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Rottenburg hofft auf Doppelgleis und Strom

Intercity als Hebel

Der Intercity (IC) der Deutschen Bahn, womöglich gar der schnelle Intercity Express (ICE), soll von Horb durchs Neckartal über Rottenburg und Tübingen nach Stuttgart fahren. Das will auch Rottenburgs Oberbürgermeister.

26.05.2012

Rottenburg. Eine solche Absenderliste auf einem Brief gibt es nicht alle Jahre: Stadt Rottenburg, Stadt und Kreis Tübingen, Stadt und Kreis Reutlingen, Regionalverband Neckar-Alb und die Stadt Metzingen schlagen dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann vor, den IC Stuttgart-Zürich zwischen Horb und Stuttgart nicht mehr über die Gäubahn rollen zu lassen, sondern über Rottenburg, Tübingen, Reutlingen.

Vordergründig wollen die Unterzeichner Hilfe im so genannten Filder-Dialog anbieten, wo es im Zusammenhang mit Stuttgart 21 Kapazitätsprobleme gibt. Die eigentliche Absicht liegt auf der Hand: Führe der IC zwischen Horb und Stuttgart über Tübingen, dann müsste die gesamte Bahnstrecke zwischen Tübingen und Horb elektrifiziert werden. Wahrscheinlich müsste die Strecke auch zweigleisig ausgebaut werden – zumindest abschnittsweise und dann bevorzugt zwischen Tübingen und Rottenburg. Damit würde zwingend, was Rottenburg auch ohne den IC dringend wünscht. Dass der IC jemals in Rottenburg hält, wagt selbst OB Stephan Neher nicht zu glauben.

Die Tübinger kämen schneller nach Zürich

Der Vorteil für Tübingen und Reutlingen wäre, dass Fahrgäste, die nach Zürich und weiter nach Mailand oder Rom wollen, nicht mehr erst nach Horb oder Stuttgart fahren müssen, um in den IC umzusteigen. Sie kämen in einem Rutsch und schneller nach Zürich.

Neher hält es für nicht ausgeschlossen, dass der IC sogar in Tübingen und in Reutlingen hielte. Diese Auskunft komme von der Bahn AG selbst, die die nun ins Spiel gebrachte Streckenführung für den IC auch vorgeschlagen habe. Die Bahn erhoffe sich von den beiden Städten des gemeinsamen Oberzentrums Tübingen und Reutlingen ein so großes Fahrgast-Potenzial, dass sich der zweifache Halt in kurzem Abstand sogar lohne.

Mit diesem Konzept müsste auch die Wendlinger Kurve zweispurig ausgebaut werden, was immer noch strittig ist. Trotzdem, so glauben die Vertreter der Region Neckar-Alb, wäre dies und die Elektrifizierung der Strecke Tübingen-Horb billiger als die bisherige Planung mit Einfahrt des IC nach Stuttgart über die Gäubahn.

In dem Brief ist sogar vom „ICE-Verkehr“ die Rede. Die Hintergründe dafür waren gestern Nachmittag nicht mehr zu klären. Sollte dieser Hochgeschwindigkeitszug von Horb nach Reutlingen brausen, müsste er entweder für seine Verhältnisse sehr langsam fahren, oder es müssten aufwändige Schallschutzzäune entlang der Gleise errichtet werden.

Doch auch der Intercity bräuchte länger von Horb nach Stuttgart, wenn er über Tübingen führe. Neher spricht von 10 Minuten mehr. Dies sei Auskunft der Bahn. An der längeren Reisezeit könnte sich die Schweiz stören. Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer aber habe bereits den Staatsvertrag eingesehen und fand kein Hindernis.

Erwin Teufel lehnte dieselbe Idee einst ab

Den selben Strecken-Vorschlag gab es schon einmal 1989 im Vorfeld der Stuttgart 21-Planung. Damals sei er von Ministerpräsident Erwin Teufel rundweg abgelehnt worden, sagte FDP-Kreisrat Max-Richard von Rassler gestern. Die Unterzeichner/innen des auf 24. Mai datierten Briefs an den Verkehrsminister bemerken zu der längeren Fahrtzeit: „Auch wenn hier ein Nachteil bleibt, steht dem aber ein erheblicher Fahrtzeitgewinn für das Oberzentrum Reutlingen-Tübingen und erstmals eine vollwertige Anbindung dieses wirtschaftsstarken und bevölkerungsreichen Raumes an den Fernverkehr der Bahn gegenüber.“

Stephan Neher sieht den Vorteil für Rottenburg in der höheren Kapazität, den eine elektrifizierte zweigleisige Strecke auch für den Nahverkehr bietet. Gar nicht überzeugt ist Kreisrat von Rassler. Als Vertreter des Raumes Starzach sieht er nur Nachteile für die Gemeinden an der Bahnlinie zwischen Rottenburg und Horb: Mehr Züge, mehr Lärm, mehr Schmutz, die Verschandelung der Landschaft, falls Schallschutzzäune nötig sind.

Neher rechnet mit einem Zweistundentakt des IC, mit verlangsamter Fahrt und deshalb mit tragbaren Belastungen. Er habe noch keinen Widerspruch vernommen, obwohl er vor anderthalb Wochen Starzachs Bürgermeister, die Rottenburger Ratsfraktionen und die Ortsvorsteher der Bahnanlieger-Stadtteile informiert habe. gef

gSiehe auch erste Lokalseite

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26.05.2012, 12:00 Uhr

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