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Heimspiel mit Haltung

Internet-Phänomen „Dodokay“ über Bühnen, Balinger und Adrenalin

Im Internet kennen „Dododay“ Millionen, doch die Live- Bühne ist für ihn Neuland: Der Reutlinger Dominik Kuhn ist mit seiner „Welt auf Schwäbisch“ derzeit auf Tour – und beglückte am Wochenende sein Heimatpublikum.

09.11.2014
  • Interview: Eike Freese

TAGBLATT: Herr Kuhn, zwei Minuten ist Ihr erster Comedy-Auftritt überhaupt vor heimischer Kulisse alt. Wie hoch ist der Adrenalinspiegel gerade?

DODOKAY: Ach, ich bin ziemlich entspannt bei solchen Sachen. Die Leute denken ja immer (imitiert eine schwäbische Hausfrau) „Hey, der isch subba aufgeregt, vor tausendfünfhundert Leude‘!“ Aber das geht mir ein bisschen ab.

Kein Risikogefühl? Schließlich war es ja nicht klar, ob der Humor aus Ihren millionenfach geklickten Internet-Videos auch live auf großer Bühne funktioniert.

Nein, klar war das nicht.

Und groß rumprobiert haben Sie auch nicht: Ihr erster Auftritt vor Publikum war im Frühjahr – gleich mal in der Stuttgarter Porsche-Arena, vor 5000 Leuten.

Ja, dank meines Managers war die Premiere gleich in der Porsche-Arena. Was eigentlich ein bisschen krank ist – es war auch ein bisschen krank (lacht). Aber dass die Filme funktionieren, war uns vorher klar: Ich war schon Jahre zuvor immer mal auf kleineren Veranstaltungen zu Gast. Da habe ich meine Synchros mitgebracht – und es war immer ein Phänomen: Ich stand da, hab zwei, drei Worte gesagt, meinen „Obama“ laufen lassen – und es war geil. Das war safe.

Humoristisch safe sind Ihre Clips allemal – aber Sie wollten ein abendfüllendes Programm.

Stimmt. Deshalb war vorher tatsächlich immer die Hauptfrage: Kann der auch Stand-Up-Comedy?

Der Applaus heute Abend spricht ja für sich.

Ja, das stimmt wohl. Aber vor allem sind die Leute natürlich wegen der Synchros hier – und es wäre völliger Schwachsinn, denen nicht viel Raum zu geben. Das Publikum will gar nicht zwei Stunden Stand-Up von mir. Das ist übringes auch nützlich: Denn wenn ein Witz mal abschifft – dann kommt einfach eine neue Synchro und die Zuschauer sind wieder voll da.

Was wohl auch daran liegt, dass Ihre Videos einen hohen Wiedererkennungswert vor allem hier in Reutlingen haben. Bei einem Ihrer besten Clips, „FKK am Baggersee Kirchentellinsfurt“, wird ja schon vor der ersten Pointe gelacht, weil er eben in K‘furt spielt. Funktionierte das denn bei ihrem Auftritt am Freitag in Gmünd genauso?

Na klar, in Gmünd wars genauso. Da war es nämlich der Gmünder Baggersee.

Wie das?

Ich synchronisiere für jede Show fünf, sechs Videos komplett um. Das Intro ist anders, auch Synchros wie „Tuningclub Hasenweiler“ und „K’furter Baggersee“. Ich arbeite auch alle Gags noch einmal durch.

Auch die über die notorisch auftretenden „Balinger“? Die haben in Ihren Clips ja traditionell einen schweren Stand.

Auch die. Jeder „Balinger“ wird in Gmünd zu einem „Aalener“, um alles auf den Ort zuzuschneiden.

Da müssen Sie ja richtige ethnologische Studien anstellen, um sich der jeweiligen Regionalkultur anzupassen.

Meist rufe ich einfach jemanden an, der jemanden kennt. Genau das regional Passende muss ja die Qualität meiner Show sein – denn Stand-Up-Comedians gibt es genug, die in Ihrer jeweiligen Sache auch besser sind als ich.

Dennoch kommt Ihr Humor erwiesenermaßen deutschlandweit an. Sie konzentrieren sich bei Ihrer jetzigen Tour aber bewusst aufs Schwabenland.

Erstmal, ja. Aber ich seh das total entspannt. Ob es mal in einen kleineren Club in Berlin geht oder so – das lassen wir alles mal auf uns zukommen. Ich bin ja nicht hauptberuflich Comedian, ich bin Filmemacher, und werde jetzt endlich nach langer Pause auch wieder zurück zum Film kommen. Ich mach jetzt mal die Tour, das finde ich ganz toll – aber ich glaub nicht, dass es 60 Termine im Jahr werden.

Noch einmal zurück zu den Balingern: Die kommen ja schön oft vor im Programm – doch während der Show sagen Sie tatsächlich, was gewiss nicht jeder Comedian tun würde: „Das ist natürlich nicht ernst gemeint“.

Ja, das ist das alte Problem: Die Haltung des Comedians. Ich selbst habe oft die Haltung, dass ich es gerne allen recht machen möchte. Deshalb lasse ich manchmal solche Sachen einfließen. Aber ich muss mal gucken, wo die Reise da hingeht. Entweder werde ich jetzt langsam frecher – oder das passt zu mir. Das habe ich noch nicht herausgefunden, da bin ich selbst drauf gespannt.

Internet-Phänomen „Dodokay“ über Bühnen, Balinger und Adrenalin
Heimspiel vor ausverkauftem Haus in der Stadthalle: Dominik Kuhn alias „Dodokay“ tourt mit seinen schwäbischen Synchronisationen jetzt durch große Hallen.Bild: Haas

Dominik Kuhn alias „Dodokay“ ist seit 2007 einem Millionenpublikum bekannt. Seine schwäbischen Synchronisationen von Filmklassikern (etwa Star Wars oder Herr der Ringe) sind wahre Klickmonster im Internet. Der 45-Jährige arbeitet im normalen Leben erfolgreich als Produzent, Regisseur, Sprachkünstler und Musiker. Bei seiner jetzigen Tour „Die Welt auf Schwäbisch“ tritt er in über 20 Städten in Baden-Württemberg auf. Knapp 3000 Zuschauer sahen seine beiden Auftritte am Wochenende in Reutlingen.

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09.11.2014, 12:00 Uhr

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