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Leben in den Läden

Inklusive Bands musizierten beim Festival Kultur vom Rande in Innenstadt-Geschäften

13 inklusive Bands aus dem ganzen Land sind zum Abschluss des Festivals Kultur vom Rande am Samstagvormittag in Geschäften und Cafés in der Reutlinger Innenstadt aufgetreten.

29.06.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Schon von weitem hörte man sie am Kaufhof-Eingang spielen: „Ich bau ’ne Stadt für dich“ von Cassandra Steen, locker gecovert. Fetzige Soli, Trommelwirbel, Verbeugung: „Danke schön!“ Ein Dutzend Zuhörer applaudiert. Joy Included ist ein inklusives Bandprojekt der Musikschule Waldkirch. Die Stadt sei ja ohnehin führend in der Inklusion, sagt Leiter Hannes Geiger. Da sei die Schule 2013 auf die Band-Idee gekommen. Ein Vater, dessen Sprössling die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Am Bruckwald besucht, ist extra die zweieinhalb Stunden mitgefahren. Gewöhnlich spielt die Band auf städtischen Veranstaltungen in Waldkirch und Umgebung, „so weit sind wir noch nie gekommen“: Geiger macht eine Fortbildung für Musikunterricht mit behinderten Menschen bei der Reutlinger Fakultät für Sonderpädagogik, so entstand der Kontakt.

Vor der Minibar in der Markthalle musiziert auf der Public-Viewing-Bühne zur Fußball-WM die Folk-Pop-Band Handicap der Schwarzwaldwerkstatt Dornstetten: Mit Gitarre, Gesang, Schlagzeug und zwei Tambourins. Die wenigen Zuhörer sind begeistert. Bei Osiander spielen The Braillers vom Blindeninstitut Würzburg Jazz und Schlager. In der Stadtbibliothek tritt das Ensemble „Musik zum Leben“ auf – eine 2005 begonnene Kooperation der Musikschule und der Peter-Rosegger-Schule.

Im dm-Drogeriemarkt ist innen neben dem Eingang eine lange Holzbank aufgebaut. 14 Leute von der vor einem Jahr gegründeten Banda Inklusia der Musikschule Lörrach hocken da. Eins, zwei, drei – dann machen sie Percussion mit Hütchen und leeren Flaschen, spielen mit Geigen, Klavier und Saxophon groß auf. Locker 50 Leute drängeln sich im Geschäft und tanzen teilweise mit. Thomas Feistauer vom Landesverband Lebenshilfe filmt den Auftritt. Er hat die Innenstadt-Aktion mitorganisiert. „Das kommt super an. Es wurde auch schon gefragt, wann die Band wieder spielt. Die Leute kommen auch gezielt. Die Band verbreitet einfach gute Laune“, freut sich Feistauer.

Andrang auch im Weltladen. Dort treten die Iklu’s der Musikschule Offenburg unter Leitung von Markus Mayer auf. Lauter begnadete Solisten, ob Gesang, Schlagzeug oder Blockflöte. „Bei uns sind einige Schüler krank. Deshalb improvisieren wir ein bisschen“, verrät Regina Zimmermann. Claudia Klatt vom ehrenamtlichen Weltladen-Team berichtet von einer Kooperation mit der Peter-Rosegger-Schule: Seit vielen Jahren helfen immer mittwochvormittags zwei Schüler mit geistiger Behinderung im Verkauf als Praktikanten mit. „Ich habe vor neun Jahren als Kundin gesehen, wie freundlich mit denen umgegangen wird, so bin ich beim Weltladen hängen geblieben“, erinnert sich Klatt.

Inklusive Bands musizierten beim Festival Kultur vom Rande in Innenstadt-Geschäften

Bei Schuh-Schneider sitzt unterm Vordach das Trio Ludere des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Ravensburg und spielt pfiffigen Klezmer, Tango und Salonmusik. Schuh-Schneider feiert heuer 150-jähriges Bestehen. „Eine schöne Aktion“, lobt Filialleiterin Monika Schweikhardt. „Die Kunden freuen sich und sind begeistert. Das Interesse ist groß, die Passanten bleiben stehen.“ Abends ist dann im Festivalzelt das große Finale mit allen Bands.

Coversongs mit Balkan-Touch: Das Tanzorchester Paschulke spielte am Samstag zweimal auf Stadtfest-Bühnen – leider nicht auf dem Marktplatz. Zwei Akteure drehen sich in Sicherheitswesten auf der Bühne, der sehbehinderte Sänger röhrt mit Reibeisenstimme. Laute „Paschulke“-Rufe. Kunstnebel wabert, satter Sound mit Saxophon und Akkordeon, dazwischen dampfplaudern sie vor vollbesetzten Bierbänken. In dieser Besetzung, mit Musikern aus Dortmund, Hamburg und Fürth, tritt das Orchester erstmals auf, erzählt Leiterin Lisa Marie Diehl. Entstanden ist dieses „Dortmunder Modell Musik“ aus einem Projekt von Rehabilitationswissenschaftlern der TU Dortmund. Studierende von Prof. Irmgard Merkt führten mit drei Werkstätten 780 Interviews und suchten Interessenten. Es gab Schnupperkurse und Breitenbildung, schließlich entstanden mehrere inklusive Musik-Ensembles.

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