Bundestagskandidatur

Innovationen statt Verbote

Klaus Mack (CDU), Bürgermeister von Bad Wildbad, möchte seine Arbeit für die Region Nordschwarzwald künftig als Abgeordneter in Berlin weiterführen.

05.08.2021

Von Manuel Fuchs

Der Wahlkreis Calw-Freudenstadt war jahrzehntelang durch den Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (CDU) in Berlin vertreten. Er tritt bei der Wahl im September nicht mehr an; sein Nachfolger als CDU-Kandidat im Wahlkreis 280 Calw-Freudenstadt ist Klaus Mack. Die SÜDWEST PRESSE traf ihn am 1. Juli – also noch vor der Flut im Ahrtal – im Alten Freibad in Horb.

SÜDWEST PRESSE: Herr Mack, stellen Sie sich bitte selbst kurz vor.

Klaus Mack: Mein Name ist Klaus Mack, ich bin Bundeskandidat im Wahlkreis Calw-Freudenstadt. Ich war 20 Jahre lang Bürgermeister, erst in Enzklösterle, dann in Bad Wildbad. Ich bin Vorsitzender des Regionalverbands Nordschwarzwald und des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, habe also auch im Ehrenamt sehr viel Regionales getan, weil mir die Region am Herzen liegt. Mir geht es darum, etwas in der Region zu bewegen. Jetzt gab es die Möglichkeit, Hans-Joachim Fuchtel nachzufolgen, zunächst einmal als Kandidat. Ich kämpfe dafür, das Bundestagsmandat zu erreichen, um das auf anderer Ebene weiterzuführen.

Klaus Mack ist CDU-Bundestagskandidat im Wahlkreis 280 Calw-Freudenstadt.

Was ist an der Region rund um Bad Wildbad so schlimm, dass sie wegwollen – ausgerechnet nach Berlin?

Ich gehe ja nicht weg, ich vertrete den Wahlkreis in Berlin. Das heißt, man hat seine Sitzungswochen dort und stimmt im Bundestag über Gesetze ab. Aber man kümmert sich auch um die Region, und genau das will ich an dieser Stelle tun. Deswegen bleibt auch die Familie hier.

Was war der Moment, an dem Sie sagen: Jetzt stelle ich mich zur Wahl?

Das war relativ schnell, als Herr Fuchtel erklärt hatte, er hört auf. Sofort am nächsten Tag habe ich die Chance ergriffen, habe mit meiner Familie geredet und mit meinen Mitarbeitern. Das war kein ganz leichter Schritt, aber es war dann klar: Ich mach das, und habe dann gleich meinen Hut in den Ring geworfen.

Ist eine Bürde oder eine Starthilfe, die Fußstapfen eines Hans-Joachim Fuchtel vor sich zu haben?

Beides. Herr Fuchtel hat in über 30 Jahren einiges in der Region hier bewegt, das sind schon große Fußstapfen. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine Hilfe, dass ich ihn fragen kann, wenn es um bestimmte Themen geht, und dass er meine Kandidatur unterstützt.

Was werden Sie anders machen als Herr Fuchtel?

Ich bin eine andere Generation, habe einen anderen Stil, bin sehr viel auf den sozialen Medien unterwegs. Die Kommunikation wird sicher eine andere sein. Was die thematische Ausrichtung angeht, sind wir sicher ähnlich. Klar, wir sind beide CDU, aber jeder ist ein anderer Mensch und setzt andere Akzente.

Herr Fuchtel hat gegen die „Ehe für alle“ gestimmt. Wie ist ihr Standpunkt?

Ich bin da grundsätzlich sehr tolerant. Das ist die persönliche Freiheit jedes Einzelnen, zu leben, wie er möchte. Ich hätte da auch kein Problem, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften.

Ein großes Projekt von Herrn Fuchtel war und ist die Horber Hochbrücke. Haben Sie etwas im Blick, in das Sie sich besonders reinhängen wollen?

Die gesamte Infrastruktur liegt mir sehr am Herzen. Die Hochbrücke, ja, aber die ist nur ein Teil einer gesamten Infrastrukturmaßnahme. Es geht um den weiteren Ausbau der B 28, es geht um den Ausbau der Gäubahn, es geht um das Containerterminal. Das hängt alles miteinander zusammen. Wenn Sie fragen: Was ist in einigen Jahren der Erfolg? Es müsste uns gelingen, schnelle Verkehrswege auf der Schiene und auf der Straße zu haben, damit sich die Region wirtschaftlich weiterentwickeln kann und unser Wohlstand gesichert bleibt.

Was muss in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren im Nordschwarzwald passieren, damit die Region nicht abgehängt wird?

Grade diese Anbindung der Hochbrücke an die Bundesstraße, das ist ein interessanter Punkt. Da läuft gerade eine artenschutzrechtliche Untersuchung, wonach man sich auf eine Variante festlegen muss. Diese Variante muss man dann finanzieren, darum wird es in einem nächsten Schritt gehen. Die Gäubahn ist auch ein großes Thema, da gibt es auch grade ein paar Diskussionen. Wir wollen jetzt im Regionalverband die Akteure einladen, um die Interessen zu sortieren, in welche Richtung das genau geht. Es geht für mich aber auch um Gewerbe- und Wohnbauentwicklung. Ich merke im Gespräch mit jungen Leuten: Nicht jeder will im Geschosswohnungsbau leben. Das ist schön, wenn man das mitten in der Stadt kann, barrierefrei am besten. Aber viele wünschen sich auch ein Eigenheim, und ich finde, das sollte man ermöglichen, ohne die Innenentwicklung zu vergessen. Da muss sich die Region weiterentwickeln, damit wir auch in Zukunft stark sind.

Ein konkretes Beispiel zum Fachkräftemangel in der Region: Ein Orthopädietechniker aus Freudenstadt hat eine Dame aus Teheran, aus dem Iran rekrutiert. Ist das wünschenswert, oder sollte man etwas dagegen tun?

Dem Fachkräftemangel zu begegnen ist natürlich schon ein politisches Thema insgesamt. Deswegen ist es wichtig, dass wir die entsprechenden Einrichtungen wie hier die Hochschulen haben und dass man die Verbindungen schafft wie auf dem Campus Freudenstadt und dem Innovationscampus in Empfingen, dass man die Firmen und die Hochschulen zusammenbringt und die jungen Menschen dafür begeistert und ihnen zeigt, welche Firmen es hier gibt. Oft wissen die das gar nicht, man erwartet im letzten Schwarzwaldtal nicht unbedingt einen Weltmarktführer. Dazu trägt so ein Campus entsprechend bei, weil die Firmen vernetzt sind. Ich hatte da schon sehr gut Gespräche, und da müssen wir durch entsprechende Einrichtungen noch stärker werden. Wir sind auf einem guten Weg, aber da müssen wir dranbleiben.

Es gibt die Befürchtung, dass dem Landkreis Freudenstadt – in Calw wohl ähnlich – die jungen Leute davonlaufen. Können Sie bundespolitisch oder regional gegensteuern?

Beides. Es geht schon darum, dass die Region attraktiv ist. Grade die Corona-Krise hat gezeigt, dass man im ländlichen Gebiet auch seine Vorteile hat. Dazu gehören natürlich schnelle Datennetze, damit Homeschooling und Homeoffice möglich sind. Wenn die Gäubahn mal fertig ist, und Sie können von Horb in einer halben Stunde nach Stuttgart oder zum Flughafen kommen, dann können Sie hier bequem wohnen, sind vielleicht einen oder zwei Tage im Homeoffice, wenn sie die schnellen Datennetze haben. In diesen Punkten müssen wir stark werden, und dann haben wir als ländlicher Raum auch eine Chance, auch für die jungen Leute.

Glauben Sie, dass die Starkregenfälle der letzten Wochen Vorboten oder Symptome des menschengemachten Klimawandels sind?

Ich glaube schon, dass diese Wetterlagen schon ein Indiz dafür sind, dass der Mensch hier Einfluss genommen hat. Das sagen ja auch die Experten. Ich sehe das schon, und wir müssen uns in Zukunft darauf einstellen, dass uns diese Großwetterlagen beeinträchtigen werden.

Nur darauf einstellen, oder was dagegen tun?

Natürlich was dagegen tun! Der Klimawandel ist für mich nicht irgendwie verhandelbar, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir zu lösen haben.

Wo fangen Sie an?

Wir müssen schauen, dass wir dem Klimawandel nicht durch Verbote begegnen, sondern dass wir versuchen, durch Innovationen neue Akzente zu setzen. Ich bin in vielen Firmen unterwegs, und wenn ich da sehe, was getan wird, dann müsste man diese Innovation viel mehr fördern. Ich bin auch ein großer Verfechter davon, dass wir die Energiewende wirklich vor Ort gestalten. Dafür muss man etwas tun! Das wird eine heiße Diskussion, aber der müssen wir uns stellen.

Die alte Sache: „Regenerative Energien ja, aber bitte keine Windräder vor meiner Nase“?

So ist es, ja. Aber ich glaube, da ist die Zeit schon weitergegangen. Ich hatte noch in Enzklösterle heiße Diskussionen. Aber mittlerweile, so glaube ich, wissen die Leute: Wenn wir die Atomkraftwerke abschalten wollen, wenn wir keine Kohlekraftwerke wollen, dann müssen wir auf regenerativen Strom setzen, und dazu gehört die Windkraft.

Kurzfragen zum Abschluss

Hans-Georg Maaßen oder Sarah Wagenknecht?

Also ... der Herr Maaßen ist CDU, ähm ... ja.

Parteiausschluss für Herrn Maßen?

Wenn es keine Gründe gibt, ihn auszuschließen, braucht man ihn nicht auszuschließen.

Lieber das Gendern im Verwaltungssprech verbieten oder ein Tempolimit auf Autobahnen einführen?

Da würde ich lieber das Gendern verbieten.

Die Ärzte“ oder „Freiwild“?

Die Ärzte.

Welche Stadt ist schöner: Horb oder Nagold?

Wir haben viele schöne Städte in der Region. Ich finde die ganze Region herrlich, Städte und Gemeinden haben sich sehr gut entwickelt.

Wem stehen Sie näher: Julian Osswald (OB Freudenstadt) oder Peter Rosenberger (OB Horb)?

Ich mag beide, kenne beide gut. Wir arbeiten im Regionalverband zusammen und verstehen uns gut.

Solar auf Ackerland oder Windkraft im Wirtschaftswald?

Beides.

Deutschland braucht die Grünen in der Regierung, weil ...?

Mir wäre Schwarz-Gelb lieber.

Für welches Ministeramt empfehlen Sie sich?

Ich will jetzt erst einmal in den Bundestag, das ist mein größtes Ziel

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Erstellt:
5. August 2021, 18:13 Uhr
Aktualisiert:
5. August 2021, 18:13 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. August 2021, 18:13 Uhr

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