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Linden- und Weggentalschule stellten sich im Haus am Nepomuk vor

Inklusion am besten gebündelt

Die Rektoren der beiden Rottenburger Förderschulen sprachen auf Einladung der katholischen Erwachsenenbildung über die vielfältigen Arbeitsfelder ihrer Einrichtungen und die Herausforderungen von inklusiver Beschulung.

20.06.2012
  • Frank Rumpel

Rottenburg. „Wir sind eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung, aber eigentlich ist das nicht mehr korrekt“, sagte Engelbert Bauer, der seit 27 Jahren Rektor der Lindenschule ist. Denn die habe längst ein sehr „buntes Spektrum“ an Kindern, darunter solche, die eine 1:1-Betreuung brauchen und andere, die sich wegen schwieriger Lebensbedingungen schon früh mit dem Lernen schwertaten. „Ich hoffe“, sagte Bauer deshalb, „dass sich der Name bald ändert.“

Momentan werden an der Lindenschule 55 Kinder und Jugendliche in neun Klassen von der Grund- über die Haupt- bis zur Berufsschulstufe unterrichtet. Daneben ist die Lindenschule auch Frühberatungsstelle mit engem Kontakt zur Kinderklinik Tübingen. „Wir haben deshalb schon sehr früh Kontakt zu unseren künftigen Schülern“, sagte Bauer, der so manchen mittlerweile mit ein paar Monaten kennenlernte und 20 Jahre später in einem „Nischenarbeitsplatz“ unterbrachte. „Das ist schon eine Lebens- und Lerngemeinschaft.“ Denn die Lindenschule hat auch einen Kindergarten für jene mit erhöhtem Betreuungs- und Förderbedarf. Der größere Teil der Kinder aber, sagte Bauer vor rund 20 Interessierten, sei im Regelkindergarten und werde von Sonderpädagogen begleitet.

Immer mehr Kinder werden inklusiv beschult

„Wir sind so etwas wie die weiterführende Schule für Lindenschüler“, sagte Eberhard Kohler, Rektor der Weggentalschule. Die bietet neun Klassenstufen an, aber durchgängig, sagte Kohler, werde dort niemand mehr beschult. Ziel sei es, die Kinder, wann immer möglich, auf die Regelschule zu schicken.

Das Aufgabenfeld der Weggentalschule ist aber ungleich größer. So stellt sie einen sonderpädagogischen Dienst, der auffällige Kinder betreut, hat eine sonderpädagogische Beratungsstelle, die an Kindergärten geht und, wie Kohler sagte, „versucht, präventiv ins Boot zu kommen“. Zudem gibt es seit drei Jahren eine so genannte erweiterte Kooperation mit der Schule in Ergenzingen und immer mehr auch die Betreuung von Kindern, die an Regelschulen inklusiv unterrichtet werden. Deren Zahl steigt rapide. War es vor drei Jahren ein Kind, sind es derzeit neun und zwölf weitere Anmeldungen gilt es fürs kommende Schuljahr zu prüfen. „Unsere Tätigkeit als Lehrer verändert sich mit großer Geschwindigkeit“, sagte Kohler.

Angesichts der zunehmenden Zahl inklusiv beschulter Kinder sprach er sich für „gruppenbezogene Lösungen“ aus. Die Idee, dass ein Kind mit Betreuungsbedarf an jede Schule gehen kann, sei mit den momentan zur Verfügung stehenden Ressourcen schlicht nicht machbar, sagte Kohler. Da gelte es darüber nachzudenken, ob es in manchen Fällen nicht sinnvoller wäre, ein Kind ein oder zwei Dörfer weiter zur Schule zu schicken, wo bereits andere mit Förderbedarf seien. Auf Dauer, wurde Kohler deutlich, „haben wir gar keine andere Chance, als das zu bündeln“.

Auch die Lindenschule unterrichtet inklusiv, allerdings mit einem anderen Modell. „Unsere Schüler brauchen einfach ein anderes Setting“, sagte Bauer, der vor neun Jahren die so genannte Außenklasse in Seebronn ins Leben rief, wo Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam die Grundschule meistern. Nur in Mathe und Deutsch werden sie getrennt unterrichtet. „Es ist schwierig, diese Fächer kompatibel hinzukriegen. Das wäre der nächste Schritt“, sagte Bauer, der sich noch gut an die massiven Widerstände der Eltern erinnert, als er die Idee in Seebronn vorstellte.

Viel engere Betreuung in der Integrationsklasse

Nach einigen Wochen Schule aber, sagte Bauer, „merkten sie, wie gut das ist“. Denn die Integrationsklasse, wie er die Außenklasse lieber nennt, wird in der Regel von drei Lehrern unterrichtet und betreut. „Das ist eine Chance für beide Gruppen.“ Zudem würden die Kinder dort nie vergessen, „dass sie Mitschüler mit Behinderung hatten und auch deren Stärken kennenlernten“. Im nächsten Schuljahr gibt es erstmals eine Integrationsklasse an der Hohenbergschule.

Kohler träumt von einer inklusiven Grundschuleinheit in der Weggentalschule, in der im Tandem unterrichtet wird. „Das wäre eine tolle Situation im Sinne der Angebotsschule.“ Eine solche Angebotsschule wird in Zukunft auch die Lindenschule sein, schätzt Bauer, weil manche Kinder eben so viel Betreuung brauchen, „dass das Stammhaus die bessere Lösung ist“. Gleichzeitig hofft er, dass sich durch die Inklusion bei den Förderschulen keine Unterkategorien bilden, indem man die Kinder dann in Inkludierbare und Nicht-Inkludierbare aufteilt.

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20.06.2012, 12:00 Uhr

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