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Friedenskunst für den S 21-Konflikt

Institut nennt Verhaltensregeln für die Vermittlung

Wie lässt sich der festgefahrene Konflikt um Stuttgart 21 bearbeiten? Das TübingerInstitut für Friedenspädagogik veröffentlichte dazu sieben Ratschläge aus der Friedens- und Konfliktforschung.

13.10.2010
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Der erste Schritt ist bereits getan: Auch die Friedenspädagogen setzen – ohne Heiner Geißler zu nennen – auf eine „von allen Seiten akzeptierte“ Vermittlerperson. Sie müsse über ein klares Mandat, Integrität und Autorität verfügen und in der Lage sein, Räume und Verfahren für eine gemeinsame Auseinandersetzung zu schaffen.

Zweitens müssen die Konfliktparteien ihre Bereitschaft, sich auf eine Vermittlung einzulassen, glaubwürdig dokumentieren und alles vermeiden, was eine weitere Eskalation fördert. Zum umfassenden „Gewaltverzicht“ zählt für die Friedenspädagogen auch das Unterlassen verbaler Diffamierung.

Drittens müsse auf beiden Seiten „Erwartungsverlässlichkeit“ geschaffen werden, um Misstrauen abzubauen. Dazu gehören nach den Erkenntnissen der Friedenspädagogen Transparenz und „die Sicherheit, dass keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden – beispielsweise „durch Bauhandlungen“.

Viertens: Auch ein verfahrener Konflikt ist vielschichtig, und die verschiedenen Konflikttypen, die er enthält, sollten gemeinsam identifiziert und dann im Detail bearbeitet werden. Die Friedenspädagogen erkennen etwa neben dem materiellen Interessenskonflikt (Kopf- versus Durchgangsbahnhof) unterschiedliche, auch politische Wert- und Demokratievorstellungen, Bedürfnisse wie Sicherheit und Anerkennung sowie Zukunftsvorstellungen.

Fünftens kann der Konflikt nicht gelöst werden, wenn es nur um Sieg oder Niederlage geht (Nullsummenspiel). Dazu sollten Sichtweisen und Wahrnehmungen der anderen Seite respektiert und bei der Faktenanalyse Schnittmengen gesucht werden, anstatt auf bekannten Positionen zu beharren.

Sechstens müssten Gegner wie Befürworter respektieren, dass jeder „Block“ aus unterschiedlichen Gruppen mit je eigenen Überzeugungen und Anliegen besteht. Alle sollten jedoch ein Mitspracherecht haben, damit eine gefundene Lösung am Ende auch eine breite Unterstützung genießt und nicht von Einzelnen untergraben wird.

Schließlich gehen die Experten in konstruktiver Konfliktbearbeitung davon aus, dass es bei Stuttgart 21 keine schnelle, für alle Seiten befriedigende Lösung geben wird. Zunächst müssten deshalb in einem Verständigungsprozess gemeinsame Umgangsformen gefunden werden. Tabus seien dabei nicht hilfreich. Benötigt werden vielmehr Geduld, Offenheit, auch für neue Konzeptionen, und Kreativität.

Institut nennt Verhaltensregeln für die Vermittlung
Vom Protest zum (Verständigungs-)Prozess: Offenheit, Geduld und Kreativität gehören zu den Voraussetzungen für eine Lösung des Konflikts.Bild: Grohe

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13.10.2010, 12:00 Uhr

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