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Flut des Schwarzen Goldes

Internationale Energieagentur warnt vor langfristigen Folgen billigen Öls

Die Verbraucher können sich freuen: Sprit und Heizöl sind derzeit ausgesprochen günstig. Grund sind niedrige Ölpreise. Doch diese haben auch ihre Kehrseite: Die Opec wird wieder mächtiger.

11.11.2015
  • DPA

Frankfurt/London Das anhaltende Ölpreis-Tief lässt auch die Verbraucher an den Tankstellen jubeln. Aber ist die Freude zu kurz gegriffen? Experten warnen vor Risiken. Denn die globale Abhängigkeit von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) könnte bald wieder wachsen. Und ein massiver Preisanstieg wäre dann denkbar. Seit Monaten sinken die Ölpreise von einem Tiefstand zum nächsten. Das Öl-Angebot ist auf Rekordniveau. Mit dem erwarteten Ende der Sanktionen zum Jahresende gegen den Iran könnte wieder ein neuer Anbieter auf den Plan treten. Gleichzeitig schwächelt die Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran China. Für die Ölkonsumenten rund um den Globus scheint das zunächst gut zu sein.

Aber die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris warnt in ihrem aktuellen Jahresbericht vor Gefahren: "Niedrigere Preise sind nicht nur gute Nachrichten für Verbraucher." Es bestehe das Risiko, dass notwendige Investitionen in die Ölförderung angesichts des Preistiefs ausbleiben, weil die Förderung so für viele Unternehmen nicht mehr rentabel ist. In den USA, wo der Fracking-Boom bei Öl und Erdgas zunächst wie ein Segen erschien, ist dies bereits in zahlreichen Regionen geschehen. Auf längere Sicht könnte die verknappte Förderung zu heftigen Preisanstiegen führen.

Der niedrige Ölpreis ist jedoch nicht nur eine Folge von Veränderungen von Angebot und Nachfrage. Entscheidend ist, dass das Ölkartell Opec, zu dem sich Öl exportierende Staaten vor allem aus dem Nahen Osten zusammengeschlossen haben, nicht gegensteuert.

Die Opec ist nervös, ihre Macht droht zu schwinden. Andere Anbieter drängen auf den Energiemarkt - allen voran die USA mit ihrer Fracking-Technologie. Deshalb will die Opec die neuen Konkurrenten an der Achillesferse treffen. Die neuen Fördermethoden sind meist teurer, niemand kann dagegen noch so billig Öl fördern wie die Staaten im Nahen Osten. Durch anhaltend niedrige Preise werden die Konkurrenten weggespült, so das Kalkül.

In den 1980er Jahren war das schon einmal gelungen. Massenweise US-Produzenten mussten damals dicht machen. Nun ist die Opec-Notwehrstrategie zurück. Und sie könnte gefährlich werden. Die Investitionen in die Ölförderung sind laut IEA in diesem Jahr bereits um mehr als 20 Prozent gefallen. Für das nächste Jahr sei mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Die saudi-arabische Führung geht von einem Rückgang des Angebots außerhalb der Opec für 2016 und danach aus. "Wir sehen weniger Angebot von Nicht-Opec-Staaten", sagte Opec-Generalsekretär Abdallah El-Badri.

Sollten die Niedrigpreise bestehenbleiben, dann werde der Anteil des Nahen Ostens auf dem Ölmarkt höher werden, als er in den letzten 40 Jahren jemals war, meint die IEA. Was für die Opec ein Grund zur Freude ist, ist für den Rest der Welt eine Gefahr: Bei anziehender Nachfrage könnten die zuvor abgebauten Kapazitäten plötzlich fehlen. Und ein Nachfrageschock ist laut der Behörde durchaus möglich - vor allem mit Blick auf Indien.

Im Zangengriff zwischen abgebauten Kapazitäten und einer anziehenden Nachfrage könnten die Ölpreise also wieder anziehen. Allerdings ist fraglich, ob es der Opec wirklich gelingen wird, mehr und mehr Rivalen auszuschalten. "Die Opec kämpft einen verzweifelten Kampf", sagt Heinrich Peters, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen.

Internationale Energieagentur warnt vor langfristigen Folgen billigen Öls
Es ist im kommenden Jahr von einem Rückgang des Öl-Angebots außerhalb der Opec auszugehen. Unser Bild zeigt einen irakischen Arbeiter. Foto: afp

Internationale Energieagentur warnt vor langfristigen Folgen billigen Öls
IEA-Direktor Fatih Birol stellt geringere Investitionen in die Ölförderung fest. Foto: afp

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11.11.2015, 12:00 Uhr

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