Horb · Fachkräfte

In stetiger Konkurrenz mit der freien Wirtschaft

Bei der Stadt sind viele Stellen unbesetzt. Vor allem im Hoch- und Tiefbau fehlt es an geeigneten Bewerbern. Da hat auch Corona nichts geändert.

06.06.2020

Von Dagmar Stepper

Bautechniker, Forstwirt, Erzieherinnen, Schulsozialarbeiter, fast kein Tag vergeht, ohne dass die Stadt Horb Mitarbeiter sucht. „Im Bereich des Hoch- und Tiefbaus ist der Stellenmarkt komplett leergefegt“, sagt Fachbereichsleiter Joachim Patig gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Zwei bis drei Mal muss eine Stelle inzwischen ausgeschrieben werden, um geeignete Bewerber zu bekommen. Im IT-Bereich und zunehmend auch im Erziehungswesen ist es das gleiche Bild: „Wo wir früher 50 Bewerbungen hatten, sind es jetzt 10“, bestätigt Oberbürgermeister Peter Rosenberger.

Vor allem Bautechniker sind schwierig zu bekommen. Das hat sich auch in Corona-Zeiten nicht geändert. „Es wurden auch keine Projekte oder Baumaßnahmen gestoppt“, sagt Stadtsprecherin Inge Weber auf Anfrage. Die Anzahl der Bauanträge ist bei der Stadt ebenfalls nicht zurückgegangen.

Wenn die Baubranche boomt, hat die öffentliche Verwaltung oft das Nachsehen. „Wir sind tarifgebunden“, sagt Patig, „da können wir mit der freien Wirtschaft nicht mithalten.“ Es würden auch offensiv Mitarbeiter abgeworben. Manchmal habe man aber das Glück, dass jemand wieder bewusst eine Stelle in Horb sucht, weil es einen wieder in die alte Heimat zieht.

Schwimmmeister sind ebenfalls deutschlandweit sehr gefragt. Auch hier ist eine Stelle in
Horb vakant. Zwar hat das Neckarbad noch geschlossen, doch soll es ab nächster Woche wieder langsam öffnen (siehe nebenstehender Artikel).

Im Kindergartenbereich habe man bisher noch Glück gehabt, so Patig. Zwar werden auch hier häufig Stellen neu ausgeschrieben, doch es finden sich noch genügend Bewerberinnen. Ob das in Zukunft so bleibt, dafür will der Fachbereichsleiter nicht die Hand ins Feuer legen. Denn die Kommunen treten gegenseitig in Konkurrenz. So ergeht es auch anderen Bereichen: Horb hat seine Integrationsbeauftragte an eine andere Behörde verloren, doch die Stelle ist seit dem 1. April wieder besetzt.

Die Stadt versucht daher mit anderen Mitteln, Personal zu gewinnen – oder zu halten. Das Gesundheitsmanagement komme bei den Mitarbeitern gut an. Jährlich gibt es einen „Gesundheitstag“, es gibt Angebote im psychologischen Bereich um beispielsweise einem Burnout vorzubeugen. Diese werden auch gut genutzt. „Wir wollen, dass die Leute glücklich sind“, sagt Patig.

Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zum Home-Office – auch Vor-Corona-Zeiten – sind weitere Goodies für die städtischen Mitarbeiter. Die Work-Life-Balance spiele eine immer größere Rolle, hat OB Rosenberger beobachtet. Man solle aber auch nicht glauben, wenn die Bewerberlage so niedrig sei, dass man locker bei der Stadt einen Job
bekommt. „Wir haben einen
gewissen Qualitätsanspruch“, macht Rosenberger deutlich. Und man trenne sich auch in der Probezeit schneller, wenn es nicht passt. „Wir wollen unseren Anspruch nicht zurückschrauben“, bestätigt Patig.

Neben zusätzlichen Angeboten für die Mitarbeiter setzt die Stadt auf die eigene Ausbildung, um sich Personal heranzuziehen. Im klassischen Verwaltungsbereich finden sich noch genügend Bewerber, hier sind es im Schnitt 20 pro ausgeschriebenen Ausbildungsplatz. Im Neckarbad wurde ein neuer Ausbildungsplatz geschaffen, das hat der Gemeinderat in einer der jüngsten Sitzungen abgesegnet. Derzeit sind es sieben Auszubildende bei der Stadt.

Kein Einstellungsstopp

Corona hat viele Auswirkungen auf die städtische Arbeit, auf die Stellenausschreibungen allerdings nicht, es gab keinen Einstellungsstopp. Die Bewerbungen gingen laut der Aussage von Inge Weber auch nicht zurück, die Anzahl der Bewerbungen sind von Stelle zu Stelle sehr unterschiedlich. Bewerbergespräche wurden ab Mitte März via Skype geführt, doch seit das Rathaus wieder offen hat, finden sie auch wieder persönlich statt.

Die Pandemie hat der Kommune auch nicht weniger Arbeit beschert, Änderungen gab es dennoch. In manchen Bereichen wurden die Aufgaben anders verteilt. In geschlossenen Einrichtungen wie dem Neckarbad, der Stadtbücherei und dem Stadtmarketing wurden die jährlichen Grundreinigungen vorgezogen, das Personal teilweise in anderen Bereichen eingesetzt. So betreuten Kolleginnen der Stadtbücherei das Hilfstelefon, im Neckarbad wird Desinfektionsmittel hergestellt.

Für Bereiche der Verwaltung, die nach und nach geöffnet werden, müssen Hygienekonzepte erstellt werden. Und diese sind – siehe Notbetreuung an Kindergärten – sehr personalintensiv. Und da die Coronaverordnungen langsam zurückgenommen werden, wird sich in vielen Bereichen wieder der normale Arbeitsalltag einstellen – mit entsprechendem Personalaufwand. Im Hoch- und Tiefbau ist das jetzt schon zu spüren. „Wir müssen und wollen den Laden noch nicht dicht machen, aber es fehlt an Personal“, sagt Patig. Gerade jetzt, wo mehrere Projekte wie das Kasernengelände oder das Leuco-Areal anstehen. „Das wird eine riesige Herausforderung“, prognostiziert der OB.

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Erstellt:
6. Juni 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2020, 01:00 Uhr

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