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Wenn Geschichte zur Kunst wird

Installationen rund ums Haus auf der Alb

Vor 80 Jahren wurde das Haus auf der Alb eingeweiht, die Urspünge reichen noch weiter zurück. Fünf Künstler setzten sich anlässlich des Jubiläums mit der Geschichte des Jahrhunderthauses auseinander. Ihr Skulpturenpfad ist eine Reise durch „Zeit/Raum“.

07.09.2010
  • uschi kurz

Bad Urach. Das Haus auf der Alb, heute eine Einrichtung der Landeszentrale für politische Bildung, blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Gebaut wurde das Haus zwar erst 1929, der Grundstein für das imposante, ursprüngliche Erholungsheim wurde aber bereits 1916 vom württembergischen König Wilhelm gelegt. Weil – ausgehend vom Kaiserreich und den beiden Weltkriegen – jede Epoche des vergangenen Jahrhunderts Spuren hinterlassen habe, spreche man vom „Jahrunderthaus“, erklärt der Leiter des Hauses, Dr. Markus Hug“.

Anlässlich des 80-jährigen Bestehens lud die Landeszentrale für politische Bildung regionale Künstler/innen ein, sich mit der bewegten Geschichte des Hauses zu beschäftigen. Mit dem „Jahrhunderthaus als Leitorientierung“ entstanden Objekte und Installationen, die Stellung zur Architektur des Hauses, zu seiner Entstehungsgeschichte ebenso wie zu seiner inhaltlichen Vergangenheit beziehen, auch die aktuelle Zeitgeschichte wird nicht ausgespart. Ergänzt wurde die Ausstellung um drei ältere, aber thematisch passende Exponate. Insgesamt werden zehn Skulpturen präsentiert, die meisten im Freien, wo sie sich harmonisch in die Landschaft fügen.

30 Styroporgebilde auf schwankenden Stahlrohren, manche unschwer als Köpfe erkennbar, markieren den Beginn des Rundgangs. „Konformität – Individualität“ hat Jochen Meyder diese Arbeit (oben im Bild) genannt. Ein Spannungsfeld in dem sich auch das „Jahrhunderthaus“ immer wieder bewegte. Mit dem Thema „Macht und Mensch“ setzt sich Meyer in seiner zweiten Installation „Potentaten“ auseinander. Mächtige Köpfe aus Stahl, technokratisch, unmenschlich.

Tanzende Bäume und Badende auf der Wiese

Einer archäologischen Ausgrabungs-Stätte nachempfunden ist die Installation „Grabungsfeld Mensch“, die Martin Bürck förmlich in das Gelände geschnitten hat. Eingegrabene Schieferplatten tragen die Inschrift: „Werde Mensch“. Bürcks zweites Exponat, die „Flightbox Heimatplanet Erde“, ein Metallobjekt mit Landefallschirm, das 2007 im Gewerbepark Haid zu sehen war. Jetzt ist die Box am Uracher Albtrauf „gelandet“ und veranschaulicht eindrücklich die Verletzlichkeit unseres blauen Planeten.

Schwerelos wirken dagegen die farbigen Röcke, die Gisela Rohnke drei Apfelbäumen im Park angezogen hat. Inspirieren ließ sich die Künstlerin, die ebenfalls mit zwei Objekten vertreten ist, bei ihrer Klangskulptur vom „Triadischen Ballett“ Oskar Schlemmers.

An unbeschwerte Ferientage erinnert eine Arbeit von Peter Barth. Er hat mit seinen in strahlendem Blau gehaltenen „Badenden“ das längst verfüllte kleine Freibad wieder zum Leben erweckt. Wenige Meter daneben: Barths „Flügelhaus“, das 2007 für den Kunstpfad auf der Haid entstand und nun beim Jahrhunderthaus Aufbruch und Verwurzelung symbolisiert.

Barth ist es auch, der an die dunkelste Geschichte des Hauses gemahnt. Seine dritte Arbeit, ein Portraitobjekt, ist eine sensible Annäherung (als Vorlage existierte nur ein einziges Foto) an den Bauherren des Hauses, Dr. Georg Goldstein, der 1933 wegen seiner jüdischen Religion von den Nazis entlassen und später in Theresienstadt ermordet wurde. Je weiter der Betrachter sich von dem in Glas gestochenen Profil entfernt, desto schärfer tritt es hervor. „Der Blutbaum“ von Dr. Nurhan Sidal schließlich verweist auf die Nachkriegszeit als das Haus ein Versorgungskrankenhaus war. Transfusionsbeutel, die an Pflanzenstängeln hängen, symbolisieren Vergänglichkeit.

Kunstpfad und Tag der offenen Tür im Haus auf der Alb

Am Sonntag, 12. September, dem Europäischen Tag des offenen Denkmals, feiert das Haus auf der Alb (Bad Urach, Hanner Steige 1) mit einem Tag der offenen Tür sein 80-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Kultur der Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ steht dabei die Geschichte des Hauses als Ferienheim im Mittelpunkt. Neben einer Ausstellung im Turmzimmer kann unter anderem auch ein Musterzimmer besichtigt werden in dem einige Möbel aus dem Privatbesitz des Architekten Adolf G. Schneck ausgestellt sind. Der Skulpturenpark „Zeit/Raum – Jahrhunderthaus“ im Park der Einrichtung ist noch bis zum 20. November zu besichtigen.

Installationen rund ums Haus auf der Alb
Vor 80 Jahren wurde das Haus auf der Alb eingeweiht. Zum Jubiläum haben sich regionale Künstler mit der Geschichte des Hauses auseinandergesetzt. Bilder: Franke

Installationen rund ums Haus auf der Alb
Peter Barth hat das alte Höhenfreibad mit seinen „Badenden“ wieder belebt.

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07.09.2010, 12:00 Uhr

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