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KOMMENTAR · NIGERIA

Instrumentalisierte Religion

Wieder Gewalt, wieder Tote und wieder trifft es auch christliche Kirchen. Doch was derzeit in Nigeria geschieht, ist kein Krieg der Religionen.

23.01.2012

Von ELISABETH ZOLL

Es ist ein grausamer Feldzug einer extremistischen Terrorgruppe, die Nigeria in einen Bürgerkrieg bomben will: Muslime sollen sich gegen Christen erheben - und umgekehrt. Von der so entstehenden politischen und wirtschaftlichen Destabilisierung würde Boko Haram profitieren, eine Terrorgruppe, die Al-Kaida nahesteht und mit Geld aus Saudi-Arabien finanziert wird. Diese Extremistengruppe hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu Nutze gemacht, dass die Regierung in Abuja unfähig war, für Sicherheit im Land zu sorgen und extremistische Straftaten mit Härte zu verfolgen.

Als Brandbeschleuniger der jetzigen Eskalation sollen Fanatiker der Religionen dienen. Deshalb wird mit Anschlägen auf Kirchen Stimmung gemacht. Doch die Wurzeln der Gewalt im bevölkerungsreichsten Land Afrikas heißen Armut, Korruption und eine weitverbreitete Ignoranz der herrschenden Eliten für die Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerung. Eine ganze Generation junger Menschen ist deshalb ohne Perspektive. Die Hoffnungslosigkeit lässt sie zum Werkzeug wütender Extremisten werden.

Das bedeutet: Die Verantwortung für den Konflikt liegt bei der Politik. Von dort muss die Lösung kommen - in Form einer Wirtschaftspolitik, die Einkommen aus der Erdölförderung nutzt, Arbeitsplätze zu schaffen. Ausländische Regierungen und die Kirchen müssen die Machthaber in Abuja mit Nachdruck auf den Weg weisen. Ein in einen Bürgerkrieg abgleitendes Nigeria hätte massive Folgen. Nicht nur für Afrika.

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Erstellt:
23. Januar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Januar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2012, 12:00 Uhr

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