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Humboldt-Ranking: Selbst Ulm ist internationaler

In der Forschungswelt ist Tübingen wenig bekannt

Als auserwähltes Mitglied der Exzellenz-Initiative gehört die Uni Tübingen zu den zwölf besten in Deutschland. Dieser Status erfordert unter anderem besondere Bemühungen um die Internationalisierung. In einem aktuellen Ranking von ausländischen Humboldt-Stipendiaten schaffte Tübingen es aber nur auf Platz 32.

12.08.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Noch am Montagabend rühmte Vizerektor Prof. Heinz-Dieter Assmann beim Begrüßungsempfang für die Teilnehmer einer Summer School für Linguisten die dynamische Internationalisierung der Uni Tübingen: Von 28.000 Studierenden im Sommersemester 2014 waren 13 Prozent aus dem Ausland; sie kamen aus 130 Ländern. Von den Tübinger Doktoranden sind sogar 50 Prozent Ausländer.

Demgegenüber ist das neue Humboldt-Ranking, das die Wertschätzung der Universität bei internationalen Forschern widerspiegelt (siehe Kasten), etwas ernüchternd: Während die baden-württembergischen Landesuniversitäten Heidelberg (7) und Freiburg (10) unter den Top Ten rangieren, fällt Tübingen mit Platz 32 noch hinter Konstanz (19), Stuttgart (25) und Ulm (28) zurück. Heidelberg und Konstanz sind ebenfalls Exzellenz-Unis, Stuttgart und Ulm nicht, Freiburg nicht mehr. Angeführt wird die Tabelle von den Universitäten in Berlin und München. Allerdings rangieren selbst weniger bedeutende Hochschulen wie die Unis Bayreuth, Darmstadt oder Potsdam weit vor Tübingen.

Im Befragungszeitraum 2009 bis 2013 waren an der Uni Tübingen 91 ausländische Humboldt-Forscher oder -Preisträger tätig. Vergleicht man nur die absoluten Zahlen, käme Tübingen auf Platz 18. Immer noch weit hinter Heidelberg (182 Forscher, Platz 4) und Freiburg (143, Platz 8). Um das Ranking zu objektivieren, wurden diese Zahlen gewichtet (siehe unten).

Selbst bei den Geistes- und Sozialwissenschaften, wo Tübingen die Nummer 16 ist, liegen Freiburg und Heidelberg vorn. In den Naturwissenschaften rutscht die Uni auf Platz 41 ab, in den Lebenswissenschaften liegt Tübingen (Platz 28) knapp vor Heidelberg (30), aber weit hinter Freiburg (16).

Die Ankurbelung schlägt sich noch nicht nieder

„Die Zahlen stellen uns nicht zufrieden“, räumt Uni-Sprecher Karl Guido Rijkhoek ein. Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass Rankings stets „den Blick zurück“ werfen und die aktuelle Humboldt-Liste also noch nicht die Anstrengungen wiedergibt, welche die Uni Tübingen seit zwei Jahren unternommen hat, um ihre bescheidene internationale Wahrnehmung als Forschungs-Uni zu verbessern. Internationale Rankings haben zudem den Effekt, dass immer noch mehr ausländische Wissenschaftler an die vorne platzierten Unis streben: „Jemand, der noch nicht hier gewesen ist, wird Tübingen auch nicht weiterempfehlen“, sagt Rijkhoek.

Deshalb setzt die Uni Exzellenzmittel ein, um die Internationalisierung zu fördern: Mit „hervorragenden Gastprofessuren“ (distinguished guest professorship), mit Förderprogrammen für Gastprofessoren, und mit Tübinger Lehr-Aufenthalten („Teach-at-Tuebingen“) für ausländische Assistenzprofessoren, die zum Teil mit Humboldt-Programmen kombinierbar sind.

Dass die Uni Heidelberg in aller Welt ein Begriff ist, kann Tübingen kaum aufholen. Was aber hat Freiburg der Uni-Stadt am Neckar voraus, abgesehen vom badischen Savoir-vivre? Der Wohnungsmarkt kann es kaum sein, denn der ist dort so angespannt und teuer wie hier. Freiburg hat jedoch mehr Möglichkeiten, sich durch Kongresse bei internationalen Gästen aus der Wissenschaft bekannt zu machen. Die Uni dort hat zusammen mit dem Klinikum Exzellenzmittel in eine professionelle Event- und Kongressagentur investiert. Tübingen bekommt schon bei Tagungen mit 500 Teilnehmern Kapazitätsprobleme.

Humboldt-Ranking 2014

Das Humboldt-Ranking beruht auf der Zahl von ausländischen Humboldt-Stipendiaten an einer Universität. Die Humboldt-Stiftung vergibt verschiedenartige Stipendien an ausgezeichnete ausländische Postdocs und Wissenschaftler für Forschungsaufenthalte von einem oder mehreren Jahren an einer deutschen Universität oder Forschungseinrichtung. Die Humboldt-Stipendien sind auch deshalb sehr begehrt, weil sie Zugang zum internationalen Humboldt-Netzwerk ehemaliger Stipendiaten eröffnen, das 26.000 Wissenschaftler in 140 Ländern umfasst. Für das Ranking wurde die absolute Zahl der Stipendiaten und Humboldt-Preisträger aus den Jahren 2009 bis 2013 an einer Uni zugrunde gelegt. Sie wurde allerdings gewichtet, nämlich in Beziehung gesetzt zur Zahl der Lehrstuhlinhaber (C4- beziehungsweise W3-Professoren) an der jeweiligen Uni.

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12.08.2014, 12:00 Uhr

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