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Bizarres Naturschauspiel: Die spinnen, die Motten!

In und um Tübingen sind Gespinstmotten aktiv und verwandeln Büsche und Bäume in bizarre Gebilde

An den silbrig verschleierten Gebilden scheiden sich die Geister: Wo sich die einen mit Grusel abwenden, sind andere entzückt – von der Optik.

17.05.2018
  • Christine Laudenbach

Der Naturschutzbund sieht in den Gespinstmotten gar die „Christos der Insektenwelt“. Ihre (Kunst-)Werke sind derzeit wieder in und um Tübingen sichtbar. Entlang der Bahnlinie in Derendingen etwa, oder am Landgraben Richtung Weilheim. „Sie treten überall im Stadtgebiet auf“, fasst die städtische Pressesprecherin Claudia Salden zusammen. In und an den weißen Geweben wimmelt es: Gelbe Raupen mit schwarzen Punkten knäueln zusammen und seilen sich ab. Das Gewebe dient den Tieren als Schutzumhang.

Dass die Motten Obstbäume und Sträucher befallen, sei nichts Besonderes, sagt Joachim Löckelt, Kreisobstbauberater am Tübinger Landratsamt. Und auch Salden bestätigt: „Das gehört zum Naturbild dazu.“ Gefährlich seien die Insekten nicht. Raupen und Motten seien zwar etwas unangenehm, so Löckelt. Da sie jedoch keine langen Brennhaare wie die Eichenprozessionsspinner haben, sind sie für Menschen vergleichsweise harmlos.

Hinsichtlich der Pflanzen gibt Löckelt nicht komplett Entwarnung, denn die hellen Falter mit den schwarzen Punkten haben es meist mehrere Jahre in Folge auf die selbe Pflanze abgesehen. Kommt der „tierische Schadorganismus“ beim ersten Mal noch relativ unauffällig daher, verstärke sich der Befall im zweiten Jahr und etabliere sich dann.

Dabei legen die Kleinschmetterlinge aus der Familie der Yponomeutiden ihre Eier noch im Spätsommer an den Trieben der Wirtspflanze ab. Die geschlüpften Raupen „verstecken sich dann irgendwo im Garten“, so Löckelt, und überwintern in der Nähe des Apfel- oder Schlehenbaums. Im Frühjahr verlassen die Raupen das Winterquartier und fressen sich am frischen Grün satt. Blätter werden regelrecht skelettiert. Bei Wildsträuchern kommen die Schädlinge offenbar besonders gerne auf Pfaffenhütchen unter.

Für Garten- und Wildbereich gilt aber meist: Nach drei, vier Jahren sind die Tiere ganz plötzlich wieder weg. Weshalb das so ist, kann sich Löckelt nicht erklären. „Das ist wie ein Spuk.“ Das Verschwinden beschleunigen, sprich die Insekten mit Spritzmitteln bekämpfen, macht zumindest zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn, sagt Löckelt. „Die meisten Raupen sind schon draußen.“ Zudem käme das Spritzmittel gar nicht durch das Gewebe durch. Er empfiehlt Handarbeit. Im Garten helfe es, befallene Areale mit dem Gartenschlauch stark abzuspritzen, Raupen können mit der Hand abgelesen werden. Und dann? Töten, sagt Löckelt, allerdings nicht unbedingt alle Tiere. „Bei Buchsbaumzünslern kenne ich keine Gnade mehr“, die Raupen der Gespinstmotten dienen jedoch einigen Vögeln als Nahrung, Schlupfwespen legen ihre Eier darin ab. Handeln muss man, sagt Löckelt, zumindest im Garten. Denn: Der mehrjährige Befall kann bei Obstbäumen „zum Totalverlust der Früchte“ führen.

Langfristig rät Löckelt im Garten zu einem guten Winterschnitt. Zur Sicherheit sollte im Frühjahr kurz vor der Blüte gespritzt werden. Am besten biologisch, sagt er, mit Bacillus thuringiensis etwa.

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17.05.2018, 01:00 Uhr

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