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Kommentar

Informationen für bare Münze

„Und?“ fragte mein Bekannter gleich nach der Begrüßung in besorgtem Ton, als ob ich schon wissen müsste, worauf er hinaus wollte. Ich aber stutzte nur. Mein Bekannter bemerkte mein Stirnrunzeln und sagte: „Na, die Zeitungskrise.

28.11.2012
  • Gernot Stegert

Geht es dem TAGBLATT auch schlecht?“ Gerade hatte er gelesen, dass die „Frankfurter Rundschau“ Insolvenz angemeldet hat und die „Financial Times Deutschland“ im Dezember eingestellt wird. „Nein“, antwortete ich, „bei denen wurden viele Fehler gemacht und der Markt ist anders, uns geht es besser.“ Jetzt stutzte er.

„Natürlich spüren auch wir einen Wandel“, ergänzte ich, „Leser und auch Anzeigenkunden nutzen verstärkt elektronische Medien. Auch Entwicklungen wie mehr Singlehaushalte und mehr berufsbedingte Umzüge bedeuten weniger Abonnements.“ Mein Bekannter ließ erkennen, dass er es so genau gar nicht wissen wollte. Also fuhr ich mit dem Aber fort: „Aber die Lokalzeitungen sind am besten dran. Weil wir etwas bieten, was sonst niemand hat.“ Über das Geschehen in der Region Tübingen berichten „Tagesschau“ und „Spiegel online“ nur in Ausnahmefällen. Er nickte. Und im Vergleich zum Blättle im Briefkasten gibt es bei uns umfassende Berichterstattung, Hintergrund, kritische Haltung – und Texte wie ein ÜBRIGENS. Dann fiel mir sogar ein schönes Zitat ein: „Das Herz des modernen Journalismus schlägt im Lokalen“, hatte der zuständige Experte bei der Bundeszentrale für politische Bildung jüngst gesagt und ergänzt: „Auf allen Kanälen.“

Auf allen Verbreitungswegen ist auch das TAGBLATT zu haben. Seit heute mit einer gründlich überarbeiteten digitalen Ausgabe, dem neuen E-Paper, nutzbar mit Smartphones und Tablets daheim oder unterwegs. Gedruckte Zeitungen wird es noch länger geben als Untergangspropheten meinen. Aber zugleich bauen wir unsere elektronischen Versionen aus. Das Wort „Zeitung“ wird vielleicht irgendwann wieder verwendet werden wie in den Anfangsjahren – als Synonym für Neuigkeiten, unabhängig vom Medium. Die erste Tageszeitung in Deutschland erschien 1650 in Leipzig und hieß „Einkommende Zeitungen“. Erst später wurde der Ausdruck mit dem Druck verbunden.

„Ich schaue oft bei Google News und Facebook nach Tübingen-Themen“, fing der Bekannte meine Ausführungen ein. „Ok“, sagte ich, „aber Google ist nur ein Aggregator. Er klaubt sich zusammen, was andere wie wir erarbeitet haben. Bei Facebook prüft keiner Informationen.“ Er schaute nachdenklich, weil er sich am Vortag noch selbst darüber geärgert hatte, wie derzeit bei einigen Tübinger und Reutlinger Themen Gerüchte für bare Münze genommen werden. „Apropos Münze“, ergriff ich die Gelegenheit, „was tust du gegen deine Info-Krise?“ Er verstand. Ich fragte: „Und?“

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28.11.2012, 12:00 Uhr

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