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Viele neue Ober-Kollegen

In den Gewerkschaften drängen Pragmatiker an die Spitze

Der Generationswechsel an der Spitze der Gewerkschaften ist in vollem Gang: Fünf der acht Einzelgewerkschaften bekommen in diesem Jahr neue Chefs. Der DGB schließt den Wechsel-Reigen im Mai 2014 ab.

11.11.2013
  • DIETER KELLER

Berlin Mit seinen 60 Jahren fühlt sich Franz-Josef Möllenberg noch fit. Trotzdem tritt der gelernte Bankkaufmann morgen nicht erneut zur Wiederwahl als Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an. Nach stolzen 21 Jahren in diesem Amt ist Schluss. Längst hängt dem Dienstältesten unter den Gewerkschaftschef der Ruf eines Dinosauriers an. Als seine Nachfolgerin soll der NGG-Gewerkschaftstag in Berlin Michaela Rosenberger (53) wählen, die seit zehn Jahren seine Stellvertreterin ist.

Damit gewinnt der Generationswechsel an der Spitze der Gewerkschaften an Fahrt. Im Mai wurde Oliver Malchow (50) Chef der Gewerkschaft der Polizei, der kleinsten unter den acht Einzelgewerkschaften, die den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bilden. Im Juni folgte der Wechsel bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die jetzt Marlis Tepe (59) führt.

Im September zog sich Klaus Wiesehügel vom Chefsessel der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) mit dem Ziel zurück, Bundesarbeitsminister zu werden. Das wird dem 60-Jährigen wohl nicht gelingen, weil ihm nur der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dieses Amt versprochen hatte. Seine Nachfolge bei der IG BAU übernahm der Augsburger Robert Feiger (51).

In zwei Wochen findet der Reigen seinen Höhepunkt: Bei der größten Einzelgewerkschaft, der IG Metall, zieht sich der gebürtige Ulmer Berthold Huber zurück. Dazu wurde eigens ein außerordentlicher Gewerkschaftstag in Frankfurt einberufen, weil der 63-Jährige eigentlich noch für zwei Jahre gewählt ist. Er genießt hohen Respekt, auch im Arbeitgeberlager: "Ohne ihn wäre die Krise 2008/09 anders ausgegangen", lobt etwa der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, der Heidelberger Rainer Dulger, seinen Pragmatismus.

Die IG Metall hält eisern am Prinzip fest, dass sein Stellvertreter Detlef Wetzel nachrückt. Der frühere Leiter des mächtigen Bezirks Nordrhein-Westfalen ist seit 2007 Vize-Chef. Da er schon 60 ist, hat sein designierter Nachfolger als stellvertretender Vorsitzender beste Aussichten, in absehbarer Zeit den Chefposten zu übernehmen: der 57-jährige Schwabe Jörg Hofmann, seit zehn Jahren Leiter des wichtigen IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg.

Hofmann soll künftig die wichtige Tarifabteilung führen, eine Aufgabe, für die er in Stuttgart viel Erfahrung gesammelt hat. Ebenso wie Wetzel gilt er als Pragmatiker - ein Ruf, der den anderen neuen Gewerkschaftschefs ebenso vorauseilt. Auch das SPD-Parteibuch ist nicht mehr selbstverständlich; Feiger beispielsweise hat gar keines.

Frank Bsirske fällt wohl künftig noch mehr aus dem Rahmen. Nicht nur, weil der Verdi-Chef Grünen-Mitglied ist, sondern auch, weil er gern auf die Ideologie-Trommel haut. Seit Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft 2001 ist der 61-Jährige ihr Vorsitzender, und das will er auch noch bleiben: Er hat schon angekündigt, dass er beim nächsten Gewerkschaftstag 2015 erneut für vier Jahre antreten will, auch wenn er dann weit über 65 Jahre hinaus Chef wäre.

Bsirske ist künftig der Dienstälteste und muss daher die Vorsitzenden koordinieren. Bei der Suche eines neuen DGB-Chefs hatte noch Möllenberg die Führung. Denn Michael Sommer (61) tritt im kommenden Mai nach zwölf Jahren nicht erneut an. Sein Nachfolger soll Reiner Hoffmann (58) werden. Der derzeitige Landesbezirksleiter Nordrhein der IG Bergbau Chemie Energie dürfte sich verstärkt um Europa kümmern. Da er lange für die Gewerkschaften in Brüssel war, bringt er dafür wertvolle Erfahrungen mit.

Umso wichtiger wird seine Stellvertreterin: Elke Hannack (52) kam von Verdi in den DGB-Vorstand. Sie könnte dafür sorgen, dass die Frauen stärker zu Wort kommen. Die erste weibliche DGB-Vorsitzende ist noch lange nicht in Sicht.

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11.11.2013, 12:00 Uhr

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