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Interview mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek
Sebastian Fitzek spielt in der Verfilmung seines Buches einen Buchhändler. Foto: SAT.1/SAT.1/obs
„Thriller sind mir lieber als Krimis“

Interview mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek

Bestsellerautor Sebastian Fitzek über die RTL-Verfilmung seines Romans „Das Joshua-Profil“, seinen liebsten „Tatort“-Kommissar und seinen Auftritt als Schauspieler.

29.03.2018
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Berlin. Er ist Deutschlands erfolgreichster Thrillerautor: Sebastian Fitzek. Seine Bücher verkaufen sich millionenfach und erobern regelmäßig die Bestsellerlisten – jetzt kommt sein Roman „Das Joshua-Profil“ ins Fernsehen. RTL zeigt am Karfreitag (20.15 Uhr) die Verfilmung von Fitzeks Buch, das sich um eine rätselhafte Verschwörung dreht: Der erfolglose Schriftsteller Max Rhode (Torben Liebrecht) wird zum Gejagten, weil ein Computerprogramm voraussagt, dass er ein Verbrechen begehen wird.

Sie haben zahlreiche Bücher geschrieben, doch „Das Joshua-Profil“ ist die erste große TV-Verfilmung. Sind Ihre Bücher schwer verfilmbar?

Sebastian Fitzek: Stimmt, es ist die erste Fernsehverfilmung. Das liegt hauptsächlich daran, dass das Genre Thriller lange Zeit mit Skepsis behaftet war. Das war zunächst im Buchbereich so, wo mich viele Absagen erreichten. Es hieß immer: Deutscher Thriller funktioniert nicht. Irgendwann hatte sich das im Buchbereich geändert und es gab eine Thrillerwelle, aber beim Fernsehen hieß es damals noch: Thriller ist einfach zu düster.

Nicht zu Unrecht, oder?

Man kann das schon ein bisschen verstehen, die Sender wollen gerne etwas um 20.15 Uhr ausstrahlen, und ein Thriller ist in der Regel erst was für die Ausstrahlung nach 22 Uhr. Mittlerweile hat sich das aber dank Erfolgsserien wie „Dark“, „4 Blocks“, „Babylon Berlin“ oder „You are wanted“ geändert.

Generell gibt es in Fernsehkrimis einen Trend hin zur drastischeren Darstellung von Gewalt.

Ich halte überhaupt nichts davon, dass man glaubt, man muss einen gewissen Blutzoll haben, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Brauche ich eine Gewaltszene nur für einen Tabubruch, dann ist es Splatter, und Splatter interessiert mich überhaupt nicht. Ich stelle eher die Tendenz fest, dass das psychologische Moment immer mehr Einzug hält in die TV-Unterhaltung, auch in den „Tatort“, der sich streckenweise zum Psychothriller entwickelt. Ich glaube, dazu hat der Buchbereich mit seinen psychologischen Thrillern beigetragen.

Haben Sie einen Lieblingskommissar beim „Tatort“?

Ich bin überhaupt kein „Tatort“-Experte. Aber ich mag Kommissar Borowski sehr gerne, weil der eine gebrochene Figur ist, und seine Figurenzeichnung geht sehr ins Psychologische – als Autor von psychologischen Thrillern interessiert mich das mehr als ein amüsanter Krimi wie etwa die Münsteraner „Tatorte“, die ja mehr Komödie sind.

Es war zu lesen, dass Sie ein Drehbuch für den „Tatort“ schreiben möchten. Was ist draus geworden?

Da bin ich einmal falsch zitiert worden. Ich hatte gesagt, dass das eine große Herausforderung für mich wäre und ich mir das gar nicht anmaßen wolle, weil ich mich in diesem Genre gar nicht so zuhause fühle. Generell sind mir Thriller lieber als Krimis.

Worin liegt der Unterschied?

Im Krimi geht es um einen Ermittler, der beruflich darauf trainiert ist, mit Gewalt umzugehen und der herausfinden muss, wer ein Verbrechen begangen hat. Mich interessiert es aber mehr, wenn in einem Thriller ein Otto Normalverbraucher im Mittelpunkt steht, wenn die Gewalt jemandem wie dem Schriftsteller Max Rhode im „Joshua-Profil“ die Maske runterreißt und er sein wahres Ich zeigen muss.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie sich Geschichten ausdenken können, die andere Menschen fesseln?

Als ich bei einem Radiosender in Berlin die Morgensendung betreut habe. Damals habe ich als Redakteur Texte für andere geschrieben, das waren eher lustige Geschichten, die man in kurzer Zeit sehr verdichtet schreiben musste. Ich bin außerdem mit Filmen wie „Angel Heart“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ groß geworden. „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russell war der erste Film, der mich richtig aus der Bahn geworfen hat, der entwirft ein utopisches Szenario. Danach habe ich mich immer gefragt: Fällt dir auch mal so eine Was-wäre-wenn-Situation ein, wo man als Leser oder Zuschauer wirklich die Antwort wissen will? Irgendwann hatte ich eine entsprechende Idee zu meinem Debütroman und habe es ausprobiert.

Sie haben im RTL-Film einen Kurzauftritt als Buchhändler, der verzweifelt ist, weil niemand zur Lesung des Titelhelden kommt, der wie Sie Thriller schreibt. Wie kam es dazu?

Die Szene gibt es in meinem Roman so nicht, aber der Regisseur und der Drehbuchautor brauchten eine Szene, die die Erfolglosigkeit der Hauptfigur als Thrillerautor unterstreicht. Mir ist das selber öfter passiert, zum Beispiel 2007 in Rostock: Obwohl ich da mit „Amokspiel“ schon auf der Bestsellerliste stand, kamen genau fünf Leute, und drei davon haben in der Buchhandlung gearbeitet. Ich fand es lustig, das zu spielen, bin dann aber ein bisschen erschrocken, weil eine längere Sprechrolle daraus wurde als ich erwartet hatte.

Sie gehen künftig also nicht unter die Schauspieler?

Nein, eine Karriere als Schauspieler strebe ich nicht an. Es ist ein verdammt harter Job, glaubwürdig in eine andere Rolle zu schlüpfen. Ich ertrage mich ja kaum auf Fotos, und mich dann auch noch im Bewegtbild zu sehen – das ist gar nicht so angenehm (lacht).

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29.03.2018, 06:00 Uhr

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