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Bald gibt’s Kirchentellinsfurter Kaffee

Inge und Alfred Rieger ernten in zwei bis drei Wochen ihre Bohnen

Was Inge Rieger einpflanzt, gedeiht: Ob Banane oder Ananas, Avocado oder Litschis, aus allem wird eine Pflanze. Jetzt steht sogar die erste Kaffeeernte ins Haus.

03.02.2010
  • Sabine Lohr

Kirchentellinsfurt. Eine Schönheit ist der gut 3,80 Meter Baum nicht gerade: Am dürren Stamm ragen in großen Abständen dünne Zweige heraus, und die großen grünen Blätter machen den Baum auch nicht zum üppigen Busch. „Eigentlich würde ich ihn rausschmeißen“, sagte Inge Rieger in ihrem vom Kaminfeuer gewärmten Wintergarten.

Eigentlich. Wenn der Baum nicht Früchte hätte. Dunkelrote, pralle Klunker verzieren im unteren Drittel die kahlen Ästchen. Ein wenig sieht die Pflanze aus wie ein missratener Weihnachtsbaum, den ein kleines Kind geschmückt hat. Aber das ist sie mitnichten: Es ist ein Kaffeebaum, groß geworden bei Inge und Alfred Rieger und den Winter über im Glasanbau untergebracht. Im Frühling muss er wieder umziehen, denn Sonne verträgt ein Kaffeebaum überhaupt nicht.

Das Gewächs haben die beiden reiselustigen Rentner vor über fünf Jahren aus Jamaika mitgebracht. Im Wald haben sie es ausgegraben, als kleines Pflänzchen. „Kaffee wächst da wie Unkraut unter den Bäumen“, sagt Alfred Rieger. Es ist wohl ein Arabica, eine gängige, weil milde und wohlschmeckende und zudem leicht zu pflegende Sorte.

Kaffeekochen überm Feuer

Dabei hätten sie an anderer Stelle etwas viel Edleres ausgraben können, denn die beiden waren auf Jamaika auch in den Blue Mountains. Von dort kommt der wohl teuerste Kaffee der Welt. Der, weil teuer, auch gut sein muss. Hierzulande zumindest. Auf Jamaika schmeckt er anders. „Die Jamaikaner kochen in einem Kupferkessel Wasser überm Feuer und schmeißen dann die frisch gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen rein. Das wird dann einfach aufgekocht“, erklärt Alfred Rieger. Das Gebräu wird mit einer sehr dicken und sehr süßen Milch getrunken. „Darauf haben wir verzichtet, obwohl wir sonst immer unseren Kaffee mit Milch und Zucker trinken“, sagt Inge Rieger.

Dass es verboten sein könnte, einfach eine Kaffeepflanze nach Europa auszufliegen, kam Alfred Rieger nicht in den Sinn. „Da hat auch niemand was gesagt – und auf dem Flughafen gab es auch keine Hinweise.“ So haben sie die kleine Pflanze in einer Plastikflasche nach Kirchentellinsfurt eingeflogen und dort in ganz normale Erde eingesetzt.

Ein bisschen unsicher waren sie sich aber doch. Wegen der Pflege. Wieviel Wasser, wieviel Sonne und welche Erde so ein Bäumchen braucht, hat ihnen dann jemand vom Botanischen Garten Tübingen erklärt. Und das so gut, dass das Bäumchen wuchs und gedieh. Vor einem Jahr – die Pflanze war inzwischen schon seit fünf Jahren in Kirchentellinsfurt, trug sie zum ersten Mal Bohnen. Genauer gesagt: Eine Bohne. Das reichte gerade mal aus, um die Pflanze zu vermehren. Vom Botanischen Garten wussten die Riegers, dass die Bohne, einmal abgefallen, sofort in Erde muss. „Wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden eingepflanzt wird, wird daraus nichts“, sagt Alfred Rieger. Inzwischen ist das Pflanzenkind etwa sieben Zentimeter groß und hat den zweiten Blättchenkranz bekommen.

Geröstet wird in der Bratpfanne

Jetzt ist noch mehr Nachwuchs zu erwarten, denn Inge und Alfred Rieger haben gleich einer ganzen Mannschaft von Bekannten Früchte zum Ziehen versprochen. Aus den restlichen Bohnen wird – na klar: Kaffee. Dazu werden die Bohnen erstmal getrocknet, dann enthäutet und schließlich noch geröstet. „In einer Bratpfanne wahrscheinlich“, sagt Inge Rieger, die sich dazu aber noch Rat einholen will. Für zwei Tassen wird die Ernte wohl reichen. Und wer weiß: Vielleicht gibt es nächstes Jahr dann schon eine ganze Kanne K’furter Kaffee.

Inge und Alfred Rieger ernten in zwei bis drei Wochen ihre Bohnen
Inge und Alfred Rieger mit ihrem Kaffeebaum: Die leuchtend roten Früchte sind bald erntereif. Bild: Metz

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03.02.2010, 12:00 Uhr

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