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Energiewende mit „SuedLink“

Intensive Mitarbeit von Kommunen und Privatleuten an der Kabeltrasse

Bürger können die Planung des Stromkabels nach Baden-Württemberg beeinflussen.

01.12.2016
  • HANS GEORG FRANK

Stuttgart. Das Erdkabel von der Nordsee nach Nordwürttemberg ist das größte und spektakulärste Projekt der Energiewende. An der Küste wird, zumeist mit Hilfe des Windes, siebenmal mehr Strom erzeugt, als dort benötigt wird. Der Süden mit seiner starken Wirtschaft ist auf diese Elektrizität angewiesen. Für „SuedLink“, dessen genaue Trassenführung noch nicht feststeht, wurde die bislang größte Informationsoffensive gestartet.

Was brachte das Dialogverfahren? Bei keinem anderen Großprojekt in Deutschland gab es im Vorfeld eine solche Beteiligung der Bürger bereits vor Auslegung der Pläne. Nach den Erfahrungen bei „SuedLink“ müsste es zum Standard werden, fordern Bürgermeister. Fast 6000 Meldungen sind bei den Planern eingegangen, wovon erst die Hälfte ausgewertet ist. 39 Prozent stammen von Kommunen, 27 Prozent von Privatpersonen. Es handelt sich um Hinweise auf eigene Quellen, Hochbehälter, Gewerbegebiete, Golfplatz, Friedwald, auf das Weltkulturerbe Limes, auf Brutplätze von Rohrweihe und Rotmilan, Wiedehopf und Wachtelkönig. 127 Anmerkungen gingen aus dem Norden des Landes ein. Daraus schließen die SuedLink-Macher, dass ihr Projekt „ruhig und entspannt“ verfolgt wird – denn allein im Raum Schweinfurt habe es mehr Bedenken gegeben.

Welche Auswirkung hat das Erdkabel auf die Landwirtschaft? Bei den Informationsabenden, zu denen bis zu 170 Besucher kamen, wurde stets betont, wie unbedenklich die Erwärmung des Bodens durch das Erdkabel sei. Im Kern wird diese Leitung bis zu 70 Grad heiß, am Rand wird mit 50 Grad gerechnet. Über dem Kabel wird der Graben mit rund 1,4 Meter Material aufgefüllt. Die Auswirkung an der Oberfläche sei so, wie wenn eine 60-Watt-Birne vergraben werde, erklärte Werner Götz, Chef von Transnet BW, die für das Vorhaben zuständig ist. Ein Experiment des Freiburger Instituts für Bodenkunde und Waldernährungslehre hatte nach fünf Jahren „keine thermisch bedingten, ökologisch relevanten Veränderungen“ festgestellt. Allerdings ist die Aussage, die in Prospekten gerne zitiert wird, nur bedingt tauglich, weil die Wissenschaftler lediglich mit erhitzten Stahlrohren auf einer Länge von fünf Metern geforscht haben. Über 80 Prozent der Trasse führt über landwirtschaftliches Gebiet.

Wie wird das Erdkabel überwacht? Die Einzelteile des Kabels werden in einem klimatisierten, staubfreien Gehäuse („Muffencontainer“) zusammengesetzt. Dabei kommt auch ein Lichtwellenleiter in den Graben. Dank dieses Signalgebers sollen sich Defekte rasch und möglichst genau orten lassen. Die Reparatur ist wegen der notwendigen Tiefbauarbeiten aufwendiger als bei Freileitungen. Es werden keine Kontrollhäuschen für die Überwachung errichtet.

Wann beginnen die Bauarbeiten? Im ersten Quartal 2017 will Transnet die Genehmigung für „SuedLink“ beantragten. Das rechtliche Prozedere wird nach Angaben von Projektsprecherin Saskia Branzke voraussichtlich vier Jahre dauern. Für den Bau auf einer Länge von rund 700 Kilometer zwischen Ostfriesland und Leingarten bei Heilbronn werden gleichfalls vier Jahre veranschlagt. Der aktuelle Zeitplan geht von einer Fertigstellung im Jahr 2025 aus. Das letzte Atomkraftwerk, Neckarwestheim 2, liefert spätestens nach dem 31. Dezember 2022 keinen Strom mehr. Diese drei Jahre müssen überbrückt werden.

Was kostet „SuedLink“? Noch gibt es keine exakten Zahlen über die Kosten des Projektes. Zu viele Fragen – vom Trassenverlauf bis zum Kabelmaterial – sind ungeklärt. Saskia Branzke schätzte den finanziellen Aufwand auf zehn Milliarden Euro: „Dreimal mehr als die Freileitung.“

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01.12.2016, 06:00 Uhr

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