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Maschinenbauer Trumpf sieht sich als Vorreiter für Industrie 4.0

In fünf Jahren ganz digitalisiert

Einmal im Jahr lädt der Werkzeugmaschinen- und Laserspezialist Trumpf seine Kunden zur Hausmesse ein. Das alles überragende Thema ist Industrie 4.0 und deren praktische Umsetzung in der Produktion.

20.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Ditzingen. Am Frühstücksei scheiden sich die Geister. Die einen schneiden die Schale mit dem Messer auf, die anderen klopfen mit dem Löffelchen auf die Eierschale und entfernen die Hülle aus Kalk mit den Fingern. Der Laserspezialist Trumpf aus Ditzingen zeigt auf seiner Hausmesse eine ganz andere Methode. Mit einem Laser wird die äußere Schale des Eis aufgeschnitten, ohne dass die innere Hülle angegriffen wird. Besonders für die Pharmaindustrie ist diese Anwendung interessant, weil das Ei einen perfekt geschlossenen Raum bildet. So können im Innern des Eis zum Beispiel Impfstoffe gezüchtet werden.

Diese und andere "kuriose Laseranwendungen" können Trumpf-Kunden seit heute auf der Hausmesse besichtigen. Ein Höhepunkt der Ausstellung dürfte für viele Kunden die "Produktionseinheit Blech" sein. Hier zeigen die Ditzinger, wie Industrie 4.0 ihrer Meinung nach funktioniert. Die Mitarbeiter sind mit so genannten Handhelds, einer Art Smartphones, ausgestattet. Mit Hilfe der Handhelds können sie mit den Maschinen kommunizieren. Die Produktion läuft papierlos. Aufträge erscheinen auf dem Handheld. Der Vorführbereich ist vergleichbar mit Kundenunternehmen von Trumpf, erklärt Mathias Kammüller, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen. Für den Aufbau der "Produktionseinheit Blech" sind TruConnect, das hauseigene Synonym für Industrie 4.0, und Axoom, die Plattform für vernetzte Produktion von Trumpf, eingesetzt worden.

Der Maschinenbauer selbst will seine komplette Produktion innerhalb der nächsten fünf Jahre digitalisieren, sagt Kammüller. Davon erwarte man eine Produktivitätssteigerung von 30 Prozent und zugleich eine wesentlich geringere Fehlerquote.

Die Plattformlösung Axoom, eine Tochtergesellschaft in Karlsruhe, sei sehr erfolgreich gestartet, sagt Kammüller. 40 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Etwa 270 Interessenten haben das System bereits begutachtet. "Das ist deutlich mehr, als wir erwartet hatten", führt Kammüller fort. Auf der Hannover Messe kommende Woche werde gezeigt, dass Axoom gegenüber anderen Maschinenherstellern offen ist und herstellerübergreifend Maschinen verbinden kann.

In den vergangenen Jahren hat Trumpf systematisch auf Lean-Management in der Produktivität gesetzt. Das heißt, vieles ist effizienter und schlanker geworden. Trotzdem habe es Neueinstellungen gegeben, sogar in der Produktion.

Die weltweit etwa 11 000 Mitarbeiter müssten also bei all den Neuerungen, die Industrie 4.0 mit sich bringt, nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten, sagt Kammüller.

Arbeitsdirektor Gerhard Rübling kann dem nur zustimmen. Weil sich nicht-wertschöpfende und verwalterische Tätigkeiten durch die Digitalisierung reduzieren, müssen Mitarbeiter weiterqualifiziert werden. Trumpf ist bereits dafür bekannt, neuen Arbeitsformen und Denkmustern gegenüber offen zu sein, und so kündigte Rübling gestern eine neues Bündnis für Arbeit an. Hier gehe es vor allem um die beiden Punkte Mobilität und Agilität der Mitarbeiter.

Unter Ersterem versteht Trumpf, dass Mitarbeiter 20 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil verbringen können, also von zu Hause oder irgendeinem anderen Ort aus arbeiten. Selbst vor der Produktion, die klassischerweise in der Werkshalle beheimatet ist, wollen die Ditzinger nicht Halt machen. Rübling plädiert dafür, Neues auszuprobieren, selbst auf die Gefahr hin, dass es scheitert.

Unter Agilität versteht der Arbeitsdirektor, dass die Arbeitszeit auf ein Jahr betrachtet wird statt nur auf eine Woche. Das bietet mehr Flexibilität für das Unternehmen bei starker Auslastung und die Möglichkeit für Mitarbeiter zu größeren Freizeitblöcken.

Zurück zum Ei: Beim Thema Industrie 4.0 stellt sich für Mathias Kammüller die berühmte Henne-Ei-Frage: Behandelt Trumpf das Thema, weil zuerst Kunden danach gefragt haben, oder interessieren sich die Kunden dafür, weil Trumpf es behandelt? "Vielleicht Letzteres", sagt der Ingenieur.

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20.04.2016, 06:00 Uhr

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