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Niersbach taucht auf

Ins Zwielicht geratener DFB-Chef kommt zur Präsidiumssitzung am Montag

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist trotz laufender Ermittlungen weiter im Amt und will an der jetzt angesetzten Präsidiumssitzung am Montag teilnehmen. An der Basis wächst der Druck auf Franz Beckenbauer.

06.11.2015
  • SID

Köln Wolfgang Niersbach stellt sich. Der aufgrund der WM-Affäre stark unter Druck geratene Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird am Montag an einer außerordentlichen Präsidiumssitzung in der Verbandszentrale in Frankfurt teilnehmen. Das bestätigte der DFB. Nach Bild-Informationen will Niersbach sein Amt vorerst nicht ruhen lassen, sondern zunächst die Ergebnisse seiner Einvernahme durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields abwarten und alle Fakten auf dem Tisch sehen, ehe er über seine Zukunft entscheiden will. Niersbach ist gestern durch diese externen Prüfer befragt worden. Wie der Verband am Abend mitteilte, nahm er in einem "mehrstündigen Gespräch" ausführlich zu denAbläufen im Bewerbungs- und Organisationskomitee für die WM 2006 Stellung. Am Mittwoch war der Präsident noch auf Tauchstation gegangen. Bei der Mitarbeiterversammlung in der DFB-Zentrale fehlte Niersbach. Er überließ Generalsekretär Helmut Sandrock den Bericht über die am Dienstag durchgeführte Steuer-Razzia.

Während eine Opposition gegen den DFB-Boss derzeit nicht in Sicht ist, bekommt das "Denkmal" Franz Beckenbauer immer mehr Druck auch von der Basis - und die Politik schaut tatenlos zu. "Beckenbauer ist jetzt gefragt und muss jetzt auch einmal konkret Verantwortung übernehmen. Nur er kann alles klären, er ist ja auch der Ausgangspunkt von allem", forderte DFB-Vorstandsmitglied und Niedersachsens Verbandschef Karl Rothmund den früheren WM-Chef zur Preisgabe seines "Kaiser-Wissens" in der Affäre um ungeklärte Millionen-Zahlungen der WM-Organisatoren an den Weltverband Fifa auf. Doch nicht nur Rothmund dürfte durch den aufsehenerregenden Ratschlag für den DFB zur Überprüfung etwaiger Ansprüche gegen Beckenbauer von Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger, der wie Niersbach und der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt von der Staatsanwaltschaft der Steuerhinterziehung beschuldigt wird, hellhörig geworden sein.

Laut Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz soll die Empfehlung seines Mandanten allerdings keine Beschuldigung des Idols sein: "Keinesfalls ist damit, nicht einmal ansatzweise, behauptet, das Geld befinde sich bei Beckenbauer", sagte Metz der Bild-Zeitung. Dennoch: Durch Zwanzigers Anregung ist das Thema in der Welt.

Tatsächlich jedoch beruhen alle bisherigen Annahmen zum mutmaßlichen Darlehen des früheren adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus von 2002 als Ursprung der ominösen Finanztransaktionen auf angeblichen Schilderungen. Nachweise dazu liegen anders als bei der OK-Überweisung von 2005 nicht vor. Niersbach setzt unterdessen offenbar auf eine Entkräftung der staatsanwaltlichen Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Informationen der Süddeutschen Zeitung zufolge jedenfalls ist der angezählte Verbandschef auch nur ins Visier der Finanzbehörden geraten, weil er 2007 wenige Tage nach seiner Ernennung zum DFB-Generalsekretär die von seinen früheren OK-Kollegen Zwanziger und Schmidt erstellte und danach zweifach testierte Steuererklärung als Verantwortlicher unterzeichnet hat.

Rothmund hält denn auch zumindest vorerst einen Rücktritt des DFB-Chefs oder auch nur eine vorübergehende Niederlegung seines Amtes für unangebracht. "Die DFB-Führung steht tatsächlich geschlossen und uneingeschränkt hinter Wolfgang Niersbach. Wenn er auch nur sein Amt ruhen ließe, gingen doch sofort Spekulationen wieder los, und es würde eine heftige Nachfolgediskussion einsetzen."

Laut Bild droht Niersbach aber eine 90-Tage-Sperre durch den Weltverband Fifa. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe laufe eine Vorprüfung der Ethikkommission.

Ins Zwielicht geratener DFB-Chef kommt zur Präsidiumssitzung am Montag
Im November des Jahres 2005 schien die Welt noch in Ordnung: Das Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (von links): der 1. Vizepräsident Horst R. Schmidt, Vizepräsident Theo Zwanziger, Präsident Franz Beckenbauer und Vizepräsident Wolfgang Niersbach. Foto: dpa

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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