“ der Corona-Krise erst noch kommen – vor allem für das Handwerk, den Mittelstand. Deshalb fordert er: „Wir müssen endlich den Mut haben, den amerikanischen Giganten das Handwerk zu legen.“ Der Staat investiere so viel Geld, dass er dabei gewisse Bedingungen etwa für umweltfreundlichere Technologien implementieren könne. Zumal da Geld zu verdienen sei, wie etwa Fischer mit dem ökologischen Dübel, Arburg mit seiner Greenworld, Schmalz mit seinem selbst erzeugten Strom beweise.

Aufpassen heiße es bei so genanntem Greenwashing: „Da müssen wir als Staat wieder mehr lenken!“ Bis hin zum „Ökofaschismus“? Auf diese Frage antwortet Asprion mit einem klaren „Nein“. Es sei schon viel geholfen, wenn man jedes Vorhaben unter dem Klimaschutzaspekt betrachte. Er verweist auf Greta Thunberg: Die Aktivistin wolle nicht, dass 100 000 Menschen alles 100 Prozent richtig machen. Sie wolle, dass 100 Millionen Menschen zehn Prozent richtig machen.

Anders umgehen mit der Welt

Für Asprion steht außer Frage: „Wir haben unsere Lebensweise. Auf dem Land wird auch weiterhin Auto gefahren. Das Auto muss künftig halt emissionsfrei fahren – und das kostet Geld.“ Er wolle keinem das Auto wegnehmen. Er wolle, das Besteuerungsregeln „richtig angewendet werden“. Wobei er die Schwierigkeiten sehe, die mit den vielen Abwägungen gleichzeitig einhergehe. Da wolle man beispielsweise Bioenenergie und wundere sich dann, wenn man nur noch überall Maisfelder habe. Asprion ist sich bewusst, welche mühsamen, langwierigen Abstimmungsprozesse ein Wandel zu mehr Nachhaltigkeit kostet. Lohnend sei der jedoch allemal. Er zitiert Franz Alt, der im Horber „Kloster“ einen weisen Satz des Dalai Lamas weitergegeben habe: „Wenn Ihr wie wir an die Wiedergeburt glauben würdet, dann würdet Ihr mit der Welt anders umgehen.“

Asprion ist überzeugt: „Unsere Hauptsorge muss wirklich Klimaschutz sein – und dass wir unseren Lebensstandard erhalten.“ Er zählt sich zu jenen, die das Machbare sehen. Auf einer sozialen Basis: „Ich kann natürlich fordern, dass wir jetzt alle nur noch Bio-Fleisch essen. Ich kann mir das leisten, aber viele können das nicht. Und es kann doch nicht sein, dass wir über den Geldbeutel entscheiden, wie die Menschen leben.“ Er setzt darauf: „In der Umwelt-Forschung und -Produktion sind wir vorne. Da sind die Arbeitsplätze unserer Zukunft.“ Klimaschutz und Wirtschaft – ist für ihn mit einem ‚und’ in aller Konsequenz verbunden.

12 Fragen an Winfried Asprion

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

„Zieht euch warm an, es wird heiß“ von Sven Plöger und „Kommissar Dupins neunter Fall“ von Jean-Luc Bannalec.

Welche Musik, Podcasts oder Hörbücher hören Sie, wenn Sie unterwegs sind?

Am liebsten gar nichts. Das sind für mich Mußezeiten und vor allem in den letzten Tagen habe ich die grandiose Winterlandschaft genossen.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Grundsätzlich habe ich keine Vorbilder, weil niemand – auch ich nicht – vollkommen ist. Es sind Teile oder Handlungen einer Persönlichkeit, die für mich vorbildlich sind: so zum Beispiel Willy Brandt mit seiner Entspannungspolitik, Winfried Kretschmann für seine unaufgeregte Regierungsführung und Richard von Weizsäcker für seine Arbeit als Bundespräsident.

Welches Getränk macht Ihnen gute Laune?

Ein Cola-Weizen, wenn die Außentemperatur dazu passt.

Wie entspannen Sie sich am liebsten?

Beim Waldspaziergang mit unserem Hund oder beim Lesen.

Wo auf der Welt -

außerhalb des Landkreises Freudenstadt - gefällt es Ihnen

besonders gut?

Am Chiemsee und bei Freunden in der Horber Partnerstadt Salins-les-Bains.

Was ist Ihr wichtigster persönlicher Wunsch für sich selbst?

Gesund und fit zu bleiben

Was wünschen Sie dem Landkreis?

Nur das Beste! Vor allem mehr Durchsetzungskraft in den Bereichen Klimaschutz, Gesundheit, Soziales, Wirtschaft auf Landesebene – nicht wie in den vergangenen Jahren.

Welche Fähigkeit hat Ihnen im zurückliegenden Jahr besonders geholfen?

Die Gelassenheit, manches einfach so hinzunehmen, wie es kam.

Was möchten Sie noch unbedingt dazu lernen - außerhalb der Politik?

Kalligraphie.

Woran erkennen Sie, dass sich eine Diskussion nicht weiter lohnt?

Wenn Argumente eigentlich gar nicht wirklich gehört werden wollen oder aber wenn es ins Persönliche abdriftet.

Würden Sie lieber in die Vergangenheit reisen oder in die Zukunft - und warum?

Da halte ich es mit Mark Twain: „Natürlich kümmere ich mich um die Zukunft. Ich habe vor, den Rest meines Lebens darin zu verbringen.“

Winfried Asprion ist 58 Jahr alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Von sich selbst sagt er: „Ich bin vom Kopf her Horber und mit dem Bauch Dießener.“

Der Bankbetriebswirt war mehr als 30 Jahre bei der Kreissparkasse Freudenstadt tätig, zuletzt als Abteilungsdirektor Private Banking.

Winfried Asprion engagiert sich bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Er ist Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Dießen, im geschäftsführenden Vorstand des Kreisvereins Donum Vitae, Kreiskassierer beim VdK Freudenstadt und Geschäftsführer von zwei Photovoltaikgesellschaften.

Als persönliche Schwerpunkte nennt Winfried Asprion ökologischeWirtschaft und Landwirtschaft, Soziales und Bildung.

Vorstellungen der Landtagskandidaten des Wahlkreises Freudenstadt in der NECKAR-CHRONIK: Viviana Weschenmoser (SPD)Winfried Asprion (Grüne)Dr. Timm Kern (FDP)Katrin Schindele (CDU)Dr. Uwe Hellstern (AfD)Niko Kulisch (Die Linke)

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Erstellt:
3. Februar 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Februar 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Februar 2021, 01:00 Uhr

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