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Seit 18 Jahren fast pausenlos genutzt

In der Otto-Locher-Halle zeigen sich Folgen intensiver Nutzung und stellenweise mangelnder Pflege

In einem „saumäßigen Pflegezustand“ sei die Otto-Locher-Sporthalle, so markig beklagte sich eine Frau jüngst bei der Rottenburger Bürgerversammlung.

03.07.2015
  • gef

Rottenburg. Ihre Frage: „Wird die Halle überarbeitet?“ Baubürgermeister Thomas Weigel sagte, „ein großes Problem“ gebe es, und das sei das unter der Hallendecke eingespannte Netz. Darin sammle sich Staub, und jedes Mal, wenn ein Ball dagegen fliege, löse sich eine Wolke und sinke nach unten. Eine Viertelstunde lang hätten Sportler dann den Eindruck, die Luft sei sehr trocken.

In der Otto-Locher-Halle zeigen sich Folgen intensiver Nutzung und stellenweise mangelnder Pflege

In den 18 Jahren, seitdem die Halle in Betrieb ist, hat sich wohl einiges angesammelt in luftiger Höhe. Das Netz hat seinen ästhetischen Reiz, aber für welchen Zweck es gespannt wurde, weiß Weigel nicht. Die Leuchten schützt es nicht, die gucken unterhalb heraus.

Eher die Oberlichter, meint Walter Fritz, Geschäftsführer beim Architekturbüro Ackermann + Raff in Tübingen, das die Halle plante. Das Netz sollte Ballfang und Blendschutz sein, aber auch die hohe Deckenkonstruktion „mit einfachen Mitteln kaschieren“ und zu einer „lockeren Atmosphäre“ beitragen. Zwar ist die Halle kein Billigbau, aber die Sparauflagen waren damals spürbar.

Ob die Stadt das Netz nun ganz entfernt, ob sie es wäscht oder durch etwas anderes ersetzt, müsse noch entschieden werden, sagte der Baubürgermeister.

In der Otto-Locher-Halle zeigen sich Folgen intensiver Nutzung und stellenweise mangelnder Pflege

Vermutlich hat die Fragestellerin noch mehr im Kopf gehabt bei ihrer Kritik. Denn fast zwei Jahrzehnte intensiven Gebrauchs durch Schulen und Vereine jeden Werktag bis 22.30 Uhr hinterlassen Spuren. Von den Wänden platzt an beanspruchten Stellen der Putz. Die vielfach verwendeten Multiplex-Platten brechen an den Kanten aus und beginnen vom Boden her aufzuquellen – eine Folge vom häufigen Kontakt mit dem Putzwasser. Fassaden in Sichtbeton und Stahlzargen wären robuster, sagt Fritz, schüfen aber nicht die freundliche Atmosphäre wie helles Holz und lichte Farben.

In der Otto-Locher-Halle zeigen sich Folgen intensiver Nutzung und stellenweise mangelnder Pflege

Beim Reinigen offenbar ausgespart werden die verzinkten Gitterrost-Elemente, die Architekten seit Jahren gern für Stufen, Bodenflächen im Freien oder als Sonnenblenden verwenden. So robust sie sein mögen, so schwierig sind sie sauberzuhalten.

Einfacher ist es, Glasflächen zu reinigen, sofern sie zugänglich sind. Ein echtes Problem sind Gläser, wo sie an der Otto-Locher-Halle als Fassadenelemente verbaut sind: Sie sind mit einem Spalt Abstand zur Hinterlüftung vor eine helle Wand geschraubt, aber rückseitig dem Putzpersonal nicht zugänglich. Um dort zu polieren, müssen die Fassadenelemente von Handwerkern demontiert werden.

In der Otto-Locher-Halle zeigen sich Folgen intensiver Nutzung und stellenweise mangelnder Pflege

In ordentlichem Zustand sind Duschen und Toiletten, zumindest die, die wir uns angesehen haben. Weigel hat dazu eine überraschende Erkenntnis: „Heute wird nicht mehr so viel geduscht wie früher.“ Zum ersten Mal habe er das gehört bei einer Besichtigung im badischen Bühl. Dort ließ die Stadt deswegen noch während der Bauphase die Zahl der Duschköpfe reduzieren. Das habe Rottenburg dann bei der neuen Volksbank-Arena getan. Walter Fritz bestätigt diese Erkenntnis. Woher die Dusch-Enthaltung kommt, ist unklar. Weigel: „Die Leute gehen lieber heim, dort haben sie alles.“ Oder genieren sich die Jüngeren, ihren mehr oder weniger intimen Körperschmuck von Tattoos bis Piercing zu zeigen? Schüler, sagt Weigel, duschen so gut wie gar nicht mehr, „die Fußballer sind noch relativ tapfere Duscher“. Jedenfalls würden, so hätten es ihm Hausmeister berichtet, an vielen Tagen die Duschen erstmals abends beim Vereinssport aufgedreht. Das lang in den Leitungen stehende Wasser wiederum erhöht die Gefahr, dass sich gefährliche Legionellen bilden.

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03.07.2015, 12:00 Uhr

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