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Auf, auf nach Bethlehem!

In der Martinskirche erzählen Egli-Figuren vom (vor-)weihnachtlichen Geschehen

Heute, am Heiligen Abend, ist es soweit: Da kann auch die Krippen-Szene mit den hübschen Egli-Figuren den anderen, bereits vorhandenen Szenen zugefügt werden. In die Mitte des Altarraums der Martinskirche kommt sie zu stehen. Damit hat der „Weg nach Bethlehem“ sein Ziel erreicht.

24.12.2014
  • Doris Wegerhoff

Freudenstadt. Seit dem 1. Advent bereits stehen die in der Kirchengemeinde handgefertigten Egli-Figuren in der Martinskirche. Sie erzählen anschaulich das Geschehen vor der Geburt Jesu, so, wie es in der Bibel dargelegt ist. Die Heiligen Drei Könige in ihren prächtigen Gewändern werden von König Herodes, flankiert von Bodyguards, empfangen. Die Engel der Ankündigung und der Verkündung sind zu sehen, auch Engelschöre in transparenten, himmelblauen Gewändern, Josef in seiner Zimmermannswerkstatt, Maria und Elisabeth, Zacharias in der Synagoge, Hirten, Schafe, Esel.

Um alle Details genau zu erfassen, ist langes Verharren vor den einzelnen Szenen erforderlich. Damit ist erreicht, was bezweckt wurde: das Innehalten im Advent, das Zur-Ruhe-Kommen in der Stille der Kirche, das Sinnen über die Ursprünge des Weihnachtsfests.

Mit ungemeiner Geduld, viel Fantasie und handwerklichem Geschick haben Mesnerin Olga Zahn und ihre Helfer aus der eigenen Familie sowie Frauen aus der Kirchengemeinde diesen „Weg zur Krippe nach Bethlehem“ nachgestellt.

Für die weniger Bibelfesten sind den einzelnen Bildern dankenswerterweise die entsprechenden Texte beigefügt. So heißt es in der Szene mit den Weisen, aus denen im Verlauf der Zeit Heilige Drei Könige wurden: „Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundigte sich genau bei ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sagte: Geht dort hin und erkundigt euch genau nach dem Kind; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich hingehen und es anbeten kann.“

Seit mehr als 20 Jahren bereits wird das vorweihnachtliche biblische Geschehen mit Egli-Figuren in der Martinskirche dargestellt. Nun ist es keineswegs so, dass es jedes Jahr gleich ist. „Es ist immer ein anderer Aufbau, es werden immer andere Geschehnisse dargestellt“, erläutert Olga Zahn. Denn das ganze Jahr über beschäftigt sie gedanklich der Aufbau des Krippenwegs. Von einer Türkeireise brachte sie ein Lederkamel mit, aus Bulgarien Hund und Esel. Sie durchstöbert Flohmärkte nach passenden Accessoires und ließ sich auf ihrer diesjährigen Reise nach Israel inspirieren für die Darstellung der Tempelszene.

Dann gibt es natürlich immer etwas zu reparieren, neue Ideen fließen dabei ein, und auch die Egli-Figuren selbst benötigen mal neue Kleider.

Apropos Egli-Figuren. Es sind „kunsthandwerkliche Hilfsmittel zur Darstellung und zum Erzählen biblischer Geschichten“ und werden eingesetzt, „um die Geschichten der Bibel anschaulich und begreifbar zu machen“, ist im elektronischen Lexikon nachzulesen. Die Figuren, die in der Martinskirche zu sehen sind, wurden allesamt von Freudenstädter Frauen handgefertigt. Gekauft wird nur das erforderliche Material, sprich: Sisal, Draht, Bleifüße, Stoffe, Styroporblöcke. Und dann kann’s losgehen. Aber nicht willkürlich. In dreitägigen Kursen wird das Fertigen von Egli-Figuren nach ausgeklügelten Vorgaben gelehrt.

„Die Stoffe sind ganz wichtig, die Farbe der Stoffe, die Form der Gesichter, die Haare“, weiß Christa John. Sie war dabei, als sich zum ersten Mal vor gut 20 Jahren eine Gruppe von Frauen um die Lehrerin Ruth Koller scharte. Entstanden sind so über die Jahre hinweg unendlich viele Figuren, die je nach Anlass austauschbar sind. Denn das Gesicht der Figuren ist nicht ausgestaltet, sondern nur konturiert. Die Körpersprache übernimmt die Funktion. Dank ihrer Biegsamkeit (sisalumwickelter Draht) und Standfestigkeit (Bleifüße) können sie niederknien, lässig daliegen, segnend die Arme heben oder andächtig den Kopf senken.

Kreiert hat die Biblischen Erzählfiguren eine Ordensfrau im Kloster Ilanz, Schweiz, Mitte der 1960er Jahre. Dass sie als Egli-Figuren dann einen Siegeszug durch die Kirchengemeinden angetreten haben, ist der Cleverness von Doris Egli zuzuschreiben. Sie hat die Figuren weiterentwickelt und erfolgreich vermarktet – zur Freude vieler Menschen. Denn das Anfertigen der Figuren und deren Einsatz zieht immer größere Kreise bis hin nach Südamerika.

„Einmal begonnen, lässt es einen nicht mehr los“, sagt Christa John. Und Olga Zahn fügt an: „Für mich sind die Figuren fast lebendig.“

In der Martinskirche erzählen Egli-Figuren vom (vor-)weihnachtlichen Geschehen
Mit viel Geduld, Fantasie und handwerklichem Geschick haben Mesnerin Olga Zahn und ihre Helfer den „Weg zur Krippe nach Bethlehem“ nachgestellt.Bild: Kuball

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24.12.2014, 12:00 Uhr

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