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23.11.2015

Offenbar ist auch Paris bloß ein Dorf. Jedenfalls laufen sich in dem neuen Film von Cédric Klapisch ständig Leute über den Weg, die sich in der Weite der Millionen-Metropole eigentlich verlieren müssten. Aber so ist das halt in Filmen, die nach dem Muster von Robert Altmans „Short Cuts“ gestrickt sind – jenem epochalen Werk, das 22 lose verbundene Menschenleben zu einer großen Erzählung über Einsamkeit und Entfremdung in der modernen Großstadt (dort: Los Angeles) verknüpft.

Ganz so hoch hängt die Latte in Klapischs Paris nicht. Zwar reißt auch der Erfolgsregisseur der „L’auberge espagnole“ etwa ein Dutzend Schicksale an. Echtes Interesse beanspruchen aber nur drei oder vier – vermutlich weil in ihnen die Star-Zugpferde des Films mitmischen. Romain Duris spielt einen ehemaligen Tänzer, der wegen eines Herzfehlers wohl nur noch kurze Zeit zu leben hat; seine Schwester (Juliette Binoche) will sich um ihn kümmern, wird aber schon von der Doppelbelastung als dreifach allein erziehende Mutter und engagierte Sozialarbeiterin aufgerieben.

Davon unberührt glänzt Fabrice Luchini als seriöser Geschichtsprofessor, der sich aus heiterem Himmel in eine Studentin verknallt und ihr mit anzüglichen SMS-Botschaften nachstellt. Hinzu kommt eine Handvoll Miniaturen: von der Bäckersfrau, die zwanghaft vor versammelter Kundschaft ihr Personal herunterputzt, oder vom Gemüsehändler, der sich von seiner Frau getrennt hat, aber trotzdem weiter mit ihr den Marktstand schmeißen muss.

Die meisten Episoden sind klug eingefädelt und formal virtuos miteinander verschränkt. Höchst unterhaltsam mischt Klapisch tragische, romantische und komische Momente, und schafft es spielend, aus grauem Alltag zu Herzen gehendes Gefühlskino zu destillieren. Ob das lebensnah ist, wie manche Kritiker behaupten, sei aber mal dahingestellt.

Ein bisschen verstiegen erscheint der Filmtitel (im Original: „Paris“). Denn für ein Gesamtbild der Metropole fehlt hier doch einiges, allen voran die Immigranten und sozialen Verlierer, die in Kürzest-Episoden verheizt werden. Das Mini-Intermezzo vom Afrikaner, der übers Meer in die gelobte Stadt aufbricht, taugt noch nicht einmal als Feigenblättchen. Viel ausführlicher pflegt Klapisch die Vorstellung einer heimeligen (und ethnisch weitgehend homogenen) Nachbarschaft voller mit Sorgen beladener, aber letztlich tapfer ihr Leben meisternder Menschen.

Fast konträr zu Robert Altman ist „So ist Paris“ kein komplexer gesellschaftskritischer Entwurf, sondern ein melancholisch eingefärbtes Loblied aufs Kiez-Paris in der Tradition von „Amélie“ – eher „Lindenstraße“ als „Short Cuts“. Bauchpinseln lässt man sich davon trotzdem gern.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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