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Gesellig bei der Arbeit

In der Holzbildhauerwerkstatt von Josef und Reinhold Baur entstanden gerade die Masken für die Imnauer Laibedal-Hexa

Hochbetrieb herrscht seit einigen Wochen in der Schnitzerbude bei Holzbildhauer Josef Baur in Bierlingen, der zusammen mit seinem Bruder Reinhold in diesem Jahr das 80-jährige Betriebsjubiläum feiern kann.

09.01.2015
  • Gunar Haid

Bierlingen. In der Werkstatt von Josef Baur werden seit Herbst die 23 neuen Masken der Bad Imnauer Laibedal-Hexa geschnitzt und von seinem Bruder Reinhold bemalt. „Die Saison läuft schon eine geraume Zeit“, sagt Josef Baur. Bei den Masken, wie bei den Krippenfiguren helfen inzwischen Fräsen, den Preis niedrig zu halten. Nur die Entwürfe müssen komplett von Hand geschnitzt werden; mit der Fräse abgetastet ergeben sie dann die Rohlinge.

In der Holzbildhauerwerkstatt von Josef und Reinhold Baur entstanden gerade die Masken für die
Noch immer ist für die Maskenherstellung viel Handarbeit nötig. Besonders viel Aufmerksamkeit widmet der Bierlinger Holzbildhauer Josef Baur den Augenpartien.

In seiner Freizeit spielt Josef Baur als Ehrenmitglied Tenorhorn im örtlichen Musikverein und leitet organisatorisch die Bierlinger Hauskapell. Die Baur-Brüder sind in der Region für ihre handwerkliche Schnitz- und Malkunst bekannt und erste Anlaufstelle für die Maskenherstellung aber auch für die Reparatur kaputter Larven. In diesem Jahr besteht der Handwerksbetrieb, welcher vom Vater Anton gegründet wurde, seit 80 Jahren.

Und wie schnitzt man eine Fasnetsmaske? Zunächst kaufe er beim Forstamt Lindenholz, erklärt Josef Baur. Dann werde das weiche Holz in einem Sägewerk zugeschnitten. Und dann passiert erst mal nichts, weil die Bretter etwa drei Jahre lang trocknen. Dann erst macht Baur sich an den Rohling. Auf einem Blatt Papier entsteht der Entwurf des Maskenmodells – ganz nach den Vorstellungen der Vereine. Mit dem sogenannten Geißfuß – einem V-förmigen Schnitzwerkzeug – arbeitet der 65-jährige Josef Baur am Holz, zeichnet Furchen, gibt dem Gesicht eine Kontur.

Mit am wichtigsten seien die Augen, sagt Baur. Deshalb achte er stets darauf, dass diese besonders gut zum Vorschein kommen. Doch die künstlerische Arbeit geht nicht immer gleich von der Hand: „Manchmal gelingt mir an einem Tag gar nicht viel“, erzählt Baur. Dann lege er das Schnitzeisen einfach aus der Hand und fange erst am nächsten Tag wieder an zu schnitzen.

In der Holzbildhauerwerkstatt von Josef und Reinhold Baur entstanden gerade die Masken für die
Reinhold Baur bemalt die Masken. Gerade lieferten die Gebrüder Baur die Masken der neuen Bad Imnauer Laibedal-Hexen in 23-facher Ausfertigung aus.

Das Traditionshandwerk hat Josef Baur von der Pike auf gelernt – und zwar von seinem verstorbenen Vater, der es wiederum einst von seinem Vater beigebracht bekam. Auch sein 62-jähriger Bruder Reinhold Baur arbeitet in der Werkstatt mit: Der zweite „Holzwurm“ hat sich ganz dem Ausmalen der Masken verschrieben. Neben der Maskenherstellung stehen auch – meist nach den Weihnachtstagen – allerlei Reparaturen und Ausbesserungen an. Es werde ihm nie langweilig, betont der Holzbildhauer, während er sich bereits wieder mit einem Kunden unterhält.

In der „Schnitzerbude“ – so nennt Baur seine Werkstatt – geht es manchmal zu wie in einem Taubenschlag. Seit es im Dorf keine Wirtschaft mehr gebe, kommen tagsüber Rentner, trinken manchmal ein Bier oder ein Viertele, unterhalten sich über Gott und die Welt – und Josef Baur schnitzt dabei an seinen Masken weiter.

Was so eine Maske kostet? „Es kommt immer darauf an, wie viel Arbeit man da hinein stecken muss, bis sie tragfertig ist“, antwortet Baur zurückhaltend, „aber mit rund 200 bis 300 Euro muss man bei entsprechender Stückzahl schon rechnen“, meint er. Und wie lange muss er an einer Maske schnitzen? Sieben Stunden, dann sei zum Beispiel die „Laibedal-Hexe“ fertig, sagt der Holzbildhauer. Mehr Aufwand sei es übrigens, wenn die Vereine zu ihm kommen und gleich eine Idee mitbringen, wie eine Maske aussehen könnte: „Dann setze ich mich zunächst einmal mit dem Maskenmodell auseinander, überlege Schritt für Schritt wie ich vorgehen kann.“

Neben den Masken schnitzt Baur in seiner Werkstatt auch Kuckucksuhren. Weihnachtskrippen gibt es im geräumigen Ausstellungsraum ebenfalls zu sehen. Jede Arbeit sei ein Original, ganz individuell nach den Wünschen des Kunden, fügt Josef Baur noch an. Und deshalb werde in der Schnitzerbude auch weiterhin mit dem Geißfuß geschafft, dabei gefachsimpelt und gesellig beisammen gehockt. Und Fasnet gefeiert wird bei Baurs-Hausball auch. Der ist immer am Mittwoch vor dem Schmotzigen Dauschtig im Bierlinger Musikerheim.

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09.01.2015, 12:00 Uhr

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