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In den Süden

Sex ist politisch. Aber anders als die Achtundsechziger sich das gedacht haben.

Sex ist politisch. Aber anders als die Achtundsechziger sich das gedacht haben.

VERS LA SUD
Frankreich

Regie: Laurent Cantet
Mit: Charlotte Rampling, Karen Young, Louise Portal, Ménothy Cesar

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
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Willkommen im Paradies! Es erwarten Sie tropische Sonne, ein malerischer Strand unter Palmen und jede Menge frisches Fleisch, männliches Fleisch. „Hier hatte ich meinen ersten Orgasmus – mit 45“, schwärmt Urlauberin Brenda. Denn jenes Hotelresort in Haiti, wohin der in den späten siebziger Jahren angesiedelte Film führt, ist das Traumziel von Sextouristinnen aus Nordamerika. Nicht mehr ganz taufrische Frauen, die in ihrer Heimat längst aufs sexuelle Abstellgleis geschoben wurden, lassen sich gegen Geld oder Geschenke von einheimischen jungen Buschen, die diesen Körpereinsatz offenbar ganz gern erbringen, verwöhnen. Lässt sich dagegen etwas sagen?

Moralische Empörung ist Regisseur Laurent Cantet jedenfalls fremd. Ohne persönliche Schuldzuweisungen entwirft der Film ein komplexes Geflecht wechselseitiger Abhängigkeiten, in dem es für keinen Beteiligten großen Entscheidungsspielraum gibt. Unaufdringlich deutet Cantet die Lebensdramen hinter dem sexuellen Begehren an, das eigentlich ein Ringen um Liebe und Anerkennung ist. Andererseits besteht kein Zweifel, dass jeder Berührung, jeder noch so aufrichtig gemeinten Zärtlichkeit das Stigma spätkolonialer Ausbeutung anhaftet.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die hochnäsige Ellen (Charlotte Rampling) und die zerbrechliche Brenda (Karen Young), die sich heftig in den gut aussehenden, um keinen Liebesdienst verlegenen Jüngling Legba (Ménothy Cesar) verlieben. Die von Eifersucht befeuerte Leidenschaft macht die beiden einen kurzen Moment lang empfänglich für die Welt jenseits des Strand-Paradieses – und die ist im Haiti der siebziger Jahre, unter der Terror-Diktatur des Duvalier-Clans, die Hölle schlechthin. An den Verhältnissen ändert der flüchtige Blick in den Abgrund jedoch nichts. Zur Not gibt es ja noch andere, außenrum appetitlichere Sextourismus-Ziele.

Spielplan

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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21.10.2006

12:00 Uhr

Wolfman schrieb:

Kompletter filmischer Schwachsinn der im rührigen Pseudo-Individualisten- und Intellektuellen-Mekka Tübingen bestens aufgehoben ist und dort mit Sicherheit sein Publikum finden wird.



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