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Beschneidung

In bester Absicht

Zum Leserbrief-Streit um die Beschneidung: Reinhardt Seibert antwortet seinem Kritiker Horst Lekszas (22. und 31. August).

03.09.2012

Mich wundert die Vehemenz, sehr geehrter Herr Lekszas, mit der Sie sich zum Fürsprecher von jüdischen und muslimischen Kindern machen. Wenn die religiöse Beschneidung von Jungen tatsächlich eine so schlimme Verstümmelung darstellt, hätten sich dann nicht schon längst jüdische und muslimische Männer dagegen zur Wehr gesetzt? Es ist ja zu allererst deren Recht, das da beschnitten wird. Von einem solchen Aufschrei ist mir aber nichts bekannt.

Es stimmt, dass die Vorhautbeschneidung eine Körperverletzung ist. Aber treffen Eltern jedweder religiösen oder nichtreligiösen Einstellung für ihre unmündigen Kinder nicht immer wieder Entscheidungen, die tief in ihre Entwicklung eingreifen. Ob es zum Beispiel um die operative Entfernung der Rachenmandel geht, die Entscheidung für oder gegen einen Kita-Platz, die Wahl der Schule, die richtige Ernährung und so weiter. Gehört die religiöse Beschneidung nicht auch zu diesen Eingriffen, die Eltern in bester Absicht für ihr Kind treffen?

Sie verneinen natürlich die Beschneidung im Kindesalter. Das ist Ihr gutes Recht, und Sie mussten sich ihr ja auch nicht unterziehen. Trotzdem hielte ich es für hilfreich, wenn Sie versuchten, die Hintergründe dieses religiösen Ritus besser zu verstehen. Sprechen Sie doch mit den Betroffenen selbst darüber. Es sind durchaus auch gebildete Menschen wie Sie. Vielleicht entdecken Sie dabei auch Ihre kulturellen Wurzeln wieder neu.

Mehr als in der „archaischen Sitte“ der religiösen Beschneidung sehe ich in dem heute weit verbreiteten religiösen Analphabetismus ein Problem: dass Menschen so aus Unkenntnis zu Vorurteilen gelangen, die zu neuen Ausgrenzungen und Verfolgungen führen.

Reinhardt Seibert, Tübingen

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03.09.2012, 12:00 Uhr

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