Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Warten auf Schutz vor Wasser

Ingenieurbüro Heberle stellt im Gemeinderat Maßnahmen für Mühringen vor

Eineinhalb Jahre ist es her, seitdem Mühringen überflutet wurde. Das Thema Hochwasserschutz ist sehr viel älter. Die Landespolitik sah bei der Umsetzung nicht immer gut aus. In der jüngsten Gemeinderatsitzung wurde nun ein Maßnahmenpaket vorgestellt, dessen Umsetzung den Mühringern die Angst nehmen könnte. Doch auch hier mahlen die Mühlen der Bürokratie eher gemächlich.

18.12.2014
  • Benjamin Breitmaier

Mühringen. Ein Jahrhundert-Hochwasser hat die Eigenschaft – statistisch gesehen – nur einmal in 100 Jahren aufzutreten. Mühringen hält von diesen Statistiken wenig. Immer noch sind die Schäden nicht komplett behoben, die entstanden, als die Eyach am 1. Juni im Jahr 2013 über die Ufer trat.

Für die Mühringer besonders bitter, denn 2013 war bereits das zweite Jahrhundert-Hochwasser für den Ort innerhalb von 20 Jahren. Schon im Jahr 1994, der Zeit des ersten Hochwassers, wurde immer wieder ein besserer Schutz vor Überschwemmung gefordert. Wie sehr sich manche Aussagen der Politik von der Realität unterscheiden, zeigt ein Zitat aus dem Jahr 2007. Axel Pälchen vom Regierungspräsidium Karlsruhe sagte damals, die Hochwasserschutz-Vorhaben in Mühringen seien eine Kleinigkeit: „Da wird es keine Probleme geben.“ Sechs Jahre lang tat sich bei der „Kleinigkeit“ nur wenig. „Landratsamt und Regierungspräsidium sehen Mühringen ausreichend vor Hochwasser geschützt“, schrieb die SÜDWEST PRESSE noch im Jahr 2011. Die Mühringer sahen das damals schon anders. Dann kam die Flut.

1,6 Millionen Euro Schaden, nannte Ortsvorsteherin Monika Fuhl in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Horb. Doch die Zerstörung hinterließ bei den Mühringern nicht nur finanzielle Spuren. Unersetzbare Schätze wurden mit den Wassern der Eyach hinweggespült. Schätze wie der von Fischer-Legende Karl Müller, dessen gesamte Fischzucht-Stube mit seltenen Fischen im Seitenkanal zur Eyach komplett fortgerissen wurde.

„Es ist auch ein psychisches Problem“, sagte Ortsvorsteherin Monika Fuhl in der Sitzung. „Seit dem Hochwasser waren wir wieder zweimal fast bei 2,90 Meter (Anmerkung der Red.: Gemeint ist der Pegel der Eyach in Mühringen). Da heißt es für die Feuerwehr Sandsäcke bereithalten.“

Die Zeit drängt, aber die Bürokratie lässt sich nicht so recht drängen. Problem ist, dass gleich zwei Regierungspräsidien für den Hochwasserschutz im Eyachtal verantwortlich sind, und der Hochwasserschutz in der Region ineinandergreifen muss.

In einer Präsentation stellte Markus Heberle eine Kosten-Nutzen-Analyse der verschiedenen geplanten Maßnahmen für Mühringen vor, die den Regierungspräsidien vorgelegt werden sollen. Es geht um Fördermittel in Höhe von 70 Prozent der Investitionssumme. Heberle wurde mit seinem Ingenieurbüro schon vor dem Hochwasser 2013 damit betraut, eine Analyse der Hochwassersituation in Mühringen zu erarbeiten und Maßnahmen zu planen.

Günstig für Mühringen: Das Büro hat auch eine Ausschreibung des Regierungspräsidiums in Tübingen gewonnen und ist damit gesamtverantwortlich für die Analyse und Planung der Hochwasserschutzmaßnahmen im Eyachtal.

Die von Heberle und Stadt bevorzugte Variante des Hochwasserschutzes sieht eine Kombination von Dämmen – oberhalb der Brücke – und Ufermauern vor. Diese sollen in Gebieten mit wenig Platz installiert werden, wie dem Areal, wo die Hohenzollerische Landesbahn nah am Ufer der Eyach entlangläuft. Auch die Gewerbegebiete sollen in Hochwasserschutzwände eingefasst werden.

Für die Umsetzung wird auf die bisherigen Maßnahmen aufgebaut, wie die Spundwände, die bereits vorhanden sind. „Es gilt hierbei die vorhandenen Schutzhöhen zu erhöhen und Fehlstellen zu schließen“, sagte Heberle. „Damit wäre der Schutz vor HQ100 Hochwassern gewährleistet“. HQ100 ist der Begriff für Jahrhundert-Hochwasser. Rosenberger: „Hätten wir diese Maßnahmen gehabt, hätten wir 94 und 2013 im Griff gehabt.“

Die geschätzten Baukosten belaufen sich bei dieser Variante auf 1,7 Millionen Euro, von denen die Stadt Horb 30 Prozent, also etwa 516 000 Euro aufbringen müsste.

Eine weitere Variante sah die Anlegung von Hochwasserrückhaltebecken flussaufwärts vor. Wobei sich diese Variante als sehr aufwändig gestaltet, was sich mit geschätzten 5,4 Millionen Euro auch in den Kosten abzeichnet.

Was viele Mühringer bewegt: Wann wird endlich angepackt? Da die Maßnahmen in Mühringen mit dem Gesamtkonzept im Eyachtal abgestimmt werden müssen, wird aber noch Zeit vergehen. Heberle: „Einzelne Maßnahmen könnten vorgezogen werden.“ Es wäre allerings möglich, dass geplante Maßnahmen in Mühringen nicht mehr nötig werden, wenn flussaufwärts bereits größere Projekte umgesetzt werden. Oberbürgermeister Rosenberger ergänzte: „Wir wollen trotz des Gesamtkonzepts auch schon vorher verhandeln, dass wir an den kritischen Punkten mit Bauen anfangen können. Im Grundsatz könnte man schon loslegen, aber wir müssen die Abstimmungen abwarten.“

Stadtrat Dieter Rominger-Seyrich (SPD) geht das nicht schnell genug: „Die ganzheitliche Betrachtung ist doch längst überfällig. Die Frage ist, wie können wir politischen Druck ausüben, damit die Regierungspräsidien in die Puschen kommen.“

Dem entgegnete der Oberbürgermeister: „Wir sind ja gerade in sehr guten Gesprächen. Jetzt müssen wir keinen Druck aufbauen, sondern nur die Stimmung aufrechterhalten, dass sich was bewegen muss. Ich glaube wir sind auf einem guten Weg. Falls es stockt, laufen wir wieder nach Karlsruhe oder Tübingen. In Karlsruhe kennen sie uns, in Tübingen noch nicht.“ Dazu Heberle: „Grundsätzlich ist es förderschädlich zu früh zu beginnen. Einzelne Maßnahmen könnte man aber vorziehen.“

Ingenieurbüro Heberle stellt im Gemeinderat Maßnahmen für Mühringen vor
Der Juni 2013 hat gezeigt, was mangelnder Hochwasserschutz anrichten kann. Bis heute sind nicht alle Schäden behoben. Im Rahmen eines Gesamtkonzept für das Eyachtal soll nun aber angepackt werden. Doch noch sind die Abstimmungen mit den Regierungspräsidien offen. Archivbild: lpe

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball